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Stark gemacht für Gerichtsstandort Zossen

Abschied für Sabine Wenzel Stark gemacht für Gerichtsstandort Zossen

Wäre Sabine Wenzel nicht gewesen, wer weiß, ob es das Amtsgericht in Zossen noch gäbe. Als 2005 bekannt wurde, dass auch der Standort gestrichen werden sollte, setzte sich die langjährige Landesvorsitzende der Deutschen Justiz-Gewerkschaft dagegen zur Wehr. Montag wurde die 65-jährige Justizbeamtin in den Ruhestand versetzt.

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Weggefährten aus Justiz und Verwaltung wünschten Sabine Wenzel (Mitte) Glück und Gesundheit für ihren wohlverdienten Ruhestand.

Quelle: Frank Pechhold

Zossen. Das Amtsgericht in Zossen darf nicht geschlossen werden – diesen Standpunkt vertrat Sabine Wenzel, als das Brandenburger Justizministerium den Standort streichen wollte. Montag wurde die Justizamtsrätin und langjährige Landesvorsitzende der Deutschen Justiz-Gewerkschaft (DJG) nun nach 46 Dienstjahren in den Ruhestand versetzt.

„Nicht zuletzt haben wir Dir die Aufrechterhaltung des Gerichtsstandortes Zossen zu verdanken“, sagte Richterin Margret Hüls zu Sabine Wenzel. Für deren Verabschiedung verwandelte sich ein Verhandlungsraum in einen kleinen Festrednersaal. Auf dem Richtertisch standen Blumen und Abschiedsgeschenke. Davor erinnerten die Redner an die Verdienste der 65-jährigen Rangsdorferin.

Mal dritte Gewalt, mal fünftes Rad

„Beharrlichkeit“ war das meist gewählte Wort. Beharrlich setzte sich die Justiz-Gewerkschafterin immer wieder zur Wehr. „Obwohl die Justiz offiziell die dritte Gewalt im Staat ist, wird sie oft wie das fünfte Rad am Wagen behandelt“, beschrieb Sabine Wenzel ihre Motivation, die Interessen ihrer Kollegen in das Blickfeld der Politiker zu rücken. „Hätte ich die vielen Missstände, die es gab, als Beamtin für mich behalten müssen, dann wäre ich vor Wut geplatzt“, sagte die DJG-Aktivistin.

Folgerichtig machte sich Wenzel gegen die 2005 von der Landesregierung ins Gespräch gebrachte Neuorganisation des Gerichtswesens in Brandenburg stark. Mittelfristig wollte die damalige Justizministerin Beate Blechinger (CDU) sieben von 25 Amtsgerichten schließen und alle Grundbuchämter in Wünsdorf zentral zusammenfassen. Geplant war, den nordöstlichen Teil des Gerichtsbezirkes Zossen dem Amtsgericht Königs Wusterhausen und den südwestlichen Teil dem Amtsgericht Luckenwalde zuzuschlagen.

Juristen-Protest in Brandenburg organisiert

Um möglichst viele Justizbeamte über die Nachteile der Blechinger-Reformvorschläge zu informieren, organisierte Wenzel landesweite Unterschriftensammlungen und Foren. „Mit den Foren hat sie es geschafft, dass sich auch Richter, die sonst eher zurückhaltend mit Protest sind, für das Thema interessierten“, sagte Dirk Ehlert, Präsident des Landgerichtes Potsdam. Schließlich holte Wenzel auch den damals noch in der SPD politisch beheimateten Zossener Landtagsabgeordneten Christoph Schulze mit ins Boot. „Nachdem ich mit ihm gesprochen hatte, verstand er, worum es geht.“ Seine Zweifel an den Justiz-Reformbestrebungen habe Schulze in einem Brief an den damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) geäußert, sagt Wenzel: „Respekt, dass er sich auf unsere Seite geschlagen und erkannt hat, dass es wirklich ein großer Fehler gewesen wäre, Gerichte zu schließen.“ Für die Stadt Zossen sei Sabine Wenzel eine wichtige Mitkämpferin und verlässliche Partnerin im Kampf um den Erhalt des Amtsgerichts gewesen, sagte Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B). „Es wäre katastrophal, wenn die Bürger nach Königs Wusterhausen oder Luckenwalde zum Gericht fahren müssten.“ Schließlich gebe es genug Verfahren, die in Zossen verhandelt würden, so Schreiber. „Also war und bleibt das Amtsgericht ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt.“

Von Frank Pechhold

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