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Sowjetische Erdhütten entdeckt

Archäologie-Vortrag Sowjetische Erdhütten entdeckt

In den Wäldern der Region sind immer wieder Spuren der Roten Armee zu finden, sowohl von ihrem Angriff auf Berlin 1945 wie aus der Zeit bis 1989. Archäologen haben im vergangenen Jahr etwa Reste von Erdhütten entdeckt, die die Soldaten bei dem Kampf um Berlin als Unterstände gebaut hatten. Das berichtete Thomas Kersting vom Bodendenkmalamt nun in Mahlow.

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Thomas Kersting (r.) im Gespräch mit Besuchern.

Quelle: Andrea von Fournier

Mahlow. Dass sich Archäologie nicht nur mit Scherben der Bronzezeit und Slawenburgen befasst, zeigte Thomas Kersting vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege Wünsdorf (BLDAM) bei einem Vortrag innerhalb der „Kultur- und Kirchenkneipe“ im evangelischen Gemeindezentrum Mahlow. Zum zweiten Mal hat der promovierte Landesarchäologe seinem Publikum dort Regionalgeschichte präsentiert. Er folgte den Spuren der Roten Armee von 1945 bis 1949 in Brandenburg, beginnend vom Marsch auf Berlin bis zum Rückzug des größten Teils der Truppen.

Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Sieghard Wolter aus Brandenburg/Havel hatte das Landesamt 2014 auf umfangreiche Bodenvertiefungen an Waldwegen aufmerksam gemacht. Dem Tipp ging das BLDAM nach, es folgten Untersuchungen und Grabungen unter anderem im Havelland, bei Lehnin, im Dahmeland und bei Müncheberg. Es stellte sich heraus, dass die viereckigen hüfthohen Gruben Überreste russischer Erdhütten, sogenannter „Semljanka“, sind. Sie dienten als Unterstände der Rotarmisten, die in Berlin gekämpft hatten, und vielleicht zur logistischen Rückführung der Kräfte. Es gab einfache, mit Zeltplanen bedeckte Behausungen, aber auch Blockhütten. Mehr als 50 solcher Standorte sind inzwischen ausgemacht.

Interessant waren nicht nur die umfangreichen Funde an Ausrüstungs- und Alltagsgegenständen, sondern die Größe der Siedlungen. Die im Müncheberger Ortsteil Hoppegarten 2015 von Thomas Kersting mit Mitarbeitern ausgegrabene Siedlung mit Gruben in vier verschiedenen Abmessungen war eine Kleinstadt für mehrere zehntausend Soldaten. Die 300 Bewohner des Dorfes mussten Verpflegung liefern und Wäsche waschen, sie sicherten so auch ihr eigenes Überleben.

Vieles von dem, was Thomas Kersting ausführte, war als Interpretation gekennzeichnet. Solche neuen Bodendenkmale führen das BLDAM zu Kooperationen mit Historikern, damit die Archäologen die Funde werten können. Hier wurde mit dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst und dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin zusammengearbeitet. Mit Fundstücken, Zeitzeugenberichten und Fotos wird am 21. April im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg eine Ausstellung eröffnet.

Von Andrea von Fournier

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