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Statt Blümchen wollen sie gleichen Lohn

Jüterbog Statt Blümchen wollen sie gleichen Lohn

Beim „Equal Pay Day“ will die Arbeitsgruppe sozialdemokratischer Frauen ein Zeichen für Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen setzen. Bei einem Bowlingabend am 18. März in Altes Lager bekommen die Frauen einen üppigen Rabatt von 20 Prozent – denn soviel verdienen sie im Schnitt weniger als die deutschen Männer.

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Ulrike Schwenter (l.) ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), Karolin Müller ist ihre Stellvertreterin.

Quelle: Peter Degener

Altes Lager. Noch knapp zwei Wochen müssen Frauen hierzulande kostenlos arbeiten, erst nach dem 18. März fangen sie an etwas zu verdienen – zumindest im Vergleich zu Männern. „Derzeit beträgt die Ungleichheit beim Einkommen zwischen den Geschlechtern in Deutschland durchschnittlich 21 Prozent“, sagt Karolin Müller, „wenn Männer schon ab dem 1. Januar Geld verdienen, ist das bei den Frauen in den ersten 77 Tagen des Jahres nicht der Fall. Sie arbeiten bis zum 18. März umsonst.“

Die Zellendorferin, die selbst in einer großen Personalabteilung arbeitet, engagiert sich in der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratische Frauen (ASF) der SPD. Den Frauentag am Mittwoch nennt sie „eine Tradition ohne politisches Statement“, die sich in Blümchen vom Chef in der Gesellschaft erhalten habe.

Bowlingabend mit Finanzausgleich

Viel wichtiger ist Müller und ihren ASF-Mitstreiterinnen der „Equal Pay Day“, was man mit „Aktionstag für gleiche Bezahlung“ übersetzen könnte. Dafür lädt die Arbeitsgemeinschaft zum Bowling ins „Speedbowling“-Center nach Altes Lager. Am 18. März wird dort die finanzielle Ungleichheit zumindest von 18.30 bis 22 Uhr aufgehoben. „An diesem Abend zahlen Frauen 20 Prozent weniger für die Bahn, für Bowling-Schuhe und für Getränke“, sagt Müller. Sowohl Einzelpersonen als auch Teams mit bis zu sechs Mitgliedern sind zur Teilnahme aufgerufen.

„Die Einladung zum Bowlen gilt für Frauen und Männer gleichermaßen“, betont Ulrike Schwenter, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, „denn wir wollen das Thema ja gemeinsam öffentlich machen. Männer sollen mit unserer Forderung auch nicht eingeschränkt werden. Es geht uns um gleichen Lohn für gleiche Leistung.“ An diesem Abend stehen dafür der Landesverband der Frauenorganisation und SPD-Ortsverein Niedergörsdorf ein. Sie begleichen die ganz reellen Fehlbeträge auf den Rechnungen an diesem symbolischen Tag mit eigenen Mitteln.

Frauen fehlen in Naturwisschenschaft und Technikberufen

„Viele Frauen arbeiten im Niedriglohnsektor oder halbtags und unterbrechen aus familiären Gründen häufiger ihre Erwerbstätigkeit. Dabei sind sie statistisch gesehen oft besser ausgebildet. Gerade in den naturwissenschaftlichen oder ingenieurtechnischen Berufen fehlen sie – vor allem auf den höheren Karrierestufen“, sagt Karolin Müller. Dadurch sei die Lohnschere weit offen, obwohl in Tarifverträgen nicht zwischen den Geschlechtern unterschieden wird.

„In der Europäischen Union ist die Lohnungerechtigkeit nur in zwei Ländern noch größer als in Deutschland“, sagt Ulrike Schwenter. In Tschechien und in Estland betrage die Gehaltsdifferenz trotz hoher Frauenquote in Vollzeitstellen sogar mehr als 27 Prozent. Zu den Spitzenreitern bei der Einkommensgleichheit gehören dagegen Rumänien, Italien und Polen, wo der Unterschied weit unter zehn Prozent liegt.

Frauentagsfeiern in und um Jüterbog

In der Begegnungsstätte der Volkssolidarität in der Töpfergasse 1 hinter dem Rathaus beginnt die Frauentagsfeier am Mittwoch um 14 Uhr. Um telefonische Anmeldung wird gebeten, 03372 /404602.

Die Partei „Die Linke“ lädt am Mittwoch ab 15.30 Uhr in die Geschäftsstelle, Große Straße 62. Dort soll debattiert werden, wie weit die Gleichberechtigung der Frau bislang fortgeschritten ist.

Das Nachbarschaftsheim in der Mönchenstraße 44 hatte ursprünglich eine Feier mit einem Vortrag zum Pflegestärkungsgesetz vorgesehen. Dieser fällt krankheitsbedingt aus. Aber dort gibt es ein Frauentags-Frühstück am 14. März von 9 bis 12 Uhr mit kleinem Programm der Kita „Regenbogen“. Anmeldung unter 03372/443788.

Bereits ab 11 Uhr lädt am Mittwoch „Apels Alte Mühle“ in der Hohenseefelder Chausseestraße 12 ein. Das Lausitzer „Duo Herzblatt“ tritt auf.

Der „Equal Pay Day“ wurde erstmals 1966 in den USA durch Bürgerrechts- und Frauenorganisationen begangen. Seit 2009 gibt es auch in Deutschland Veranstaltungen. Anders als in den meisten Ländern variiert das Datum des Aktionstages in Deutschland je nachdem, wie sich die Einkommensschere entwickelt. So wurde 2010 erst am 26. März auf das Problem aufmerksam gemacht. Damals betrug der Gehaltsunterschied noch 23 Prozent. Da Frauen verstärkt im Niedriglohnsektor arbeiten, haben sie von der Einführung des Mindestlohns statistisch stärker als Männer profitiert und etwas aufgeholt. Doch die Hoffnung von Müller und Schwenter ist, dass der „Equal Pay Day“ möglichst bald gar nicht erst nach dem Frauentag stattfindet, sondern bereits lange davor.

Anmeldung: Interessierte Personen oder Teams bis zu sechs Personen können sich unter der E-Mail-Adresse asf-teltow-flaeming@gmx.de für das Bowling anmelden.

Von Peter Degener

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