Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Mehr Tablets für Häftlinge
Lokales Teltow-Fläming Mehr Tablets für Häftlinge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:23 05.11.2018
Blick aus einem Fenster der JVA Heidering in der Gemeinde Großbeeren, die 2013 eröffnete. Insgesamt gibt es rund 650 Haftplätze für männliche erwachsene Straftäter. Quelle: dpa
Großbeeren

Nach einer dreimonatigen Testphase geht das Tablet-Pilotprojekt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidering in Großbeeren in die nächste Runde. Auf Initiative der Berliner Senatsverwaltung für Justiz waren im Juni 70 Gefängnisinsassen mit internetfähigen Tablets ausgestattet worden.

Ein Ziel des Projektes „Resozialisierung durch Digitalisierung“ ist es, den Gefangenen die Rückkehr in die Gesellschaft zu erleichtern. Während der Haft können sie die Computer beispielsweise dazu nutzen, sich Wissen anzueignen, online eine Sprache zu erlernen oder E-Mails an Familie und Freunde zu schreiben. Bundesweit ist es das einzige Digitalisierungsprojekt dieser Art.

„Wir sind total zufrieden“, sagt Sebastian Brux, Sprecher des Berliner Justizsenators Dirk Behrendt (Grüne). Am häufigsten hätten die Häftlinge das Tablet genutzt, um Informationsangebote zu erreichen oder sich mit Angehörigen auszutauschen. Alle Teilnehmer seien sehr gewissenhaft mit den Geräten umgegangen, keines davon sei beschädigt oder zerstört worden. „Die Gefangenen sehen das als Privileg“, so Brux.

1,3 Millionen Euro für Tablets im Knast

Die JVA Heidering liegt zwar in der Gemeinde Großbeeren im Landkreis Teltow-Fläming, fällt aber in den Zuständigkeitsbereich der Berliner Justiz. Für das Forschungsprojekt beauftragte die Berliner Senatsverwaltung für Justiz das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikation FOKUS, das Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI) sowie das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ). Im Doppelhaushalt 2018/19 stehen für das Vorhaben jährlich 450 000 Euro zur Verfügung. Insgesamt fördert der Senat das Digitalisierungsprojekt mit 1,3 Millionen Euro.

Solche Tablet-Computer nutzen die Häftlinge der JVA Heidering. Quelle: dpa

Etwa 20 Internetseiten konnten die Häftlinge in der Testphase erreichen, darunter die Online-Enzyklopädie Wikipedia, den Internetauftritt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die Seite des Westdeutschen Rundfunks (WDR) oder Quizfragen von „Wer wird Millionär?“.

Auch das Intranet kann über die Tablets genutzt werden. Darin gibt es neben Neuigkeiten zur JVA die Möglichkeit, Sport- oder Therapieangebote zu buchen. Das kommt auch den Mitarbeitern der Haftanstalt zugute: Für sie bedeutet das weniger Verwaltungsaufwand und kürzere Bearbeitungszeiten.

Mehr Online-Angebote für Häftlinge

Wenn das Projekt nun in die Verlängerung geht, soll das Online-Angebot ausgeweitet werden. „Viele Häftlinge baten zum Beispiel darum, Zugang zu Chefkoch.de zu bekommen“, sagt Brux. „Daran hatten wir vorher überhaupt nicht gedacht.“ Es werde nun geklärt, ob das Kochportal und andere Internetseiten freigeschaltet werden.

Aus Sicherheitsgründen wurden alle Computer vor Beginn der Pilotphase umgebaut. Zum einen wurden die Kameras blockiert, damit keine Aufnahmen der JVA oder von Mitgefangenen gemacht werden können. Des weiteren wurden die USB-Anschlüsse gesperrt, um beispielsweise vor Schadsoftware zu schützen. Bisher war es außerdem nicht möglich, E-Mails mit Anhängen zu verschicken oder zu empfangen.

Wohnungen findet man nur online

Das könne sich künftig ändern, erläutert Brux. „Wenn sich Gefangene zum Beispiel um einen Job bewerben, sind Anhänge notwendig“, sagt der Sprecher. Derzeit würden technische Möglichkeiten geprüft, damit die Gefängnisinsassen Lebensläufe und Motivationsschreiben verschicken oder Familienfotos empfangen können. Auch für den Austausch mit Behörden sei das wichtig.

Für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist das Internet heutzutage unverzichtbar. Das gelte auch für den Haftalltag, sagt Brux. Besonders für die Zeit kurz vor der Entlassung. „Finden Sie mal ohne Internet eine Wohnung“, sagt er. Eine erfolgreiche Resozialisierung und den Start in ein neues Leben sei offline kaum möglich.

Im Sommer seien bereits Tablets nachbestellt worden. „Jede Ausweitung kostet natürlich noch mal Geld“, sagt Brux. Um das Projekt auf andere Berliner Haftanstalten auszudehnen, müssten zunächst einige bauliche und sicherheitstechnische Hürden überwunden werden. Und bevor Tablets überhaupt zum Einsatz kommen können, müsse erstmal WLAN her. „Mit den dicken Gefängnismauern ist das gar nicht so leicht“, sagt der Senatssprecher.

Opposition kritisiert Projekt

Kritik an dem Programm gab es zum Beispiel aus den Reihen der CDU, die im Berliner Senat der parlamentarischen Opposition angehört. Wichtiger sei es, die wesentlichen Probleme der Justizvollzugsanstalten anzugehen, etwa Personalmangel oder bauliche Mängel, hieß es aus der CDU-Fraktion. Sven Rissmann, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, bezeichnete das Digitalisierungsprojekt als eine „Spielerei von Gutmenschen“.

Justizsenator Behrendt hat die Pilotphase hingegen überzeugt. Er will bis zum Ende dieser Legislaturperiode im Jahr 2021 allen Häftlingen des Berliner Strafvollzugs Internetzugang ermöglichen. Davon profitieren würden dann rund 4000 Gefängnisinsassen. Für Brux sei das jedoch erst der Anfang: „Der Gefangene der Zukunft wird in jedem Gefängnis Internet haben.“

Von Hannah Rüdiger

Der Lyra-Chor Luckenwalde begeht in diesem Jahr sein 140-jähriges Bestehen. Seit Oktober gibt auch ein neuer Leiter den Ton an – Matthias Deblitz. Der nächste öffentliche Auftritt ist am 14. Dezember.

05.11.2018

Es geht um das weibliche Böse. Kriminalpsychologin Lydia Benecke kommt am 10. November in die Luckenwalder Bibliothek im Bahnhof. Dort berichtet sie von aktuellen und historischen Fällen

07.11.2018

Die L73 zwischen Hennickendorf und Dobbrikow ist wieder frei. Autofahrer haben dort zum Teil akrobatische Übungen vollzogen vollzogen, um der Umleitung zu entkommen.

06.11.2018