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Stadt lässt syrische Schülerpraktikantin abblitzen

Jüterbog Stadt lässt syrische Schülerpraktikantin abblitzen

Schülerpraktika sind eine feine Sache, damit junge Menschen sehen, wie es im echten Leben läuft. Wie es in Jüterbog läuft, hat die junge Syrerin Roaa Alhaj Ali nun am eigenen Leib erfahren. Sie hatte sich in einem Kindergarten beworben und wurde abgelehnt – Kritiker halten die Gründe für fadenscheinig.

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Florian (l) und Jonathan gehören zur Gänseblümchen-Gruppe, in der Roaa Alhaj Ali ihr dreiwöchiges Praktikum absolvierte.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. „Die Kinder sind alle sehr lieb, am meisten Spaß macht es mir, mit ihnen zu spielen und spazieren zu gehen“, sagt Roaa Alhaj Ali. Seit Mitte Februar arbeitet die 15-jährige Oberschülerin, die 2015 mit ihren Eltern und zwei Brüdern als syrischer Flüchtling nach Jüterbog kam, im evangelischen Kindergarten drei Wochen lang als Praktikantin.

Die Kinder mögen sie

Nicht nur die Schülerin, die von ihrer Klassenlehrerin Carsta Scherneck an der Luckenwalder Friedrich-Ludwig-Jahn-Oberschule wegen ihrer guten Deutschkenntnisse und sonstigen Leistungen sehr gelobt wird, ist von dem Alltag inmitten der vielen quirligen Ein- bis Siebenjährigen begeistert, sondern auch die Kinder sind es, wie Gruppenerzieherin Cornelia Holldorf berichtet. „Auch viele unsere Kinder kommen aus anderen Ländern. Dass eine Erzieherin oder Praktikantin mal nicht aus Deutschland, sondern in diesem Fall aus Syrien kommt, erleben die Kinder als Normalität. Und die Kinder mögen sie.“

Lobende Worte finden Holldorf und Kita-Leiterin Ina Freydank für Roaas ruhige und freundliche Art, mit der sie sich am Spiel der Kinder beteiligt, Konfliktsituationen klärt und auch mal Tränen trocknet. Dass Roaa zusammen mit den Kindern an christlichen Andachten und Gottesdiensten teilnimmt, empfinden sowohl die junge Muslimin als auch die Kinder und Erzieher als Bereicherung. Besser, so lautet das gemeinsame Urteil, kann ein Praktikum kaum laufen.

Pflichtaufgabe Praktikum

Schlechter allerdings schon, wie die Vorgeschichte dieses Schüler-Betriebspraktikums beweist, dass in der 9. Klasse zu den Pflichtaufgaben gehört. Unentschlossen, ob sie sich in einer Apotheke oder in einem Kindergarten bewerben solle, entschied sich die 15-Jährige für letzteres. „Auch, weil ich Kinder sehr gerne habe und den Umgang mit ihnen von Zuhause gewöhnt bin“, erzählt Roaa, die daheim ihrer Mutter bei der Betreuung der inzwischen drei Geschwister zur Hand geht.

Ihre erste Wahl war die Kita „Spiel mit“ in der Jüterboger Schlossstraße , in der sich die Schülerin bereits im November vergangenen Jahres für das im Februar geplante Praktikum bewarb. Trotz mehrmaliger Kontaktversuche mit der für Kitas und Soziales zuständigen Sachgebietsleiterin, der Roaas Betreuerin Rosemarie Lüdemann E-Mails schrieb und es auch telefonisch versuchte, hüllte sich die Stadtverwaltung lange Zeit in Schweigen, ob die von der Kita weitergereichte Bewerbung genehmigt sei.

Die Absage

„Kurz vor den Winterferien kam dann die Absage, dass die Bewerbung nicht angenommen wird“, sagt Pfarrerin Mechthild Falk, die sich im Rahmen der Jüterboger Flüchtlingshilfe inzwischen des Falls angenommen hatte. Der Grund der Ablehnung, so die Mitteilung aus dem Rathaus, seien die schlechten Sprachkenntnisse der Bewerberin.

„Eine beschämende Begründung, erst recht, weil sie nicht stimmt“, sagt Roaa Alhaj Alis Lehrerin Carsta Scherneck, die an der Jahn-Oberschule als Deutsch- und Kunstlehrerin arbeitet und den Schülern bei der Suche nach einem Praktikumsplatz beratend zur Seite steht. „Roaa konnte bereits nach einem Jahr Unterricht in der Willkommensklasse sehr gut Deutsch. Weder bei uns, noch bei ihr oder ihrer Betreuerin hat von der Stadt überhaupt jemand Kontakt aufgenommen, um ihre Sprachkenntnisse zu prüfen“, sagt Carsta Scherneck. „Auch in der Kita hatte wohl niemand ein Sprachproblem gesehen, sonst wäre die Bewerbung gleich dort gescheitert. Diese Vorgehensweise finde ich diskriminierend“, fügt sie hinzu.

Eine Erläuterung des Vorgangs gegenüber der Presse lehnte Sachgebietsleiterin Anke Stöckigt ab und verwies auf den Bürgermeister Arne Raue (parteilos). Doch auch der gibt zu dem Sachverhalt bislang keine Auskunft.

Von Uwe Klemens

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