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Symbolisches Verbeugen vor den Opfern

Vier Stolpersteine in der Luckenwalder Parkstraße verlegt Symbolisches Verbeugen vor den Opfern

Vier Stolpersteine wurden auf Initiative des CDU-Stadtverbandes Luckenwalde am Montag in der Parkstraße verlegt. Sie erinnern an die jüdischen Luckenwalder Margarete, Julius, Harry und Julia Seligmann, die dort ihren letzten Wohnsitz vor der Deportation hatte.

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Gunter Demnig bringt vor der Parkstraße 73 vier Stolpersteine in den Gehweg.

Quelle: Elinor Wenke

Luckenwalde. Mehr als 53 000 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig weltweit bereits verlegt; am Montag kamen in Luckenwalde auf Initiative des CDU-Stadtverbandes vier weitere dazu. Vor dem Haus Parkstraße 73 wurde mit Messingtafeln an die jüdische Familie Seligmann aus Luckenwalde erinnert, die dort ihren letzten freiwillig gewählten Wohnsitz hatte. Die Geschäftsleute Julius und Margarete Seligmann wurden 1944 in Auschwitz ermordet. Ihr Sohn Harry Seligmann und dessen Frau Julia wurden von den Nazis vertrieben und flüchteten 1939 nach Südamerika.

Als Gäste konnten Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD), Landrätin Kornelia Wehlan (Linke), Vize-Bürgermeister Peter Mann (SPD) und Pfarrer Detlev Riemer begrüßt werden sowie der Gesandten-Botschaftsrat der israelischen Botschaft, Yair Even, sowie der Gemeinderabbiner Jonah Sievers von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. „Auch gegenwärtig beobachten wir, dass Hunderttausende in der Welt auf der Flucht sind oder vertrieben werden“, sagte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Sven Petke, deshalb sei es wichtig, an Opfer zu erinnern und die Geschichte aufzuarbeiten, auch für Jugendliche.

„Stolpersteinen begegnet man im täglichen Leben und meist unverhofft“, sagte Britta Stark, „sie sind da, wo die Menschen leben und die Opfer gelebt haben. Auf diese Weise sind sie wieder mitten unter uns.“ Bei den Stolpersteinen gehe es um Erinnerung. Die Opferfamilien, die auseinandergerissen und oft zu Nummern degradiert worden waren, würden so an ihrem letzten frei gewählten Wohnsitz wieder zusammengeführt. „Um die Texte auf den Stolpersteinen lesen zu können, muss man sich bücken“, sagte Stark, „das ist eine symbolische Verbeugung vor den Opfern.“

Schicksal der Familie Seligmann

Julius Seligmann , Jahrgang 1872, wurde 1942 von den Nazis nach Theresienstadt deportiert und am 16. Mai 1944 in Auschwitz ermordet.

Margarete Seligmann , geborene Sabatzky, Ehefrau von Julius Seligmann, wurde 1871 geboren, 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 16. Mai 1944 im KZ Auschwitz ermordet.

Harry Seligmann wurde 1908 geboren, 1938 verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht. 1939 flüchtete er mit seiner Ehefrau Julia Seligmann nach Bolivien. Harry Seligmann starb 1975 in Bad Nauheim, Julia Seligmann 1990 in La Paz.

Dem Künstler selbst geht jeder neue Stolperstein immer wieder ans Herz. „Das handwerkliche Einmauern ist inzwischen Routine, aber das Schicksal, das damit verbunden ist, bewegt mich jedes Mal aufs Neue“, sagte Gunter Demnig. In 19 Ländern der Erde hat der Künstler mit seinem Projekt bereits seine Spuren hinterlassen, in Deutschland sind es allein 1044 Orte. Erst kürzlich war Demnig in Spanien, im Herbst verlegt er einen Stolperstein in Griechenland. Seine Arbeit habe zwar einen traurigen Hintergrund, trotzdem sei er froh, dass er das Projekt bis heute durchgezogen habe. „Entgegen der landläufigen Meinung interessieren sich junge Leute besonders für diese Geschichten. Sie sollten verstärkt die Schicksale recherchieren“, sagte Demnig.

In einer bewegenden Rede erinnerte Botschaftsrat Yair Even an den „schrecklichsten Völkermord der Weltgeschichte“. „Ich erschauere bei dem Versuch, mir die schrecklichen Augenblicke vorzustellen, in denen diese kleine Familie zu zerbrechen begann und die Menschen aus ihrem warmen und sicheren Haus fortgeführt wurden“, sagte er und fuhr fort: „Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass sie nicht wussten oder fühlten, dass sie ihr Heim für immer verlassen würden.“ Die Stolpersteine sollen nicht nur an das Verbrechen erinnern, sondern auch künftigen Generationen vergegenwärtigen, dass von dort aus die Familie Seligmann deportiert wurde. „Der Name der Familie Seligmann kann nun für immer an den Ort zurückkehren, an den er gehört, in die Parkstraße 73. Nur die Familie selbst kann ihn wieder hinwegnehmen“, sagte Even.

Detlev Riemer, Pfarrer im Ruhestand, dem die Recherche zu den Familienschicksalen zu verdanken ist, berichtete aus dem Leben der Familie Seligmann. Julius Seligmann betrieb in Luckenwalde einen Kurzwarenhandel, später ein Damenhütegeschäft. Zum 31. Dezember 1938 musste er sein Geschäft schließen. Seine Frau Margarete hatte ebenfalls ein Geschäft für Damenhüte und Puppen in der Breiten Straße. Beide wurden im Alter von über 70 Jahren verschleppt und ermordet. Ihrem Sohn und der Schwiegertochter gelang die Flucht nach Bolivien. „Wir hätten gern noch einen Nachfahren für heute eingeladen“, sagte Riemer, „aber Alfonso, der Enkel von Margarete und Julius Seligmann, ist im Jahr 2012 verstorben.“

Torda Rietdorf vom CDU-Stadtverband, die sich organisatorisch um die Stolperstein-Verlegung kümmert, legte als erste Rosen und kleine Steine an den Messingplatten nieder. „In Israel legt man Kieselsteine auf das Grab, wenn man es besucht“, erklärte sie. Genau neben den neuen Messing-Steinen in der Luckenwalder Parkstraße waren vor einigen Jahren bereits Stolpersteine für Dora Rindenau und ihre Kinder Berta Rindenau und Philipp Rindenau verlegt worden.

Von Elinor Wenke

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