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Stadt quartiert Katastrophenhelfer aus

Streit um Gewerbehalle in Luckenwalde Stadt quartiert Katastrophenhelfer aus

Erst seit September hat die Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe ihren Stützpunkt in Luckenwalde. Jetzt musste sie innerhalb weniger Stunden eine Halle räumen – es gibt noch keinen Mietvertrag.

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Vereinsvorsitzender Andreas Teichert ist ratlos – die ausgeräumten Sachen lagern zurzeit im Treppenhaus-Gang.

Quelle: Elinor Wenke

Luckenwalde. Der Rettungsstützpunkt Luckenwalde der Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe steht selbst vor einer mittleren Katastrophe. An seinem Standort im Gewerbehof, Trebbiner Straße, musste der Verein auf Anweisung der Stadt innerhalb von 20 Stunden eine Halle voll mit Technik, Ausrüstung und Kleidung räumen. Donnerstagnachmittag kam der Anruf, dass bis Freitag alles raus muss. „Damit werden wir in unserer Ausübung als Hilfsorganisation behindert und als nicht mehr einsatzfähig degradiert“, sagt Vereinschef Andreas Teichert.

Der Verein hat seit dem 15. September im Gewerbehof zwei Büros gemietet – mit der Option, später auch die noch leer stehende Hälfte einer 140 Quadratmeter großen Halle zu pachten. Zu diesem Mietvertrag ist es bislang nicht gekommen. „Wir hatten von der Stadt im Sommer die Zusage, dass die Hallenfläche vermessen und uns ein Angebot für einen Mietpreis unterbreitet wird“, sagt Andreas Teichert, „darauf warten wir bis heute.“ Er habe der Zusage der Stadt vertraut, zumal man ihm bereits die Schlüssel für die Halle ausgehändigt habe. Ohne Vertrag brachte der Verein inzwischen in der Halle seine Utensilien unter. Daran hatte sich zunächst niemand gestört – bis zum Donnerstag. Da wurde der Vereinschef informiert, dass er die Halle zu räumen habe, weil dort „Tische und Stühle für Afrika“ eingelagert würden. Bis 6 Uhr morgens räumte Teichert aus – Notfallrucksäcke, Beatmungstaschen, Versorgungszelte, Multifunktionstragen.

Die Halle ist inzwischen fast leer geräumt

Die Halle ist inzwischen fast leer geräumt.

Quelle: Elinor Wenke

Tatsächlich hat Astrid Pantke, Vorsitzende des Luckenwalder Vereins „Berufsbildung Gambia“, von der Stadt die Erlaubnis erhalten, zunächst befristet auf zwei Monate Möbelspenden unterzustellen, die im Januar nach Gambia verschickt werden sollen. Amtsleiter Ingo Reinelt verteidigt die Entscheidung der Stadt. „Es gibt bis dato keinen Mietvertrag für die Halle. Der Wunsch war optional geäußert worden. Als die Halle am Donnerstag besichtigt wurde, waren wir überrascht, dass sie vollgestellt war“, sagte Reinelt. Dem Hilfeverein für Gambia wollte man die Unterstützung nicht verwehren und eine zeitlich befristete Unterstellmöglichkeit bieten.

Das bestätigt auch Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD). Sie habe „hohen Respekt vor diesem ehrenamtlichen Engagement“ und die unvermietete Halle im Eigentum der Stadt in Betracht gezogen, um „Frau Pantke aus der Klemme zu helfen“. Außerdem habe man dem Verein Katastrophenhilfe angeboten, sich die Fläche mit Astrid Pantke zu teilen. Nach MAZ-Informationen wurde mit ihr allerdings kein Mietpreis vereinbart, weil die Stadt den „guten Zweck“ unterstützen will.

Zahlen und Fakten

Die Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe wurde 2010 ins Leben gerufen und agiert seit 2011 als gemeinnütziger eingetragener Verein – seit kurzem am Standort Luckenwalde.

Der Verein zählt 33 ehrenamtliche Mitglieder, davon sind zwölf aktiv. Hauptberuflich sind sie Ausbilder, Sanitäter, Arzt, Student, Feuerwehrmann, Dachdecker oder Pfleger.

Die Helfer kommen zum Einsatz bei Erdbeben, Hochwasser, Nuklearkata­strophen, Sturm oder der Rettung aus Höhen und Tiefen.

Im Einsatz waren die Mitglieder bisher unter anderem in Fukushima, Ungarn, Bosnien und Herzegowina, auf den Philippinen, bei der Ebola-Bekämpfung in Afrika sowie beim Hochwasser in Deutschland.

Andreas Teichert weiß, dass die Stadt wohl juristisch im Recht ist. „Aber ich bin menschlich enttäuscht. Man hätte uns das versprochene Angebot vorlegen oder uns zumindest eine Vorinformation zur Räumung geben können“, sagte er. Außerdem habe der Teil der Halle seit 2008 leer gestanden.

Für Reinelt sind noch längst nicht alle Zelte abgebrochen. Wenn der Katastrophenhilfeverein noch Interesse an der Halle habe, könnte nach Januar durchaus ein Mietverhältnis zustande kommen. „Das setzt aber voraus, dass der Mietvertrag von beiden Seiten erfüllt wird“, sagt Reinelt.

Von Elinor Wenke

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