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Teltow-Fläming Streit um Sprengungen bei Warnstufe 5
Lokales Teltow-Fläming Streit um Sprengungen bei Warnstufe 5
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01:15 13.07.2018
Trotz Waldbrandwarnstufe 5 soll auf dem BAM-Testgelände in Horstwalde gesprengt werden. Doch nicht nur das: Waldarbeiter Jeff Arnold (l.) und Unternehmer Erhard Nickisch finden alle Warnschilder nicht aufgeklappt. Quelle: Jutta Abromeit
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Horstwalde

Waldbesitzer und Unternehmer Erhard Nickisch will mit einer einstweiligen Verfügung erreichen, dass der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) Testsprengungen auf ihrem Gelände in Horstwalde bei Waldbrandwarnstufe 5 verboten werden. Zu groß seien die Gefahren bei einem Brand für Feuerwehrleute, Waldarbeiter oder Freizeitnutzer.

Am Dienstag entschied sich der in Mellensee lebende Chef des Forstbetriebs Wunder zu diesem juristischen Schritt. Und erklärt: „Auch wenn das Verbot diese Woche vielleicht kaum noch wirksam wird – wir wollen zeigen, wie ernst es uns ist.“

Der ältere der beiden Sprengplätze auf dem BAM-Gelände Horstwalde Quelle: BAM-Bild

Derzeit ist es extrem trocken und im Raum Baruth liegt noch jede Menge Kriegsmunition, die bei Hitze und Trockenheit besonders leicht hochgehen kann. Im Forstrevier Wunder gibt es jede Menge unter Schutz stehende Tiere und Pflanzen. „Und dann wird bei Warnstufe 5 auf dem Testgelände der BAM in Horstwalde gesprengt?“, fragt Nikisch.

Er bewirtschaftet in direkter Nachbarschaft zum Gelände der BAM rund 250 Hektar Wald. Sie sind seine Existenz. Noch immer konnte er nicht alle Sturmschäden der zurückliegenden Jahre beseitigen lassen. Wenn es jetzt brennt, könne er kaum von irgendwoher mit Hilfe rechnen.

Hinweis auf die BAM-Einrichtungen im Baruther Ortsteil Horstwalde. Quelle: Jutta Abromeit

Wie berichtet stehen die Baruther Kameraden immer wieder vor der Entscheidung, Waldbrände mit Munition zu betreten und sich in Gefahr zu begeben oder ihn abbrennen zu lassen. Und Nickisch sagt, er vertrete noch acht kleinere Waldbesitzer, die sich nicht trauten, gegen die BAM etwas zu sagen.

Warum sind Warnschilder nicht aufgeklappt?

„Über die für diese Woche angekündigten Sprengungen wurden wir am Freitagabend per Mail informiert“, so Nickisch. Danach seien Tests „mit Knallereignissen und Rauchentwicklung“ von Dienstag bis Freitag jeweils zwischen 9 und 16 Uhr möglich. „Das ist äußerst kurzfristig. Wir planen ja unsere Arbeit hier auch“, so der 65-Jährige. Sei jemand mit einer Kettensäge zugange, wenn in der Nähe gesprengt wird, dann könne ein Waldarbeiter so zusammenzucken, dass er sich verletze.

Für ihn sind neben den Wetterbedingungen solche großen Pauschalzeiträume für Testsprengungen unakzeptabel. „Ganz abgesehen von Wanderern, Schulklassen oder Radfahrern, die nichtsahnend durch den Wald kommen können“, sagt er. Und kritisiert, dass aufklappbare Warnschilder im Wald rund ums Testgelände nicht herabgeklappt sind. „Also weiß ein Fremder nicht, was ihn hier erwarten kann“, sagt Nickisch.

Kreis wird über Sprengtermine nur informiert

Dietlind Biesterfeld (SPD), im Landkreis zuständige Dezernentin für Ordnung und Sicherheit, sagt: „Die Kreisverwaltung beziehungsweise die Leitstelle mit Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz kennen die Termine der beabsichtigten Sprengungen.“ Der Kreis sei jedoch nicht die Genehmigungsbehörde für diese Sprengungen, deshalb habe er auch keine Kenntnis über Art und Umfang der Sprengungen oder über Sicherheitsvorkehrungen der BAM, so Biesterfeld. Dafür seien die Forstbehörden zuständig.

Dasselbe bekam Kreistagsmitglied Helmuth Barthel (SPD) im Kreisausschuss zu hören. Die BAM unterliege keiner Norm des Innenministeriums, dennoch informiere man die Landesregierung, bekam Barthel zur Antwort. Gegenüber der MAZ erklärte Barthel, er halte die Art und Weise des Handelns der BAM für sehr bedenklich. Das betreffe nicht nur deren Informationspolitik gegenüber Anwohnern. „Besonders die Absicht, zum gegenwärtigen Zeitpunkt Sprengungen vorzunehmen, halte ich gelinde gesagt für leichtsinnig“, so das Kreis- und Landtagsmitglied. Barthel informierte das Innenministerium.

Der neue/2.Sprengplatz auf dem BAM-Gelände Horstwalde (TF) ist fertig; auf dem Foto Dr. Kai Holtappels (l.), Leiter des Testgeländes Technische Sicherheit, und sein Stellvertreter Dr.-Ing. Daniel Krentel Quelle: Jutta Abromeit

Auf MAZ-Nachfrage sagte BAM-Sprecherin Miriam Ewald, am Dienstag seien vier Sprengungen erfolgt. Ob es am Mittwoch weitere gebe, werde kurzfristig nach Wetterlage entschieden. Grundsätzlich sei die BAM nicht zur Information über Versuchstätigkeiten auf ihrem Testgelände Technische Sicherheit (TTS) verpflichtet, tue das aber freiwillig. Das Ankündigen sei vorsorglich und bedeute keineswegs auch die Durchführung, so Ewald.

Forschen für Sicherheit

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ist eine wissenschaftlich-technische Bundes­behörde des Bundeswirtschaftsministeriums.

Sie befasst sich mit der Weiterentwicklung von Sicherheit in Technik und Chemie sowie mit physikalischen und chemischen Prüfungen von Stoffen und Anlagen.

Weitere Aufgaben sind die Förderung des Wissens- und Technologietransfers, die Mitarbeit bei der Entwicklung gesetzlicher Regelungen zu Sicherheitsstandards und Grenzwerten sowie die Beratung von Bundesregierung, Wirtschaftsunternehmen und Organisationen.

www.bam.de

Die BAM als gesetzgebende Behörde sei verpflichtet, geforderte Ergebnisse etwa zum Sprengstoffgesetz termingerecht zu liefern, dafür sei das gesamte Gelände mit seinen Einrichtungen gebaut worden. Es würden jedoch alle Sicherheitsvorschriften und -vorkehrungen getroffen, die grundsätzlich und erst recht bei solchen Temperaturen nötig seien, so die Sprecherin.

An Versuchstagen zusätzliche Feuerlöscher und -patschen

Die BAM verfüge neben den Brandschutzeinrichtungen vor Ort wie eine vier Meter hohe Wallanlage, einen Sperrbereich und Brandschutzstreifen über einen eigenen Technischen Notdienst, erklärt Ewald. Zudem halte das Personal an Versuchstagen zusätzliche Feuerlöscher und Feuerpatschen bereit und Brandwachen beobachteten das Gelände noch Stunden nach den Versuchen.

Von Jutta Abromeit

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