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Tagespflege Schmusekätzchen hört auf

Rangsdorf Tagespflege Schmusekätzchen hört auf

Ihre Liebe zu Kindern hat Susanne Brosko aus Rangsdorf vor neun Jahren zum Beruf gemacht. Als Tagesmutter betreut sie derzeit sechs Kinder. Im September ist Schluss. Bürokratische Hürden und eine immer höhere finanzielle Belastung machen das Geschäft der Tagesmütter immer schwieriger.

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Susanne Brosko (r.) und ihre Mutter Dagmar Steinwäscher arbeiten als Tagesmütter in Rangsdorf.

Quelle: Foto: Zielke

Rangsdorf. Kinder hat Susanne Brosko immer gern um sich gehabt. Nachdem ihre Töchter aus dem Haus waren, beschloss sie vor neun Jahren, den Keller in ihrem Haus in Rangsdorf umzubauen. „Schmusekätzchen“ hat sie ihre Tagespflegeeinrichtung genannt, in der sie mit ihrer Mutter Dagmar Steinwäscher derzeit sechs Kinder betreut.

Von September an soll Schluss sein. Susanne Brosko will nicht mehr. Nicht, weil ihr die Kinder zu viel werden. „Es sind die Zwänge, die uns auferlegt sind“, sagt die 50-Jährige. Seit diesem Jahr müssen die Eltern unterschreiben, wenn sie ihr Kind morgens bringen und noch einmal, wenn sie es nachmittags abholen. Die Listen muss sie dann den Behörden vorlegen. „Mit der Bürokratie ist es immer schlimmer geworden“, sagt Susanne Brosko.

Nicht einmal 1000 Euro Verdienst

Mehr Geld bekommt sie für den zusätzlichen Aufwand nicht. Nicht einmal 1000 Euro bleiben ihr im Monat. 400 Euro im Monat kostet die Krankenkasse, wovon der Landkreis die Hälfte und 300 Euro Rentenversicherung komplett übernimmt. Wenn sie krank ist, bekommt sie erst ab dem 43. Tag Geld aus der Lohnfortzahlung. Pro Jahr stehen ihr 25 Tage Urlaub zu, von denen zwei für Weiterbildungen vorgeschrieben sind. „Ab dem 26. Tag bekomme ich keinen Cent mehr“, sagt sie. Das gilt auch dann, wenn sie längere Zeit krank ist. „Wenn ich mir das Bein breche, habe ich Pech“, sagt die gelernte Kinderkrankenschwester. Nur weil sie die Kinder im ihrem Haus betreut und keine Miete zahlen muss, bleibt überhaupt etwas übrig.

Hintergrund

Tagesmütter sind eine Ergänzung zu Kindergärten. Sie werden vom Jugendamt finanziell unterstützt.

In Teltow-Fläming gibt es derzeit 95 Tagespflegeeinrichtungen. 2013 waren es noch 107.

Die in der Richtlinie zur Förderung der Kindertagespflege in Teltow-Fläming neu vorgeschriebenen Anwesenheitslisten dienen als Grundlage für das Essengeld und sollen Unstimmigkeiten zwischen Eltern und Tagesmüttern verringern, teilt die Kreisverwaltung mit.

Allerdings bekommt sie auch nicht für alle Kinder das gleiche Geld. Ab dem vierten Kind stehen ihr nur noch die Hälfte der Förderleistung und 90 Prozent der Sachkosten zu. „Genau genommen mache ich ab dem vierten Kind Minus“, sagt sie. Auch wenn ein Kind länger als sechs Tage nicht betreut wird, gibt es nur noch 90 Prozent. Sind alle Kinder gleichzeitig nicht da, was immer wieder vorkommt, wenn eine Krankheitswelle rollt, wird die Zeit von den Urlaubstagen abgezogen. „Dabei kann ich den Platz gar nicht anders besetzen“, sagt Susanne Brosko. Dabei gäbe es genug Interessenten, die Warteliste von Eltern ist lang.

Gemeinde macht Druck auf Eltern der Über-Dreijährigen

Viele Eltern würden ihr Kind gerne länger bei den „Schmusekätzchen“ lassen, doch das ist nicht gewünscht. „Ab dem dritten Lebensjahr macht die Gemeinde Druck auf die Eltern“, sagt Susanne Brosko. Eltern würden mit einem freien Platz in den gemeindlichen Kindergärten gelockt.

Susanne Brosko hätte gern weitergemacht. „Ich hatte eine wunderbare Zeit mit den Kindern“, sagt sie, doch in letzter Zeit habe sie so manche schlaflose Nacht bei dem Gedanken an die Zukunft verbracht. „Ich habe beschlossen, mir den Stress nicht länger anzutun“, sagt sie. Obwohl sie Freiberuflerin ist, fühlt sie sich nicht frei, sondern gegängelt. „Eigentlich“, sagt sie, „müsste ich mich selbst anzeigen wegen Scheinselbstständigkeit.“ In ihrem künftigen beruflichen Leben wird sie sich um Senioren kümmern – als Angestellte.

Von Christian Zielke

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