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Teltow-Fläming Sommerhaus zum Schreiben
Lokales Teltow-Fläming Sommerhaus zum Schreiben
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14:38 12.10.2016
Eberhard Panitz in seinem Arbeitszimmer in Berlin-Grünau. Zum Schreiben zieht es ihn immer wieder ins Dahmeland. Quelle: Heidrun Voigt
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Prieros/Kolberg

„Meine beste Schreibstation ist dort draußen. Ich bin kein Stadtmensch“, gesteht der Schriftsteller, Drehbuchautor und Publizist Eberhard Panitz. Seit 54Jahren hat er ein Domizil „dort draußen“ – erst in Kolberg, seit 1974 in Prieros-Ziegelei.

Der gebürtige Dresdener ist in der Nähe der Moritzburger Seen aufgewachsen. Der Naturpark Dahme-Heideseen erinnert den 84-Jährigen an seine Kindheit. „Ich stürze mich morgens in die Dahme und schwimme, wenn es das Wetter zulässt. Hole jeden Tag mit dem Rad die Zeitung aus dem Dorf.“

Etablierter Autor in der DDR

Eberhard Panitz, der zu den etablierten Autoren in der DDR gehörte, verschlug es 1962 durch den Schriftsteller Boris Djacenko, einen gebürtigen Letten, nach Kolberg. „Ich kam 1953 frisch von der Uni, war Lektor beim Verlag Neues Leben und habe ihn betreut.“ Schon in den 1950ern ist Panitz regelmäßig in die Mark zu Djacenkos Datscha gefahren. Bei den Besuchen erfuhr er von seinem Gastgeber und Einwohnern vieles über Kolbergs erste Bürgermeisterin Sonja. Die Rote Armee setzte die 21-Jährige nach dem 2. Weltkrieg ein. Kennengelernt hat Panitz diese widersprüchliche Frau nie. Aber er schuf ihr mit seinem 1974 erschienenen Roman „Die unheilige Sophia“ ein literarisches Denkmal.

Das Buch „Die unheilige Sophia“ erschien im Jahr 1974. Quelle: Heidrun Voigt

Die einen schimpfen, dass das „rote Luder“ das Dorf tyrannisiere und nur für sich sorge, und die anderen sagen, dass die Frau nur gerecht sei. „Einige Leute hat sie böse behandelt, andere verdanken ihr alles“, erinnert sich der Autor. Manfred Wekwerth führte Regie bei der Verfilmung des Buches. Gedreht wurde an den Originalschauplätzen. „Von alten Leuten hörten wir, dass man die rote Sophia bei Vollmond auf dem Grund des Wolziger Sees tanzen und feiern sehen könne“, schrieb der 2014 verstorbene Regisseur in seiner Autobiografie.

Prominente Künstler wie Renate Richter oder Dieter Mann rückten nach Kolberg nicht erst mit den Filmleuten vor. Nur eine dreiviertel Autostunde von Berlin entfernt, zog es schon immer Literaten in die idyllische Landschaft. Nach dem Schneeballprinzip holte einer den anderen nach. Djacenko brachte Panitz und Panitz den Schriftsteller Werner Liersch auf den Kolberg. „Wir hatten herrliche Erlebnisse hier – auch im Winter, denn solange das Heizen mit Strom erschwinglich war, waren wir fast das ganze Jahr hier draußen.“ Und Panitz erzählt schmunzelnd, wie er mit Liersch zu Silvester Knaller in Briefkästen geworfen hat. Oder wie die Autoren im „Dorfkrug Kolberg“ oder beim Kneipenwirt Egon in Streganz feuchtfröhlich diskutierten.

Nabokov war der Erste

Es begann in den 1920ern mit Nabokov. Der Autor der „Lolita“ hatte am Ziestsee ein Grundstück gekauft und soll im „Dorfkrug“ gewohnt haben. Den Literaten Hans Scholz zog es Mitte der 1930er in den Ort. Später kam der Dramatiker Alfred Matusche. Dessen Haus übernahm der Dichter und Übersetzer Henry Bereska als junger Mann. Auch die Berliner Autorin Katja Lange-Müller verbrachte ihre Kindheit in Kolberg. Der Dramatiker Rudi Strahl, der eine Hütte am Prieroser Tonsee hatte, gehörte ebenfalls zur „Kolberger Clique“.

Als Eberhard Panitz 1974 von Kolberg nach Prieros in sein heutiges Sommerhaus zog, verbesserte sich seine wohnliche Situation deutlich. „Als ich das Häuschen übernahm, hatte es schon ein gekacheltes Bad und das Wohnzimmer war getäfelt. Erbaut hat es die Kinderbuchautorin Alex Wedding, die viel in der Welt herumgekommen ist.“ Panitz berichtet, dass Christa Wolf das Haus von ihr erbte. Er besuchte die Wolfs ab und an, traf dort auch auf Sarah und Rainer Kirsch. „Wir Männer sind manchmal angeln gegangen, haben Hechte und Goldkarauschen im Blauen See gefangen.“ Der Schriftsteller erzählt, dass Christa Wolf sich in der Gegend wegen der Kampfgruppen und des Lärms vom NVA-Truppenübungsplatz hinter den Streganzer Bergen nicht wirklich wohl fühlte. Sie verkaufte das Haus an eine Grafikerin, von der es wiederum Panitz erwarb.

Der Autor

Eberhard Panitz wurde am 16. April 1932 in Dresden geboren. Er lebt seit 1960 in Berlin-Grünau.

Nach dem Abitur arbeitete er am Bau Cranzahl-Talsperre in einer Jugendbrigade mit, danach studierte er Pädagogik und Germanistik bis 1953.

Dann wurde er Lektor bis 1960, seitdem arbeitet er als freier Schriftsteller.

Bereits 1956 wurde er mit dem Jugendbuchpreis der DDR ausgezeichnet; er begann Mitte der 1950er Jahre, seine Werke zu veröffentlichen.

In Kolberg und Prieros hat der Autor viele Bücher verfasst, unter anderem „Der siebente Sommer“, „Unter den Bäumen regnet es zweimal“, „Mein lieber Onkel Hans“ und „Leben für Leben“. Im vergangenen Jahr publizierte Panitz seinen Roman „Frau im Dämmerlicht“ und in diesem Jahr eine Neufassung der 1983 erschienenen Erzählung „Eiszeit. Eine unwirkliche Geschichte“.

Eberhard Panitz hat seine Zeit aber nicht nur im beschaulichen Heidesee und Berlin verbracht. Er war auf Kuba, hat Che Guevara, Tamara Bunke und Fidel Castro kennengelernt. In Vietnam hielt er sich während des Krieges auf. Seine Reisen verarbeitete er in Büchern.

Mehrfach ausgezeichnet

In der DDR wurde der Autor mehrfach mit hohen Literaturpreisen ausgezeichnet. Er erhielt 1977 den Nationalpreis und 1986 den Vaterländischen Verdienstorden. Eberhard Panitz gehörte dem Vorstand des DDR-Schriftstellerverbandes an und war stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Berlin. Die politische Heimat des Sohnes eines Straßenbahnschaffners und einer Verkäuferin war die SED beziehungsweise ist jetzt die Partei Die Linke. Eberhard Panitz gehört deren Marxistischem Forum an.

Von Heidrun Voigt

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