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Sommerfest im Künstlerhaus

Wiepersdorf Sommerfest im Künstlerhaus

Seit zehn Jahren befindet sich das Schloss Wiepersdorf in der Hand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die damit erstmals Träger eines Künstlerhauses wurde. Im MAZ-Interview spricht Direktorin Anne Frechen über die Bedeutung des Ortes für das Land Brandenburg, aber auch den Mangel an Fachpersonal zur Betreuung der Stipendiaten.

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Anne Frechen, Direktorin des Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf

Quelle: Peter Degener

Wiepersdorf. Anne Frechen (63) ist seit der Übernahme von Schloss Wiepersdorf durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz am 1. Juli 2006 die Direktorin des Künstlerhauses. Am Sonntag ab 13 Uhr wird das zehnte Jubiläum dieser Trägerschaft mit einem Sommerfest mit Lesungen, Musik und Rundgängen durch die Ateliers der Stipendiaten in Wiepersdorf gefeiert.

Seit 10 Jahren sind Sie die Direktorin des Künstlerhauses. Können Sie erzählen, wie Sie hierher gekommen sind?

Anne Frechen: Ich war früher in Niedersachsen die künstlerische Direktorin der Künstlerhäuser Worpswede, einer im Kern vergleichbaren Einrichtung. Im Künstlerdorf Worpswede wurden ebenfalls bildende Kunst, Literatur und Komposition mit Stipendien gefördert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat ab 2005 die Übernahme des Künstlerhauses in Wiepersdorf verhandelt und sich von mir beraten lassen, weil es damals eine völlig neue Aufgabe für die Stiftung war. Daraufhin wurde mir die Stelle angeboten.

Was hat Sie daran gereizt?

Frechen: Der Wiepersdorfer „Boden“ hat künstlerische Dimensionen, die mich schon immer interessiert hatten. Der Austausch zwischen den verschiedenen Kunstsparten, die Zeit der Romantik, die deutsch-deutsche Vergangenheit an diesem Ort erschienen mir einfach spannend. Es ist mein vorrangiges Interesse, all diese Facetten des Hauses zu erhalten und sichtbar zu machen.

Einer ihrer Vorgänger als Leiter, Peter Hahn, hat kürzlich in der MAZ gesagt, das Land Brandenburg fahre hier auf „verantwortungslosen Verschleiß“. Stimmen Sie dem zu?

Frechen: Ich kenne Herrn Hahn nicht persönlich und habe mich gefragt, was ihn antreibt, das Land so hart in die Pflicht zu nehmen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat hier in vergangenen zehn Jahren baulich und denkmalpflegerisch Wesentliches geleistet. Künstlerisch hat sich das Haus durch die Stipendiaten weiter etabliert und an internationale Bekanntheit gewonnen. Ich denke allerdings auch, dass das Land sich zur einzigartigen kulturhistorischen Bedeutung Wiepersdorfs bekennen und daraus Konsequenzen für die Zukunft ziehen sollte

Am Sonntag kommt die Kulturministerin zu Ihrem Sommerfest – welchen Wunsch haben Sie Martina Münch gegenüber?

Frechen: Sie kennt das Haus gut und war schon 2006 bei der Neueröffnung des Hauses als Vorsitzende des Kulturausschusses des Landtags anwesend. Wir sind neun Angestellte vom Hausmeister und Gärtner über die Köchinnen und Reinigungskräfte bis zu einer Sekretärin und mir als Leitung. Zusätzliche Fachkompetenz für die Sparten Literatur, Kunst und Komposition sowie für das Bettina und Achim von Arnim-Museum und die Öffentlichkeitsarbeit wäre wünschenswert. Und natürlich eine langfristige finanzielle Absicherung des Hauses und der Künstlerförderung.

Sie haben viele Künstler hier beherbergt. Ist Ihnen ein Stipendiat in besonderer Erinnerung?

Frechen: Viele! Es waren in den letzten zehn Jahren über 300 Stipendiaten hier zu Gast. Nächstes Jahr ist das Schloss Wiepersdorf übrigens schon 70 Jahre ein Künstlerhaus, denn 1947 kam es in die Zuständigkeit der deutschen Dichterstiftung. Seitdem waren hier etwa 1400 bedeutende Künstlerinnen und Künstler. Gerade im Bereich der Literatur hat jeder mit Rang und Namen eine Verbindung nach Wiepersdorf. In unserem Archiv können viele Schätze gehoben werden! Auch die jüngste Literaturnobelpreisträgerin, Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch, war zwei Mal hier Stipendiatin.

Wie ist das Feedback der Künstler auf diesen Ort? Entwickeln viele eine besondere Beziehung zu Wiepersdorf?

Frechen: Das gilt praktisch für alle. Für die Jubiläumsausstellung im Kunsthaus Potsdam wurden rund 100 bildende Künstler angeschrieben, ob sie teilnehmen wollten, und binnen kürzester Zeit gab es über 50 Rückmeldungen. Der Ort Wiepersdorf taucht in allen Werken auf. Zur Eröffnung der Ausstellung waren wiederum mehr als 50 Ehemalige anwesend, und mir wurde klar, welche Verbindungen zwischen diesen Menschen in Wiepersdorf geknüpft wurden. Deshalb ist mein nächstes großes Ziel nun der Aufbau eines interaktiven Alumni-Netzwerks. Dieses Vorhaben wird auch aktiv durch das MWFK und den Freundeskreis Schloss Wiepersdorf e. V. unterstützt.

Was haben Sie da vor?

Frechen: Es sind etliche Kollaborationen über Ländergrenzen hinweg hier entstanden. Marion Brasch schrieb vor drei Jahren hier ihren zweiten Roman, traf auf die finnische Übersetzerin und Verlegerin Arja Rinnekangas, die das Buch übersetzte und in Finnland herausbrachte. Ein Alumniportal kann die Künstler bei gemeinsamen Projekten unterstützen und sie dokumentieren. Zugleich werden die ehemaligen Stipendiaten so zu Botschaftern für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf und schreiben die spannende Geschichte dieses Ortes fort.


Von Peter Degener

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