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Tanz zum Tetzel-Fest

Der 500. Jahrestag der Reformation soll groß gefeiert werden. Mitwirkende sind willkommen Tanz zum Tetzel-Fest

Der Heimatverein Jüterboger Land wird 2017 die Tetzel-Festspiele in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche ausrichten. Deshalb sind Vereine und Privatleute aufgefordert, sich am Programm zu beteiligen. Wer nicht spielen möchte, kann auch im Hintergrund mitwirken.

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Heimatvereinschef Jörg Podzuweit erläutert das Festpiel-Konzept.

Jüterbog. Tetzel kommt. Der Ablasshändler hat 2017 in Jüterbog seinen großen Auftritt. So war es auch vor 500 Jahren, als Luther über Tetzels Thesen und den Ablasshandel diskutieren wollte. Daraus wurde ein Streit, in dem dann die Reformation ausgelöst wurde.

Das Ereignis soll gebührend gefeiert werden. Pfarrer Bernhard Gutsche und Jörg Podzuweit, Chef des Heimatvereins „Jüterboger Land“, stellten vergangene Woche ihr Konzept vor. Dazu hatten sie viele Vereine eingeladen, um für deren Mitwirkung und die privater Interessenten zu werben.

Das Datum steht fest: Gefeiert wird am 8. und 9. September 2017. In dem Jahr wird es keinen Fürstentag, den der Heimatverein jährlich ausrichtet, sondern die Tetzelspiele geben. Gutsche wünscht sich eine Aufführung des „Zerbster Prozessionsspiels“. Von dem Spiel sind Dokumente aus dem frühen 16. Jahrhundert im Archiv der Stadt Zerbst entdeckt worden, die seit dem Zweiten Weltkrieg als vernichtet galten.

„Früher gab es um die 100 Mitspieler. Das werden wir nicht schaffen“, sagte der Pfarrer, der auf stadtbekannte Darsteller hofft – und dabei Jüterbogs Bürgermeister im Ruhestand, Bernd Rüdiger, ansah. Der will in den Partnerstädten um Akteure werben und fragte, ob es den Ablassbrief, den er mal habe drucken lassen, 2017 zu kaufen gebe.

„Der deutsche Text dieses Ablassbriefes hat mit dem Original wenig zu tun“, sagte Gutsche, der zwar Verständnis dafür hat, dass viele Geschichten wieder aufgewärmt werden, aber auch von Fachleuten ernst genommen werden will. Deshalb soll es vorher einen Historikertag geben. Vielleicht wissen die Experten bis dahin, ob Tetzel drei Tage oder drei Wochen in Jüterbog war.

Da sich Legenden aber mitunter besser verkaufen als Tatsachen, verspricht die Ausstellung über Johann Tetzel auch spaßig zu werden. Denn der vornehme Mönch wird sie sich „persönlich“ ansehen. Jeder, der das Stück „Die Preußen kommen“ kennt, hatte seine Freude daran, wie Luther und der Preußenkönig Friedrich II. staunen, was sie in der „Prüfungsanstalt für Reintegration historischer Persönlichkeiten“ alles über sich selbst erfahren. So könnte es auch Tetzel ergehen – ein schlagfertiger Darsteller wäre wünschenswert.

Aber auch an Profis ist gedacht. Bekannte Interpreten sollen für ein Konzert engagiert werden. Bei einem Kanzelstreit wird für und wider den Ablass diskutiert.

Wunderbar fänden es die Organisatoren, wenn es gelänge, einen Umzug, möglichst mit Pferden, zu organisieren. „Das sollten aber Kaltblüter sein“, sagte Marion Ziegler-Kienöl. Sie vertrat den Drachenflieger-Club Berlin. Aber nicht, weil Tetzel als Kontaktmann zwischen Himmel und Erde vielleicht eingeflogen werden soll, sondern um möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen. Sie brach auch eine Lanze für den Reitverein, der mit seinen Sportpferden sicher nicht teilnehmen könne. Podzuweit stimmte ihr zu und versicherte, dass bisher immer Pferde aus Brück mitgeführt worden seien. „Zwei Wagen kriegen wir 2017 hin“, sagte er.

Wie immer wird auf Geschäftsleute und Einwohner als Akteure gesetzt. Ob sie wohl auf dem Markt tanzen würden? Geübt werden sollen die Schritte schon Wochen vorher. Dabei könnte dann gleich für den Besuch geworben werden.

Wer weder spielen noch tanzen möchte, kleidet sich vielleicht in Leinen und mit Kopfbedeckung. Bis 2017 ist ja Zeit, Passendes zu besorgen. Die Evangelische Grundschule zeigt bereits, wie die Leute damals angezogen waren.

Von Gertraud Behrendt

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