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Studenten drehen Kurzfilm „Die Abreise“

Großbeeren Studenten drehen Kurzfilm „Die Abreise“

Vor der Abrissbirne kam für zwei alte Gemäuer mitten in Großbeeren noch einmal ein wahrlich filmreifer Auftritt: Studenten drehten den Kurzfilm „Die Abreise“. Es entsteht ein sechsminütiger Kurzfilm, den das junge Team um Drehbuchautor und Regisseur Milan C. Bath bei Festivals einreichen will.

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Beate Malkus spielt die Hauptperson Martha, eine Jüdin, die ihre Wohnung vor der Deportation blitzblank putzt und für eine Nachvermietung herrichtet.

Großbeeren. In Großbeeren verschwindet ein Schandfleck mitten im Ort. Doch vorher dienten die verfallenden Gemäuer an der Hauptstraße nicht nur als Filmkulisse, sondern sie waren der einzige Dreh- und sogar Wohnort für Berliner Studenten. Die arbeiteten mit einem 15-köpfigen Team in den zurückliegenden Tagen auf dem Grundstück gegenüber der Schule für ein sechs Minuten langes Digitalwerk. „Dieser Kurzfilm entsteht für Festival-Einreichungen“, sagt Regisseur Milan C. Barth.

Die beiden alten Gebäude auf dem Gelände verschwinden demnächst. „Dort müssen wir Parkplätze für unser Schulzentrum anlegen“, erklärt Bürgermeister Carl Ahlgrimm (parteilos). Spätestens, wenn der gerade entstehende Hort fertig wird, würde dieser Platz dringend gebraucht, so der Rathauschef. Etwa 55 Fahrzeuge könnten dort stehen.

Doch vorher wurde dort deutsche Geschichte lebendig. Nicht die von 1813 mit der Schlacht von Großbeeren gegen Napoleon, sondern ein Detail im Vorgehen der Nazis beim Völkermord an den Juden. Milan Bath war bei seinen Recherchen zur Geschichte der Juden in der Naziherrschaft auf ein Dokument gestoßen, das ihn nicht mehr losließ: ein Merkblatt der Gestapo Würzburg, das Juden bei ihrer „Wohnsitzverlegung“ strengstens zu befolgen hatten.

Eines der beiden Abrisshäuser wurde innen gewienert und eingerichtet, so dass die Wohnung dem Jahr 1942 entsprach

Eines der beiden Abrisshäuser wurde innen gewienert und eingerichtet, so dass die Wohnung dem Jahr 1942 entsprach. Die Filmemacher schliefen dort sogar selbst.

Quelle: Friedrich Bungert

Der Student für Audiovisuelle Medien an der Beuth-Hochschule für Technik schreibt ein Drehbuch für den Film „Die Ausreise“. Dass sie ihre Deportation in ein Konzentrationslager selbst vorbereitet und zu bezahlen hat, weiß Martha, die Figur von Hauptdarstellerin Beate Malkus. Doch der Zuschauer erfährt erst am Ende, wohin Martha Handburger ausreist.

Dass die Studenten diesen Film ohne Budget drehen konnten, verdanken sie der Gemeinde Großbeeren und der Wohnungsbaugesellschaft. Bath sagt, das Team habe bei Wobau-Chefin Martina Borgwardt und beim Bürgermeister ganz offene Ohren gefunden und sei im Ort sehr herzlich aufgenommen worden. „Diese Dreharbeiten waren für uns preislich und logistisch ein Idealfall“, sagt der 26-Jährige. Er erzählt, dass ein Teil des Teams sogar gleich in der Wohnung genächtigt habe, das habe Fahrzeit und Transporte gespart. Er selbst zum Beispiel schlug sein Nachtquartier in der Küche auf. „Und das hatte außerdem den Vorteil, dass wir unsere Technik im Haus lassen und nicht jeden Tag neu herbringen mussten“, so der Regisseur. „Nicht mal einen Wachdienst zum Aufpassen auf die Technik haben wir bezahlen müssen.

Die jungen Leute um Bath, die beiden Produzenten Rebecca Weltner und Celine Jünger sowie Kameramann André Stahlmann hätten beide Gebäude auf dem Gelände nutzen können, brauchten jedoch letztlich nur eines. Alle Aufnahmen sind an diesem einzigen Drehort geschafft, nun kommt die andere Hälfte der Arbeit. „Bis Ende Juli wollen wir den Film fertig haben“, sagt Milan C Bath. Wann und wo er zu sehen wein wird, das könne er zurzeit noch nicht sagen. Es gebe allerdings die Idee, den Film wenigstens einmal auch separat in Großbeeren zu zeigen; „sozusagen als Dankeschön für die tolle Hilfe hier“, sagt Bath.

Von Jutta Abromeit

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