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Teltow-Fläming Surfen in der eigenen Welt
Lokales Teltow-Fläming Surfen in der eigenen Welt
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00:27 26.03.2018
Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist das ständige Herumschicken von Nachrichten, Bildern und Videos nichts Besonderes. Quelle: Isabelle Richter
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Jüterbog

Snappen, twittern, posten – für Kinder und Jugendliche gängige Begriffe. Doch nicht jeder kann damit etwas anfangen. Vor allem die ältere Generation tut sich schwer.

Viele Eltern, Lehrer und Erzieher sind überfordert damit, ihren Schützlingen zu folgen und wissen teilweise nicht mehr, was auf den mobilen Geräten des Nachwuchses so alles abgeht.

Wegen der vermehrten Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen hat die Stadt Jüterbog jetzt mit entsprechenden Maßnahmen reagiert.

Weiterbildung für Kita-Mitarbeiter

Im Sozialausschuss sagte Anke Stöckigt: „Wir haben uns innerhalb der Verwaltung gemeinsam überlegt, verschiedene Unterstützungsangebote zu schaffen.“

Die Sachgebietsleiterin für Bildung, Jugend und Sport berichtete zum einen, dass in den Kitas und Horten bereits vier Mitarbeiter an einer Weiterbildung zum Eltern-Medien-Berater teilgenommen hätten.

Eltern-Medien-Berater

Der Eltern-Medien-Berater wird in einer mehrtägigen Schulung in den Bereichen Medienerziehung, Mediennutzung und Medienberatung ausgebildet. Über ihn können sich Eltern informieren und austauschen.

Zu den Aufgabenbereichen des Beraters zählen Tipps, wie Mütter und Väter ihrem Nachwuchs einen kompetenten Umgang mit Medien vermitteln können und welche Vorsichtsmaßnahmen sie beachten sollten.

Darüber hinaus bietet der Eltern-Medien-Berater besorgten Elternteilen an, sich beispielsweise innerhalb einer speziellen Versammlung mit anderen Erziehungsberechtigten über das Thema Medien auszutauschen.

Sie sollen den Müttern und Vätern künftig erklären, wie neue Medien funktionieren und worauf sie als Elternteil achten sollten.

Dreijährige zeigen ihr neuestes Spielzeug

Dabei müssten sich einige zunächst an die eigene Nase fassen.

„Viele Eltern haben das Handy schon beim Abholen oder Gehen in der Hand“, berichtete Andrea Mehler-Hannemann. Für die Leiterin der Kita „Spiel mit“ sei es deshalb nicht verwunderlich, dass bereits die Kleinsten anfangen, ihre Eltern frühzeitig nachzuahmen.

Darüber hinaus erzählte sie von dreijährigen Kindern, die ihr freudestrahlend das eigene Tablet zeigen. Zwar würden die meisten das Gerät nur als modernes Spielzeug nutzen, doch auch dabei lauerten Gefahren.

Denn sein Gegenüber – wenn auch nur virtuell – brutal abzuknallen, sei aus Sicht der Kita-Leiterin nicht gerade kindgerecht.

Blasse und übermüdete Grundschüler

Auch in der Lindenschule wird fröhlich gedaddelt. Ein Großteil der Grundschüler besitzt bereits ein eigenes Smartphone. Wichtiger als Spiele sind für sie jedoch die sozialen Netzwerke.

Schulsozialarbeiterin Claudia Wilke berichtet von Schülern, die immer häufiger blass und übermüdet ins Klassenzimmer kämen. Der Grund dafür: Sie treiben sich bis in die frühen Morgenstunden bei Facebook, Instagram und Co. herum.

Das mögen unterhaltsame Apps sein, die aber noch gar nicht für Kinder im Grundschulalter ausgelegt seien.

Jugendliche sind regelrecht abhängig

In der Wiesenschule ist dieses Verhalten schon lange bekannt. Seit fünf Jahren führt die Oberschule deshalb in Kooperation mit dem Diakonischen Werk in allen 7. Klassen den Workshop „Knigge 2.0“ durch.

Dabei wird den Jugendlichen unter anderem erläutert, wie sie ihre Privatsphäre im Netz schützen können und welche Konsequenzen zum Beispiel das sogenannte Cyber Mobbing hat.

Michael Lehmann kann davon ein Lied singen. Dass Schüler sich nicht mehr in die Schule trauen, weil zuvor peinliche Bilder in der ganzen Schule verschickt wurden, gehöre für den Schulsozialarbeiter zum Alltag.

„Für die Schüler ist das keine Parallelwelt mehr. Alles, was im Netz geschrieben und gezeigt wird, ist für sie die pure Realität“, erläutert er. Einige Schüler würden bei der Handynutzung bereits ein extremes Suchtverhalten an den Tag legen.

Aus seiner Sicht wäre das Präventionsprojekt schon in der Grundschule angebracht. Auch darüber soll in der nächsten Zeit zusammen mit der Stadt beraten werden.

Von Isabelle Richter

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