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Strenge und Lebendigkeit

Rangsdorf Strenge und Lebendigkeit

Die Künstlerinnen Karin Gralki und Maria-Luise Fabers stellen derzeit gemeinsam in der Gedok-Galerie Kunstflügel in Rangsdorf aus. Im Zuge der Ausstellung sind die Künstlerinnen gelegentlich selbst vor Ort, um mit Besuchern ins Gespräch zu kommen.

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Fast wie nach mathematischen Prinzipien konstruierte Ton-Objekte von Maria-Luise Faber und Zeichnungen und Grafiken von Karin Gralki in der Gedok-Galerie.

Quelle: Karen Grunow

Rangsdorf. Wenn sie reist, dann mit dünnen handlichen Kunststoffplatten im Gepäck und Radiernadel. Karin Gralki findet unterwegs viele Inspirationen. „Ich habe immer gezeichnet“, sagt sie. Seit etwa zehn Jahren macht sie das besonderes gerne eben mit der Nadel. Einige der so auf Reisen entstandenen, geritzten Bilder sind als Grafiken derzeit in der Gedok-Galerie Kunstflügel in Rangsdorf zu sehen. Sie werden ergänzt, kontrastiert, sogar gespiegelt und immer wieder hinterfragt durch die Plastiken Maria-Luise Fabers.

Die beiden Künstlerinnen haben mit ihren Werken gemeinsam mit Gerlinde Förster, der Vorsitzenden der Gedok Brandenburg, die Kunstflügel-Räume gestaltet. Immer wieder mal ist in ihrer bis zum 15. Oktober laufenden Ausstellung Gelegenheit, die beiden Künstlerinnen selbst dort anzutreffen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, nachzufragen, über Ideen und Inspirationen zu sprechen und die Techniken und Materialien zu lernen. Am kommenden Samstag beispielsweise werden beide gemeinsam vor Ort sein und am 15. Oktober erneut.

Karin Gralki will am Samstag gemeinsam mit Künstlerkollegin Maria-Luise Faber in der Ausstellung mit Besuchern ins Gespräch kommen

Karin Gralki will am Samstag gemeinsam mit Künstlerkollegin Maria-Luise Faber in der Ausstellung mit Besuchern ins Gespräch kommen.

Quelle: Karen Grunow

Dynamisch und fragil

Dabei kann jede auch gut erzählen über die Arbeiten der anderen. Begeistert zeigt Karin Gralki die Objekte der in Lindenbrück lebenden Kollegin. Etwa die aus Holzplättchen gesteckte „Verschachtelung“. Das ist dynamisch und zugleich fragil, wirkt wie ein vieletagiges Haus mit zu vielen windschiefen Wänden, ein Bauplan in 3D, scheinbar unendlich erweiterbar. Faber gestaltet Raum, indem sie viele neue Räume erfindet. Als unerwartet an diesem regnerischen Tag das Sonnenlicht in den Kunstflügel ein- und durch die „Verschachtelung“ hindurchdringt, ist Karin Gralki richtig entzückt. „Schauen Sie nur, das Licht!“ Fabers Objekte und ihre als Kaltnadelradierungen ausgestellten Reisebilder vor allem zu Italien funktionieren sehr gut miteinander.

„Wir kennen uns nun so lange und schätzen uns gegenseitig“, sagt Gralki. Beide Künsterinnen haben Mitte der 1980er Jahre an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee studiert. „Wir hatten immer Kontakt und künstlerischen Austausch“, so Gralki, die wie auch Faber Bildhauerin ist. Das Verständnis für den Raum ist ihren Radierungen anzusehen, auch den Rohrfederzeichnungen. Einige Akte sind darunter. Diese sind erstaunlich bewegt, da gibt es einen „Stürzenden“, außerdem Frauenbildnisse, denen nichts statuarisches anzuhaften scheint. Dabei ist das Zeichnen mit Rohrfeder ein hochkonzentrierter und durchaus langsamer Vorgang. Seit 30 Jahren, erzählt sie, zeichne sie Akte. Was sie in Rangsdorf zeigt, sind aber vor allem neuere Arbeiten, vieles ist sogar erst in diesem Jahr entstanden. „Ich zeige Themen und Techniken, die für mich aktuell sind“, sagt sie. Stillleben sind auch dabei. Die Grafiken und die ab und an durch Tusche ergänzten Rohrfederzeichnungen Karin Gralkis bilden schon vom Sujet und Material her einen Kontrast zu den Plastiken Maria-Luise Fabers. Dabei, und das ist eine der spannenden Facetten dieser Konstellation, arbeiteten und arbeiten beide sowohl bildhauerisch als auch bildkünstlerisch.

Formen und Linien nehmen aufeinander Bezug

„Das Strenge, aber auch unglaublich Anregende und Lebendige“ gefalle ihr an Fabers Objekten, sagt Gralki über die Kollegin. Bevor beide die Ausstellung einrichteten, sprachen sie sich nur wenig ab. „Ich hatte Maria-Luise Faber nur vorgewarnt, dass ich anfange, auch mit farbiger Tusche zu arbeiten.“ Immer wieder finden sich Formen und Linien in beider Werken, die aufeinander Bezug zu nehmen scheinen.Das Miteinander ist gekonnt inszeniert. Oder wie Karin Gralki selbst zufrieden sagt: „Alles kann wirken.“ Immer wieder ergeben sich Blickachsen. Das manchmal streng Geometrische der Tonobjekte Fabers erdet und bricht die Unruhe des Strichs in den Grafiken Gralkis. Dabei scheinen diese nur unruhig, denn genaugenommen ergeben sich auch in ihnen oft erstaunlich strenge Strukturen.

Das Besondere der Ausstellung bleibt, dass jede neue Konstellation auch den Blick auf ein Kunstwerk verändern kann – eben weil die Umgebung mitschwingt, der Raum selbst und das spezifische Licht, aber auch die anderen Objekte. So entdecken nicht nur die Besucher viel neues und reizvolles, auch für die Künstlerinnen selbst bietet diese Ausstellung neue Erfahrungen und Erkenntnisse.

Die Ausstellung von Karin Gralki und Maria-Luise Faber ist bis zum 15. Oktober in der Gedok-Galerie in der Seebadallee 45 in Rangsdorf zu sehen. Geöffnet ist donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Von Karen Grunow

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