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Sprachliches und menschliches Verständnis

Junge Frauen berichten VHS-Englischkurs von ihrer Flucht Sprachliches und menschliches Verständnis

Englisch ist ein Tor zur Welt – das erlebten die Teilnehmer eines VHS-Sprachkurses in Luckenwalde. Sie hatten drei junge Frauen zu Besuch, die aus ihren Heimatländern in Asien und Afrika geflohen sind, und erfuhren nachvollziehbar, warum sie geflohen sind, wie es ihnen auf der Flucht erging und wie dankbar sie sind, nun in Deutschland zu sein.

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Amira Iraki, Sherin Raji und Mariam Jannesar (sitzend v.l.n.r.) zeigen den Kursteilnehmern auf einer Landkarte ihre Fluchtroute über das Mittelmehr und den Balkan.

Quelle: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Ungewöhnlichen Besuch hatte der Englisch-Konversationskurs der Volkshochschule Teltow-Fläming am Mittwochabend. Dort unterhalten sich die Kursteilnehmer normalerweise über die verschiedensten Themen auf Englisch, um ihre Fremdsprachenkenntnisse zu pflegen und zu vertiefen. Wie sehr es sich lohnt, diese Weltsprache zu beherrschen, zeigte sich im Gespräch mit einer Palästinenserin aus dem Libanon, einer Kurdin aus Syrien und einer Christin aus dem Iran, die zu Gast im Kurs waren.

Pfarrerin bringt Flüchtlinge mit in den Kurs

Die drei jungen Frauen leben nach ihrer Flucht seit etwa drei Monaten im Quellenhof in Jüterbog. Die Unterkunft sei zwar bescheiden, aber immer noch besser als dort, wo man herkomme, sagen sie. Betreut werden sie unter anderem von der Jüterboger Pfarrerin Mechthild Falk, die Flüchtlingskoordinatorin im Kirchenkreis und selbst Teilnehmerin des Konversationskurses ist. Das habe ihr sehr geholfen, sich nun so gut mit den Flüchtlingen verständigen zu können.

Palästinenserin lehnte Rolle der unterwürfigen Frau ab

Nicht nur auf sprachliches, sondern auch auf menschliches Verständnis trafen die drei jungen Frauen für ihren Entschluss, aus ihren Heimatländern zu fliehen. Die jüngste von ihnen ist Amira Iraki. Die 17-jährige Palästinenserin geht auf das Oberstufenzentrum in Luckenwalde und will mal Chemikerin werden. Aufgewachsen ist sie in Flüchtlingscamps im Libanon. „Die Libanesen mögen die Palästinenser nicht“, sagt sie – Araber hin oder her. Und sie mag es nicht, gegängelt zu werden, sei es, wie sie sich als Frau zu kleiden und zu verhalten hat. Gemeinsam mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern wagte sie die lebensgefährliche Flucht mit 60 Leuten auf einem Schlauchboot und 15-stündigen Gewaltmärschen durch das Gebirge auf der Balkanroute.

Verfolgte Christin aus dem Iran

Mariam Jannesar (29) schlug mit ihrem Mann auch den Weg über den Balkan ein. Sie kommt aus dem Iran, wo Christen immer stärker verfolgt werden. Sie erzählte, wie viele von ihnen im Gefängnis landen, wie sie sich heimlich zu Gottesdiensten in Privatwohnungen treffen und gelegentlich per Skype mit einem Priester ihrer Kirche in London verbunden sind. Die Aussichtslosigkeit trieb sie und ihren Mann aus dem Land. Auf der Flucht mit Rucksack und Zelt wurden sie von bewaffneten Banden beraubt und schafften es doch irgendwie bis ans Ziel ihrer Flucht zu kommen: nach Germany.

Kurdin: Schwiegervater starb auf einem Fest im Bombenhagel

Die hiesige religiöse und politische Freiheit weiß auch die Kurdin Sherin Raji (27) aus Syrien zu schätzen. Mit Mann und kleiner Tochter floh die Geschichtslehrerin aus ihrer umkämpften Heimat, wo sie in ständiger Angst lebten, dass ihr Haus von einer Bombe getroffen wird – entweder von den Assad-Truppen oder vom IS. „Wir versuchten dort trotzdem ganz normal zu leben“, berichtete sie. Als dann aber ihr Schwiegervater während eines Festes, das bombardiert wurde, umkam, stand der Entschluss fest: bloß weg von hier, am besten nach Deutschland, von dem man schon so viel Gutes gehört hatte. Und das habe sich alles bestätigt, sagt Sherin Raji dankbar.

„Mein Gott“, sagte die aus Australien stammende Kursleiterin Rosslyn Klass nach diesen Schilderungen, „wir wissen scheinbar gar nicht, wie gut wir es hier haben!“

Informationsabend

„Flucht und Zuflucht in Luckenwalde“ heißt eine Info-Veranstaltung am 9. Dezember im Kreishaus, zu dem die Stadt Luckenwalde und die Kreisverwaltung Teltow-Fläming einladen. Beginn ist um 19 Uhr im Kreistagssaal.

Neben Fakten und Zahlen zum Thema geht es um Fragen zum Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge, zu den Erfahrungen an Schulen und zur Kriminalitäts- und Sicherheitslage vor allem in der Kreisstadt.

Die Veranstaltung gibt auch die Möglichkeit, die Aktivitäten des Ehrenamtes im Bereich der Flüchtlingshilfe kennenzulernen.

Von Hartmut F. Reck

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