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Syrischer Flüchtling stellt aus

Kunstfestival „Schlachten“ im Fläming Syrischer Flüchtling stellt aus

Khaled Al-Boushi ist als syrischer Flüchtling in Deutschland. Seit gut einem Jahr lebt er in Zossen. Der Künstler beteiligt sich an verschiedenen Projekten, derzeit arbeitet er an Bildern für das Festival „Schlachten“. Er verarbeitet dabei auch seine Fluchterfahrungen.

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Khaled Al-Boushi vor dem Werk, an dem er derzeit für das Festival „Schlachten“ arbeitet.

Quelle: Karen Grunow

Zossen. Dieses Bild ist eigentlich groß, aber für den hohen Veranstaltungssaal im Zossener E-Werk fast zu klein. Trotzdem dominiert das Gemälde von Khaled Al-Boushi diesen Raum. Die schwarzen verknäuelten Linien, diese wilde und doch grafische Struktur fesseln den Betrachter unwillkürlich. Dabei sagt der syrische Künstler Khaled Al-Boushi, der in Zossen lebt: „Das Konzept entwickelt sich noch.“

Gemalt hat Al-Boushi dieses Bild für das Kunstfestival „Schlachten“, das am 13. Juni in der von Erich Mendelssohn entworfenen Hutfabrik in Luckenwalde eröffnet wird. Eine Ikone der Architektur der 1920er Jahre, in die das Leiden der heutigen Welt eindringen wird. Flucht und Vertreibung sind das große Thema dieses neuen Festivals. Schon beim ersten Treffen der Organisatoren war Khaled Al-Boushi mit dabei. „Denn zufälligerweise passt dieses Thema genau zu mir“, sagt er.

Khaled Al-Boushi ist als syrischer Flüchtling in Deutschland. Seit gut einem Jahr lebt er in Zossen, nachdem er über ein Aufnahmelager in Niedersachsen in das Luckenwalder Flüchtlingsheim gekommen war. Dort wurde ihm empfohlen, sich doch in der Umgebung eine eigene Wohnung zu suchen. Nach nur drei Wochen im Heim zog er um. Schnell hatte er in Zossen und Umgebung Menschen kennengelernt, die er heute zu seinen Freunden zählt. Er singt im Zossener Gospelchor und arbeitet einmal pro Woche im Jugendclub, ein Kunstprojekt realisiert er dort.

Vorgeschlagen wurde ihm dieser Job, als er in der Stadtverwaltung vorstellig wurde, um sich im Ort anzumelden. Anfangs animierte er die Jugendlichen, mit ihm gemeinsam Musik zu machen, Percussion, denn Musik ist seine andere große Leidenschaft. „Mit Musik bin ich aufgewachsen“, erzählt der 1985 Geborene von der Atmosphäre in seinem Elternhaus. Schon früh malte er, vor allem seine Mutter ermutigte ihn dazu.

Als Khaled Al-Boushi der Familie verkündete, dass er Kunst studieren wolle, „war das trotzdem ein Schock für sie“, sagt er. Eine Weile hörten sie wenig voneinander. Doch als seine Mutter ein Interview mit ihm im Fernsehen sah, war sie einfach nur stolz auf ihren Sohn. 2009 beendete er sein Studium in Damaskus. Als er zur Armee eingezogen werden sollte, verließ er seine Heimat und floh in den Libanon. Das war Ende 2011.

Seitdem hatte der junge Künstler kaum noch gemalt. „Alles andere war einfach zu stark und zu heftig“, sagte er angesichts des Krieges in seiner Heimat. Im Libanon hat er seine Familie zum letzten Mal gesehen. Für einige Monate konnte er sie nach Beirut holen. Mittlerweile leben seine Eltern und einer seiner Brüder wieder in ihrem Heimatort im Norden Syriens. Der Kontakt ist sporadisch, Internet und Telefone funktionieren kaum. Doch Khaled Al-Boushi ist zuversichtlich: „Ich verfolge jeden Tag die Nachrichten. Diese Region ist nicht betroffen.“

Als Ende 2013 feststand, dass der Syrer nach Deutschland gehen kann, malte er wieder. Er mischte Kalligraphie mit Abstraktion, Sufi-Poesie, bei der es ihm vor allem um die Harmonie der arabischen Buchstaben ging. Diese Arbeiten waren kürzlich in Wünsdorf zu sehen, bei der großen traditionellen Jahresendausstellung in der Neuen Galerie. Margitta Wünsche vom Kulturamt war auf Khaled Al-Boushi aufmerksam geworden und hatte ihn in die Ausstellung geholt.

Zu denjenigen, die seinen Weg hier, sein Ankommen begleiten, gehört auch Emily Pütter, eine der Organisatorinnen des Schlachten-Festivals. In ihr hat Khaled Al-Boushi einen Menschen gefunden, der nicht nur neugierig war auf ihn, sondern tatkräftig mithalf, dass er seinen derzeitigen Arbeitsort im E-Werk finden konnte.

„Ich kann noch nicht vorhersagen, wie sich dieses Bild entwickeln wird“, sagt der Maler über seine Arbeit für „Schlachten“. Als er vor einigen Wochen erste Skizzen anfertigte, war das für ihn das erste Mal seit mehr als einem Jahr, dass er sich wieder konkret auf ein neues Werk vorbereitete. „Meine Skizzen dazu waren sehr simpel, vor allem Punkte und Linien“, erzählt er. Horizontale Linien gibt es nun auch, im Hintergrund. „Damit habe ich angefangen. Das war ein sehr meditativer Prozess“, sagt Khaled Al-Boushi. Doch dann brach es aus ihm heraus, diese Energie, diese Gefühle, nachdem er fast vier Jahre lang kaum an seiner Kunst gearbeitet hatte. Wut, Verzweiflung, Angst, Unsicherheit, dauernde Sorge – all das steckt in diesem Bild, in diesen hastig aus der Tube auf die Leinwand gequetschten Farbwülsten.

Der Maler hat noch zwei weitere Leinwände in dieser Dimension vorbereitet. Vielleicht gelingt es und auch diese werden bis zum Schlachten-Festival noch gefüllt. Für die Betrachter wäre so der emotionale Weg des Künstlers besser spürbar. Denn das Bild aus dem E-Werk ist für ihn ein neuer Anfang und ein Endpunkt zugleich. „Ich würde gerne länger hier arbeiten“, sagt er über den großen Saal, der ihm so sehr half, „in mir selbst aufzuräumen“.

Khaled Al-Boushi möchte gern noch einmal studieren, seinen Master machen, doch seit Monaten warte er auf sein Universitätszeugnis aus Damaskus. Derweil lernt er Deutsch, erklärt Jugendlichen, wie ein Bild aufgebaut werden sollte, besucht Galerien und Museen und lässt sich inspirieren, zum Beispiel von einer Mark-Rothko-Ausstellung, die er kürzlich in den Niederlanden sah. Von den Farben des Meisters ist er begeistert. Trotzdem bleibt Khaled Al-Boushi bei seiner reduzierten Farbpalette: „Ich benutze Schwarz und Weiß und Grautöne, dafür aber viele unterschiedliche Materialien. Farbe brauche ich nicht.“

Von Karen Grunow

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