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Teltow-Fläming Streit um Nachweispflicht
Lokales Teltow-Fläming Streit um Nachweispflicht
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06:00 13.07.2015
Susanne Brosko aus Rangsdorf rebelliert gegen die neue Unterschriften-Regelung im Landkreis. Quelle: Luise Fröhlich
Rangsdorf

Susanne Brosko fühlt sich ungerecht behandelt. Seit 2007 arbeitet die Rangsdorferin als Tagesmutter. Um 7 Uhr morgens beginnt ihr Tag, Feierabend hat sie eigentlich nie vor 7 Uhr abends. Im Keller ihres eigenen Hauses betreut sie mit einer Kollegin zusammen acht Kinder im Alter von ein bis drei Jahren. „Das Jugendamt legt einem ständig neue Steine in den Weg“, sagt sie. Aktuelles Problem: Der Landkreis fordert seit Januar als Nachweis ihrer Tätigkeit eine täglich strikt geführte Anwesenheitsliste, die von den Eltern der Kinder morgens und abends unterschrieben werden muss. Diese Richtlinie gilt für den gesamten Landkreis Teltow-Fläming, werde aber nicht von allen Kommunen ernst genommen, sagt Brosko. Im Landkreis Dahme-Spreewald gilt sogar eine ganz andere Regelung.

Im Januar 2015 erhielt Susanne Brosko einen Brief vom Jugendamt des Landkreises Teltow-Fläming, in dem sie darüber informiert wurde, dass sich die Richtlinie zur Finanzierung der Kindertagespflege geändert hat. Die Monatsabrechnung basiert unter anderem auf einer Anwesenheitsliste, die Tagesmütter führen müssen, um ihre eigene Arbeitszeit nachzuweisen. Die neue Richtlinie schreibt vor, die Anwesenheit der Kinder täglich mit Uhrzeit zu dokumentieren und von den Eltern unterschreiben zu lassen. Vorher genügte eine monatlich geführte und unterschriebene Liste. „Das ist reine Schikane und mehr Aufwand für alle Beteiligten“, sagt Brosko. Dem Jugendamt ginge es ihrer Meinung nach nur darum, Kosten einzusparen. Denn wenn an einem Tag wegen Krankheit gar kein Kind zur Betreuung käme, hätte Brosko rein rechtlich frei. Diesen Tag würde das Amt von ihren 25 Urlaubstagen im Jahr abziehen. „Das ist einfach nicht gerecht. Meistens erfahre ich erst sehr spontan, dass die Kinder nicht kommen. Da hat mein Arbeitstag aber schon angefangen.“

Hintergrund

Kindertagespflege zählt als familienähnliche Betreuung und wird vor allem für Kinder unter drei Jahren in Anspruch genommen. Die individuelle Förderung, die familiäre Betreuungssituation und die hohe zeitliche Flexibilität werden als wesentlicher Vorteil der Tagespflege gegenüber der Kindertagesstätte gesehen.

Eine Tagespflegeperson betreut ein bis fünf Kinder. Sie braucht geeignete Räume und eine Pflegeerlaubnis. Über die Eignung der Person oder der Räume treffen Landesgesetze und Verordnungen Festlegungen. Zuweilen haben auch die vermittelnden und finanzierenden Jugendämter eigene Maßstäbe.

Seit 2006 müssen alle Kindertagespflegepersonen eine pädagogische Qualifizierung und einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind nachweisen. Einige Bundesländer beziehungsweise Städte und Kreise erwarten 160 Unterrichtsstunden, andere dagegen nur 16 Unterrichtsstunden, jährliche Fortbildungen sind verbindlich.

Der Landkreis wehrt sich gegen diese Vorwürfe. „Monatlich von den Tagespflegepersonen geführte Anwesenheitslisten, die nur einmal im Nachgang von den Eltern abgezeichnet worden sind, haben sich in der Vergangenheit nicht bewährt“, sagt Swen Ennullat, Leiter des Jugendamtes Teltow-Fläming. Es sei oft zu Unstimmigkeiten gekommen. Dass diese Richtlinie von den einzelnen Kommunen im Landkreis nicht einheitlich verfolgt wird, ist dem Jugendamt nicht bekannt. Ennullat wolle sich bei Unstimmigkeiten aber dafür einsetzen, dass die betreffenden Kommunen den Standard künftig einhalten.

Im Landkreis Dahme-Spreewald geht man weniger streng vor. Daher gebe es solche Probleme dort wohl nicht, sagt Sozialdezernent Carsten Saß (CDU). „Die Tagesmütter sind zwar verpflichtet, Listen zu führen, aber die Kontrolle ist den Kommunen überlassen.“

Susanne Brosko steht in regelmäßigem Kontakt zu ihren Kollegen im Kreis Teltow-Fläming und will sich mithilfe einer Unterschriftenliste beim Kreisjugendamt beschweren. Tagesmütter und Eltern aus Rangsdorf, Trebbin, Dahme, Ludwigsfelde, Luckenwalde und Jüterbog haben sich an der Aktion beteiligt. „Wir wollen die Listen so minimalistisch wie möglich halten. Eine Unterschrift pro Monat reicht aus“, sagt Brosko. Nicht nur der eigene bürokratische Aufwand erhöhe sich, sondern auch der in der Verwaltung. „Ich muss bei den Eltern hinterher sein. Die meisten haben keine Zeit, wenn sie ihre Kinder bringen oder abholen.“ Auch die Eltern hätten genervt auf die Forderung reagiert, so Brosko.

Dem Jugendamt geht es bei der neuen Richtlinie generell um höhere Transparenz für Eltern und das Tagespflegepersonal. „Angeblich soll es unserer eigenen Sicherheit dienen“, sagt Brosko. Ennullat bestätigt dies und fügt hinzu, dass auch die Essengeld-Abrechnung dadurch besser nachzuvollziehen sei: „Gerade in diesem Bereich gab es nach Änderung der Richtlinie sehr positive Rückmeldungen.“ Laut Brosko wird das Essengeld nicht extra aufgeführt, sondern ist in der Gesamtabrechnung enthalten. Dieses Problem löst die neue Richtlinie aus ihrer Sicht nicht. Transparent sei die Abrechnung ohnehin nicht: „Der Beitrag, den die Eltern zahlen, geht an die Gemeinden. Das Geld aber bekommen wir vom Landkreis. Was dazwischen passiert, besonders wenn Regelungen von den Kommunen nicht einheitlich verfolgt werden, wissen wir nicht.“

Von Luise Fröhlich

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