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Teltow-Fläming Spediteure klagen gegen Lkw-Hersteller
Lokales Teltow-Fläming Spediteure klagen gegen Lkw-Hersteller
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17:38 10.04.2018
Im Nordkreis Teltow-Fläming und im südlichen Berliner Umland mit dem GVZ konzentrieren sich Speditionen und Logistikfirmen; hier warten Brummis bei Gestamp auf neue Fracht. Quelle: Foto: Abromeit
Ludwigsfelde

 Auch hier am Autobahn-Südring von Berlin haben Logistiker und Spediteure tausende Euro zuviel für neue Lkws bezahlt. Noch bis Ende Mai können sich Geschädigte einer Initiative anschließen, die vom sogenannten Lkw-Kartell Schadensersatz erstreiten will.

In Brandenburg sind das nach Angaben der Initiative bereits mindestens 36 Unternehmen. Bei diesen Schadenersatzansprüchen soll es um 6000 bis 10 000 Euro pro Fahrzeug gehen, die zwischen 1997 und 2016 zu viel gezahlt wurden. Das sind inklusive Zinsen rund zehn Prozent des Kaufpreises.

„Als Einzelner kann man schon den Gutachter nicht bezahlen“

Auch ein mittelgroßer Spediteur (Name der Redaktion bekannt) im GVZ Großbeeren, der Verträge mit dutzenden Subunternehmen hat, beteiligt sich an dieser Sammelklage. Der Chef erklärt gegenüber der MAZ: „Als einzelner kann man bei solchen Summen gar nicht klagen, weil man schon den Gutachter nicht bezahlen kann.“

Brummis auf dem Berliner Autobahn-Südring Höhe Jühnsdorf- zu Stoßzeiten ist die A10 in beide Richtungen auf jeweils zwei der drei Farhspuren rappelvoll. Quelle: Jutta Abromeit

Hinzu komme, dass es für solche Klagen kaum noch Gutachter gibt. „Die wurden von den großen Herstellern schon vom Markt gekauft“, so der Unternehmer. Er rechnet wie andere Insider damit, dass sich die ganz Großen der Branche Sammelklagen nicht anschließen, sondern selbst klagen.

Die Initiative der vier Branchenverbände BGL, AMÖ, BWVL und DSLV wird von der in Düsseldorf ansässigen Firma Financialright Claims vertreten. Auf neun Veranstaltungen bundesweit erläuterten Vertreter die Hintergründe: Die Europäische Kommission hatte am 19. Juli 2016 Bußgelder gegen die führenden Lkw-Hersteller Daimler, Volvo/Renault, Iveco, MAN und DAF verhängt. Sie waren für schuldig befunden worden, mit unzulässigen Preisabsprachen zwischen 1997 und 2011 ein Kartell mittelschwerer und schwerer Lkws gebildet zu haben.

Am 27. September 2017 stellte die Europäische Kommission auch eine Beteiligung des Herstellers Scania an diesem Kartell fest und verhängte eine Geldbuße; dieser Hersteller gilt seither als kartellverdächtig.

Brummis auf dem Berliner Autobahn-Südring Höhe Jühnsdorf Quelle: Jutta Abromeit

Schadensersatzansprüche kann nun geltend machen, wer von den Preisabsprachen betroffen ist. Das sind Spediteure und Logistik-Firmen, die zwischen 1997 und 2011 mittelschwere und schwere Lkws gekauft, geleast oder über Mietkauf erworben haben. Für diese Fahrzeuge kann für den zu viel gezahlten Preis Schadenersatz verlangt werden. Bis zum 31. Mai kann man sich bei Financialright registrieren lassen. „Die Nachweisdokumente zum Unternehmen sowie den Fahrzeugen müssen uns bis zum 30. Juni 2018 vorliegen“, sagt Sprecher Jan-Eike Andresen.

Eberhard Tief, Geschäftsführer des Landesverbandes des Berliner und Brandenburger Verkehrsgewerbes (LBBV), ergänzt: „Hat die Klage Erfolg, zahlen die klagenden Unternehmen eine Provision an die Dienstleister, sonst nicht.“ Tief verweist darauf, dass es für hiesige mittelständische Unternehmen nicht um Peanuts geht. Zum Beispiel habe der Fuhrunternehmer Thomas Crone aus Elsterwerda (Elbe-Elster) von einem Kartellanten Fahrzeuge gekauft, von den Preisabsprachen wusste er natürlich noch nichts. „Crones geschätzter Verlust sind 36 000 Euro, 6000 pro Fahrzeug.“

Lkws auf der B101 zwischen Ludwigsfelde und GVZ Großbeeren - der tägliche Transport-Wahnsinn  Quelle: Jutta Abromeit

Die EU-Kommission hatte die großen Lkw-Hersteller zu hohen Geldbußen verurteilt. Doch getäuschte Käufer haben nichts davon, „sie bleiben mit überhöhten Leasingraten auf ihrem Schaden sitzen“, erklärt Tief. Ein Mittelständler wie Spediteur Crone mit 25 Beschäftigten sei zu klein, um sich mit einem Branchenriesen anzulegen, so der LBBV-Chef. Deshalb sei der Mann wie 20 andere Spediteure und Logistiker Anfang März bei der Veranstaltung in Mahlow gewesen und wolle sich der jüngsten Sammelklage anschließen. Ähnlich wie Crone äußerten sich andere LBBV-Mitglieder, auch aus dem Kreis Teltow-Fläming. „Gerade dort haben wir eine hohe Konzentration von Betroffenen“, sagt Tief.

Großes Thema Samstag in Potsdam: die Sammelklage

Die Frist für die Anmeldung von Fahrzeugen aus dem Zeitraum 1997 bis 2002 war der 30. September 2017. „Für diesen Zeitraum können in dieser Sammelklage keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden“, so Andresen. Financialright hatte den BGL und seine Landesverbände bereits im Frühjahr 2017 gegen illegale Preisabsprachen unterstützt und am 22. Dezember eine erste Klage gegen das Kartell für mehr als 3200 Unternehmen mit mehr als 85 000 Lkw vor dem Landgericht München I erhoben.

Am Sonnabend beim 5.Unternehmertag des LBBV in Potsdam geht es um Güterverkehr und Logistik für Berlin und Brandenburg, für Deutschland und Europa. Auch die Sammelklage gegen das Lkw-Kartell wird dort ein großes Thema sein.

Von Jutta Abromeit

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