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Tassenbaum als Augenschmaus

Hohenseefeld Tassenbaum als Augenschmaus

Der Fläming hat vielerlei Sehenswertes zu bieten. Eine der Besonderheiten kann man in Hohenseefeld entdecken: Einen Baum, der sich mit Sicherheit in keinem botanischen Lehrbuch findet und mehrmals im Jahr seine „Früchte“ wechselt.

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Nicht alle Tassen im Schrank haben Kathi und Peter Kurzrock, die alle Jahre wieder den alten Birnbaum in ihrem Garten auf markante Weise schmücken.

Quelle: Uwe Klemens

Hohenseefeld. Der Spruch „Die haben ja nicht alle Tassen im Schrank“ ist für Kathi und Peter Kurzrock wie ein Lob. Jetzt, wo das Wetter Radler, Skater und Spaziergang lockt und die beiden Luckenwalder viel Zeit in ihrem Hohenseefelder Wochenendhäuschen verbringen, bekommen sie ihn häufig zu hören.

Wie in jedem Frühjahr haben sie auch diesmal einen alten Birnbaum in ihrem Garten mit Tassen in unterschiedlicher Form und Größe geschmückt. Auch Nachbarn und Bekannte aus umliegenden Orten steuern regelmäßig das eine oder andere Stück bei, mit dem das Ehepaar die Verluste des Vorjahres ausgleichen kann. „Weil der Frost im letzten Winter kam, bevor wir die Tassen abgenommen hatten, sind die Verluste diesmal besonders hoch gewesen“, sagt Peter Kurzrock. Dank der Spenden hängen seit Wochenbeginn nun trotzdem 70 Porzellanbecher im Geäst.

Ein Foto vom Tassenbaum muss sein

Wenn die Ausflügler stehen bleiben, um mit dem Handy ein paar Fotos des Gewächses mit den ungewöhnlichen „Früchten“ zu schießen, ist für Kathi und Peter Kurzrock der Moment gekommen, noch ein paar Gartenstühle mehr aufzustellen und bei einer guten Tasse Kaffee mit ihren Besuchern zu plaudern. Schnell kommen sie dann auch darauf zu sprechen, woher die Idee des Tassenbaums stammt.

Probleme mit den Knochen zwangen den gelernten Maurer, der lange Jahre die Lehrlingsausbildung des Luckenwalder Baukombinats leitete und nach der Wende als Amtsleiter für Wirtschaftsförderung ins städtische Amt wechselte, sich nach einer geeigneten Therapie umzuschauen. Noch heute schwärmt er von der Heilkraft der ungarischen Thermalbäder, die er ab Anfang der 90er Jahre regelmäßig besuchte. Auf der Suche nach einer dauerhaften Unterkunft für die bis zu zehn Wochen dauernden Kuraufenthalte entdeckten Kurzrocks in der Ortschaft Chernelházadomy nahe Sopron ein Haus, das sie erwarben und zu ihrem zweiten Wohnsitz machten.

Der ungarische Brauch faszinierte die Luckenwalder

Kathi Kurzrock war es, die auf einem der zahlreichen Ausflüge entdeckte, dass vor einigen Häusern abgestorbene Bäume mit Krügen und Tassen geschmückt waren. „Was genau hinter dem Brauch steckt, hab ich zwar nicht herausgefunden, aber es hat mir sofort gefallen“, sagt sie. Und schon bald stand auch in ihrem ungarischen Vorgarten ein Tassenbaum, der selbst bei den Einheimischen für Aufsehen sorgte, so dass der „Csészék fa“ bald in aller Munde war.

Nicht nur die Heilkraft der magyarischen Quellen zog Kathi und Peter Kurzrock zwanzig Jahre lang wie ein Magnet in ihre zweite Heimat im Komitat Vas, sondern auch die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft ihrer neuen Nachbarn, die sie als Heilkraft für die Seele empfanden. Überquellende Fotoalben erzählen von den zahllosen Begegnungen, gemeinsamen Festen und den vielen Flaschen Pálinka und Rotwein, die dabei geleert wurden. Sogar das Katzenpärchen, das Kurzrocks immer nach Ungarn mitnahm, fühlte sich in der Fremde bald zu Hause.

Irgendwann fiel Peter Kurzrock nach drei Hüft-OPs das Reisen und auch das Erledigen der Arbeiten im Garten und am Haus immer schwerer, so dass sich die beiden schweren Herzens entschlossen, Chernelházadomy „szervusz“ zu sagen und ihr Haus zu verkaufen. „Drei Tage lang haben wir alle zum Abschied geheult, aber es ging einfach nicht mehr“, sagt der 75-Jährige voller Wehmut.

Der Import aus Ungarn steht nun in Hohenseefeld

Auf der Suche nach einem neuen Wochenend-Domizil für die schöne Jahreszeit entdeckten die beiden ein zum Verkauf stehendes Haus in Hohenseefeld, das sie vor fünf Jahren erwarben. Auch ein Tassenbaum, so viel stand fest, musste auf jeden Fall her. Mittlerweile gehört der abgestorbene Birnbaum, den Peter Kurzrock dicht neben dem Gartentor platzierte, zu den Attraktionen im Dorf. „Nur die Jury des Europäischen Dorfwettbewerbs, die sich im vergangenen Jahr den Ort anschaute, hat vergessen, hier vorbei zu schauen“, sagt Peter Kurzrock ironisch. Entgangen ist dem Komitee nicht nur der schöne Anblick, sondern auch die Gastfreundschaft des Ehepaars, die sie aus Ungarn mitgebracht haben und nun ihrerseits gerne an andere weitergeben.

In der Adventszeit müssen die Tassen Nikolaus-Figuren und Weihnachtsbaumkugeln weichen, danach kommen zu Ostern die Eier an den Baum – bis im Mai die Tassenbaum-Saison wieder von vorne beginnt.

Von Uwe Klemens

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