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Teltow-Fläming Niedrige Preise und kein Plan für die Zukunft
Lokales Teltow-Fläming Niedrige Preise und kein Plan für die Zukunft
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01:16 15.07.2018
Fast jedes siebte Brandenburger Schwein lebt in einem der fast 30 Betriebe in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald. Quelle: dpa
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Dahmeland-Fläming

In kaum einer anderen Region Brandenburgs werden so viele Schweine gehalten wie in Teltow-Fläming. Insgesamt leben dort mehr 100.000 Sauen, Ferkel und Eber. Gleich mehrere Landwirte in diesem Landkreis übertreffen mit ihren Unternehmen den Durchschnitt von 4500 Tieren pro Betrieb.

Während es in Brandenburg generell immer weniger Schweine gibt, bleibt der Bestand im Kreis Teltow-Fläming seit vielen Jahren konstant.

Die Tradition der Schweine in Teltow-Fläming

„Das hat historische Gründe“, sagt Silvia Fuchs, Vorsitzende und Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands. „Die leichten Standorte im Raum südlich von Jüterbog mit ihren sandigen Böden waren schon immer wenig ertragreich.“ Deshalb entschieden sich die Bauern vor vielen Jahren, ihre Betriebe über das Halten von Nutztieren zu ergänzen, erklärt sie.

„Weil Grünland bei uns wenig ausgeprägt ist, entschieden sie sich gegen die Rinderhaltung“, so Fuchs weiter. Schweine hingegen konnten auch mit Getreide und Kartoffeln gefüttert werden; das wiederum wuchs auf den leichten Böden.

Silvia Fuchs, Geschäftsführerin und Vorsitzende des Bauernverbandes Teltow-Fläming, kennt die Sorgen der Schweinebauern im Süden des Landes gut. Quelle: Hartmut F. Reck

Obwohl die Schweinehaltung im Kreis Teltow-Fläming eine lange Tradition hat, nehmen die Sorgen der Schweinebauern in den vergangenen Jahren zu. Schuld seien politische Vorschriften ohne klare Praxisanweisungen, sagt Fuchs.

Schweinehaltung in Brandenburg

Insgesamt werden derzeit in Brandenburg 754.800 Schweine gehalten – 3,8 Prozent weniger als im November 2017.

Im langjährigen Vergleich ist der Rückgang des Schweinebestandes deutlich erkennbar. Weniger Schweine wurden zuletzt vor zehn Jahren gehalten. Im November 2008 lag die Zahl bei 732.700 Tieren.

Auch die Zahl der schweinehaltenden Betriebe in Brandenburg ist gesunken: von 173 im November 2017 auf nun 168.

Betroffen sind alle Nutzungsarten. Am stärksten ist der Rückgang bei den Jungschweinen. Hier ging der Bestand um 11,3 Prozent zurück. Bei den Mastschweinen reduzierte sich die Anzahl um acht Prozent und bei den Zuchtsauen um 3,5 Prozent.

Die Bauern in der Region bestätigen das. Einer von ihnen ist Frank Bruckbauer von der Agrargesellschaft Oehnaland im Süden des Kreises. „Die Situation ist insgesamt unbefriedigend“, sagt er im Hinblick auf die jüngsten politischen Entscheidungen. Denn der Gesetzgeber mache den Schweinebauern eine langfristige Planung derzeit schwer, so Bruckbauer.

Wie soll der Schweinestall der Zukunft aussehen?

„Für unsere Bauern ist unklar, wie der Schweinestall der Zukunft aussehen soll“, erläutert Silvia Fuchs. Das betrifft zum Beispiel die Größe der Buchten. Deshalb herrscht in der Branche Stillstand. „Viele Bauern würden gern in ihre Stallanlagen investieren“, berichtet Frank Bruckbauer, „aber wir wissen nicht, welche Vorgaben in Zukunft Bestand haben werden.“

Männliche Schweine werden bereits als Ferkel kastriert. Denn der Geruch nach Eber im Fleisch schreckt Kunden ab. Quelle: Julian Stähle

Unklar ist neben Stall- und Gruppengrößen auch, wie männliche Schweine künftig kastriert werden sollen. Ab 2019 ist das nur noch so durchzuführen, dass die Tiere dabei keine Schmerzen leiden. „Klare Vorschriften oder Verfahren liegen vom Gesetzgeber aber bis heute nicht auf dem Tisch“, sagt Silvia Fuchs.

Landwirte wollen Betäubung vor Ort

Im Nachbarkreis Dahme-Spreewald sehen es die Landwirte ähnlich. „Beim Thema Ferkelkastration ist derzeit alles noch mit Fragezeichen belegt“, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Südbrandenburg, Carmen Lorenz.

Die Schweinehalter in LDS sprechen sich klar für eine der aktuell vier möglichen Varianten aus: „Wir würden die Betäubung vor Ort favorisieren“, sagt Lorenz. Wenn künftig für jedes Schwein eine Narkose vom Tierarzt nötig wäre, würde das den finanziellen Rahmen sprengen. „Die hohen Kosten wären wirtschaftlich nicht mehr tragbar“, sagt sie.

Die niedrigen Preise für Schweinefleisch sind eine weitere Sorge der Landwirte. Aktuell gibt es 1,44 Euro für ein Kilogramm Schlachtgewicht. Quelle: Jens Wegner

Erschwerend kommen niedrige Fleischpreise für die Schweinehalter in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald hinzu. 1,44 Euro erhalten sie heute für ein Kilogramm Schlachtgewicht. Auskömmlich ist das nicht – da sind sich die Vertreter beider Landkreise einig. Mindestens 20 Cent mehr wären nötig, wie vor einem Jahr mit Preisen von 1,67 Euro pro Kilogramm.

„Der aktuelle Preis ist für viele Landwirte grenzwertig“, sagt Carmen Lorenz. Bauer Frank Bruckbauer ergänzt: „Die Situation ist so unbefriedigend, dass manche aus der Branche aussteigen oder vor einem Einstieg zurückschrecken.“ Um 15 Prozent ist auch der Schweinebestand seines Agrarbetriebs in den vergangenen Jahren geschrumpft.

Die ungewisse Zukunft bremst die ganze Branche aus

Die Gesamtsituation wirkt sich laut den Landwirten spürbar negativ auf das Investitionsverhalten in der Branche aus. Viele seien mit finanziellen Vorhaben jetzt besonders vorsichtig, um nicht in zwei oder drei Jahren wegen neuer Gesetze erneut umbauen zu müssen.

Deshalb kann Silvia Fuchs auch verstehen, dass die Zahl der schweinehaltenden Betriebe in Brandenburg zuletzt gesunken ist. „Wer will unter solch unsicheren Bedingungen schon neu Fuß fassen in der Schweinehaltung“, sagt sie.

Von Victoria Barnack

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