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Sorgen wegen Registrierkassen-Modernisierung

Handel und Gewerbe Sorgen wegen Registrierkassen-Modernisierung

Zum 1. Januar kommenden Jahres müssen alle Händler oder Gaststättenbetreiber, die Bargeschäfte abwickeln, eine elektronische Registrierkasse benutzen. Laut IHK hat aber erst die Hälfte der Unternehmen umgestellt, und viele kleine Händler sind verunsichert. Sie fragen sich: Brauchen fahrende Händler künftig auch Registrierkassen?

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Ab Januar müssen Händler ihr Kassensystem auf komplett elektronische Registrierung umgestellt haben.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Uwe Schirrmacher betreibt einen kleinen Lebensmittelladen in Gräfendort, tief im Niederen Fläming. Wann immer er dort ein Brot, eine Flasche Bier oder ein Stück Butter verkauft, bongt er die Summe ein und legt das Geld in seine Registrierkasse. Das ist schon ein etwas älteres Modell mit Kassenrolle. Schirrmacher hat sie preisbewusst erworben, aber das gute Stück tut seinen Dienst. Die Frage ist nur: Wie lange noch.

Ab 1. Januar 2017 gilt die neue Registrierkassenverordnung

Denn zum 1. Januar tritt bundesweit die neue Registrierkassenverordnung in Kraft. Nach dieser Verordnung dürfen künftig nur noch Kassen eingesetzt werden, die die Umsätze vollständig aufzeichnen und sie anschließend auch so speichern, dass sie zehn Jahre lang maschinell auslesbar sind und auch nicht verändert werden können. Wer eine solche Kasse noch nicht in seinem Laden oder seinem Restaurant stehen hat, muss sie anschaffen. Die Finanzbehörden haben bereits schärfere Prüfungen der Kassensysteme angekündigt. „Wenn die Umsätze nicht lückenlos nachzuvollziehen sind, dann wird geschätzt. Und das kann richtig teuer werden“, sagt Nils Ohl, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus.

Für große Handelsketten sind die neuen Kassen ein geringeres Problem. Sie investieren ohnehin regelmäßig in die Ausstattung ihrer Läden. Bei den Kleinhändlern zwischen Dahmeland und Fläming aber ist die Verunsicherung zu spüren. Vielen ist noch unklar, wer eine neue Kasse braucht und wer nicht. Einige wähnen sogar ihr Geschäft in Gefahr.

Obsthändlerin mit schlaflosen Nächten

Uwe Schirrmacher etwa hat gehört, dass nur diejenigen Unternehmer in neue Kassen investieren müssen, die auch Angestellte haben. Auf dem Königs Wusterhausener Wochenmarkt munkelt man, dass nur Händler mit einem Umsatz von mehr als 17 000 Euro von der Neuregelung betroffen sind.

Eine Obsthändlerin aus Teltow-Fläming, die nicht genannt werden möchte, hat sogar schlaflose Nächte hinter sich, weil sie um die Zukunft ihres Geschäftes bangt. „Wir verkaufen unsere Ware aus dem Auto heraus und haben dort weder Strom noch Platz für eine Registrierkasse. Wenn wir gezwungen werden, eine anzuschaffen, dann können wir unseren Handel nicht weiter betreiben“, sagt sie.

Steuerberater: „Wer keine Registrierkasse hat, muss keine kaufen.“

Diese Befürchtungen scheinen aber grundlos zu sein. „Wer bislang keine Registrierkasse hat, der muss auch keine anschaffen“, sagt Alexander Kaiser vom Königs Wusterhausener Steuerbüro Freund und Partner. Man müsse dann nur stärker darauf achten, dass die Kassenbücher lückenlos geführt und Zählprotokolle vorhanden sind. Das zumindest ist die theoretische Vorgabe. Wie die Finanzämter dann tatsächlich im Falle einer Prüfung mit den Kassenbüchern umgehen, lasse sich noch nicht sagen. „Es ist schließlich eine neue Regelung. Die Finanzämter sind noch nie damit konfrontiert worden“, erklärt Kaiser.

Hintergrund


Das Bundesfinanzministerium hat die Pflicht zur dauerhaft nachprüfbaren Kassenführung bereits in den 1990er Jahren festgeschrieben.

Seit 2002 mussten Kassen bereits sämtliche Einzeldaten eines „gebongten“ Geschäftsvorfalls speichern und im Fall einer Steuerprüfung auslesbar zur Verfügung stellen. Für Kassensysteme, die das nicht auf elektronischem Weg konnten, gab es eine Schonfrist. Die läuft jetzt aus.

Klar ist aber: Wer wie Uwe Schirrmacher, bereits eine Registrierkasse benutzt, der muss ab dem kommenden Jahr zwingend die neuen Anforderungen erfüllen – egal ob Angestellte oder nicht. Laut IHK lässt sich das bei neueren Modellen zum Teil mit einer neuen Software lösen. Andernfalls müsse eine neue Kasse angeschafft werden. „Einfache Modelle sind ab etwa 350 Euro zu haben. Das gilt auch für das Software-Update“, sagt Nils Ohl.

Laut IHK hat bislang etwa die Hälfte der betroffenen Betriebe auf das neue System umgestellt. Der anderen Hälfte bleiben, wenn sie Ärger mit dem Finanzamt vermeiden will, nur noch drei Monate Zeit.

Von Oliver Fischer

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