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Spargel und Erdbeeren lassen auf sich warten

Landwirtschaft im April Spargel und Erdbeeren lassen auf sich warten

Landwirte, die Getreide, Mais oder Kartoffeln anbauen, können mit der wechselhaften Frühlingswitterung durchaus zufrieden sein: Die Saat ist aufs Feld gebracht, für Sonne ist später noch Zeit. Aber Spargel- und Erdbeerproduzenten sehnen wärmere Frühlingstage herbei.

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Noch haben die Spargelstecher wenig zu tun, denn erst bei Temperaturen ab 12 Grad rührt sich das Stangengemüse.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Dahmeland-Fläming. Eigentlich heißt es, die vier größten Feinde des Bauern seien Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Aber Helmut Dornbusch, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming, ist in diesem Jahr mit den klimatischen Umständen versöhnt. Es gibt deutlich drückendere Themen, über die es sich zu klagen lohnt: das Volksbegehren gegen Massentierhaltung etwa, oder die immer weiter fallenden Milch- und Getreidepreise. Vor diesem Hintergrund zaubert das wechselhafte Aprilwetter der vergangenen Tage fast schon einen Regenbogen auf sein Gemüt. „Mit Petrus bin ich im Reinen“, sagt Dornbusch.

Kaum Schäden an den Winterkulturen

Tatsächlich hat das Landwirtschaftsjahr 2016 für viele Bauern gar nicht schlecht begonnen. Der Winter war mild, so dass es kaum Schäden an den Winterkulturen gab und die Saaten vom Herbst in einem ordentlichen Zustand in den Frühling kamen. Die Sommergetreidekulturen sind inzwischen auch fast komplett in der Erde. „Die Niederschlagssituation war zwar nicht so doll, aber in den vergangenen Tagen ist dann doch einiges vom Himmel gekommen“, sagt Dornbusch. Bei ihm in Baruth waren es rund 22 Millimeter Regen, und die kamen auch genau zur rechten Zeit.

Für die meisten Bauern steht in diesen Tagen die Aussaat des Mais an, der 20 bis 25 Prozent der Gesamtanbaufläche in Teltow-Fläming ausmacht. Da ist Regen nicht verkehrt. Der Raps steht schon kurz vor der Blüte, auch er kann Feuchtigkeit vertragen. Für die Kartoffelbauern ist der Niederschlag ebenfalls gut – auch wenn es von ihnen längst nicht mehr so viele in der Region gibt wie noch vor 20 Jahren. Und auch das Gras sei gut entwickelt, sagt Dornbusch. „Eigentlich müssten die meisten Landwirte mit dem Wetter zufrieden sein.“

Hintergrund

Das berüchtigte Aprilwetter – wechselhafte, kühle Witterung und letzte Wintereinbrüche – ist den um diese Jahreszeit noch immer kalten Meeren und Polargebieten geschuldet. Die Sonne steht schon wieder recht hoch, vom Meer kommt kühle Luft, die sich über dem Land erwärmt, Quellwolken bildet und Schauer, Gewitter, Hagel und Graupel erzeugt.

Seit der Jahrtausendwende hat der April allerdings häufig frühsommerlichen Charakter – das ist keine gefühlte Wahrheit, sondern eine Beobachtung des Deutschen Wetterdienstes. Ob dies mit dem Klimawandel zu tun hat, müsse aber noch geklärt werden.

In den kommenden Tagen wird das Wetter laut Deutschem Wetterdienst ähnlich wechselhaft bleiben wie zurzeit. Sonne und Wolken wechseln sich ab, aber es wird voraussichtlich trocken bleiben. Die Temperaturen können tagsüber auf bis zu 16 Grad klettern, nachts ist örtlich sogar noch Bodenfrost möglich. Der langfristige Trend deutet auf steigende Temperaturen aber Ende April hin.

Der alte deutsche Name für den April lautet übrigens Ostermond. So wurde er im achten Jahrhundert unter Karl dem Großen eingeführt. Andere Namen sind Wandelmonat, Grasmond oder – passenderweise – Launing.

Das gilt vor allem für Bauern, die im Sommer und Herbst ernten und noch auf sonnige Monate in den Wachstumsperioden ihrer Kulturen hoffen können. Spargelbauern dagegen bräuchten jetzt eigentlich Sonne und Wärme. Da ist es um die Zufriedenheit nicht mehr ganz so gut bestellt.

„Die Nächte sind einfach noch zu kalt, der Boden kühlt zu sehr aus“, sagt Roderich Ehlers, der auf seinem Spargelhof Siethen, einem Ortsteil von Ludwigsfelde, seit 20 Jahren das Edelgemüse anbaut. „Der Spargel braucht mindestens zwölf Grad, dann rührt er sich“, sagt Ehlers. Wenn die Temperaturen aber wie zuletzt auf unter null Grad in der Nacht sinken, dann braucht der Boden wieder mehrere warme Tage, um auf die richtige Temperatur zu kommen.

Es sei denn, man hat mehrere Lagen Folie über die Erdwälle gespannt. Das aber kostet Zeit und Geld, was sich ein kleiner Betrieb wie der Spargelhof Siethen kaum leisten kann. „Dann müssten wir mit hohen Preisen in die Saison starten und das wollen wir nicht“, sagt Ehlers. Seine Kunden seien es auch anders gewohnt. Lieber startet er mit kleinen Mengen. Bislang gibt es den Siethener Spargel nur im hofeigenen Laden, für andere Abnehmer ist die Menge noch zu gering. Am Wochenende öffnet aber auch das Restaurant am Hof. Roderich Ehlers hofft, dass die Temperaturen bald hochgehen und das traditionelle Spargelfest am 1. Mai ein Erfolg wird.

Die ersten Erdbeeren der Saison

Bis dahin will auch Heinz-Georg Embach die ersten Erdbeeren der Saison anbieten können. Ohne einen Tunnel aus Folie wird das aber kaum gehen, die normalen Kulturen werden noch etwa vier Wochen brauchen, so der Betreiber des Spreewaldhofs Niewitz in Bersteland: „Das ist ein bisschen später als üblich, aber als Landwirt weiß man, dass das Wetter vieles neutralisieren kann.“ Will heißen, wenn die Sonne erstmal scheint und der Frühling richtig da ist, dann produzieren die Pflanzen genug, um die Verluste der ersten Wochen wett zu machen.

Um Embachs Erdbeeren zu probieren, braucht man nicht einmal nach Niewitz zu fahren. Der Spreewaldhof beliefert viele Supermärkte in der Region – und das unter eigener Marke. Die Früchte werden früh morgens geerntet und direkt an die Märkte geliefert. Heinz-Georg Embach ist hörbar stolz, dass er sich in der Region etabliert hat. Der 65-Jährige kam vor gut 15 Jahren aus Südhessen, um Gurken anzubauen – noch immer sein Hauptprodukt. Und sein Sohn macht sich schon bereit, den Hof weiterzuführen.

Von Oliver Fischer

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