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Teltow-Fläming Tegel und Schönefeld zusammen gegen Fluglärm
Lokales Teltow-Fläming Tegel und Schönefeld zusammen gegen Fluglärm
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18:22 03.07.2018
Lärmmessstation wie diese am Airport Schönefeld sind Pflicht. Ultrafeinstaub wird im Süden Berlins hingegen auf freiwilliger Basis gemessen. Quelle: FBB
Schönefeld

Lärmschutz, Feinstaub, BER-Eröffnung: Diese Themen beschäftigen die Kommunen und Bezirke im Umfeld der Flughäfen Schönefeld und Tegel gleichermaßen. Am Dienstag tagten die beiden Fluglärmkommissionen erstmals seit sechs Jahren wieder gemeinsam.

In der mehr als dreistündigen Sitzung seien Themen angesprochen worden, die für beide Regionen künftig von Bedeutung sein werden, erklärte der Vorsitzende der Schönefelder Fluglärmkommission, Carl Ahlgrimm, gegenüber der MAZ.

Carl Ahlgrimm ist seit Februar 2018 Vorsitzender der Fluglärmkommission Schönefeld. Von 2002 bis Ende Mai 2018 war er Bürgermeister von Großbeeren. Quelle: Christian Zielke

Für Ahlgrimm war es die erste Kommissionssitzung als Vorsitzender. Der 61-Jährige war bereits als Bürgermeister von Großbeeren langjähriges Mitglied gewesen. Nach seiner Wahl an die Vorstandsspitze hatte er eine Zusammenarbeit beider Kommissionen angeregt, obwohl diese zunächst kritisch gesehen wurde. Denn viele Kommunen im BER-Umfeld sprechen sich dafür aus, den Flughafen in Tegel weiter zu betreiben.

„Standorte sind voneinander abhängig“

Sie hoffen durch die Verlagerung des Flugverkehrs auf eine Minderung der Lärmbelastung südlich von Berlin. „In den vergangenen Jahren haben wir allerdings gemerkt, dass beide Standorte voneinander abhängig sind“, erklärte Ahlgrimm.

Würde Tegel geschlossen, könnte das eine erhebliche Mehrbelastung an Lärm und Schadstoffen für die BER-nahen Kommunen bedeuten. Quelle: dpa

Eine Verlagerung zulasten von Betroffenen in Tegel dürfe es daher nicht geben, sagte er, zumal dort bereits deutlich schlechtere Bedingungen herrschen würden als momentan für die Brandenburger Kommunen. Bei der Sitzung am Dienstag wollte deshalb auch die Schönefelder Fluglärmkommission ein Signal senden. „Wenn Tegel offen gehalten wird, dann nur gemeinsam mit Schutzmaßnahmen vor Ort“, erklärte der Vorsitzende.

Neue Gebührenordnung für weniger Lärm

Weitere Maßnahmen zur Senkung der Lärm- und Schadstoffbelastung soll es bald auch für Betroffene in Schönefeld geben. Die Kommissionen befürworten eine neue Gebührenordnung für beide Airports. Wie hoch die Start- und Landeentgelte der Fluggesellschaften sind, richtet sich derzeit unter anderem nach Lautstärke und Gewicht der Maschinen. Entscheidend ist meist aber die Flugzeugklasse.

Wie steil und mit welcher Geschwindigkeit ein Flugzeug startet, beeinflusst die Lärmbelastung unterhalb der Maschine. Quelle: unbekannt

Nun soll es eine neue Regelung mit Einzelmessungen geben. „Dabei wird der individuelle Lärmwert eines Flugzeugs bestimmt“, erklärte Ahlgrimm, „auf diese Weise können wir schwarze Schafe erwischen, an die wir sonst nicht kommen würden.“

Positiv bewerten die Mitglieder der Flugkommissionen die damit wachsenden Einflussmöglichkeiten auf Flugmanöver der Kapitäne. Entscheidend ist für die Lärm- und Schadstoffbelastung der Anwohner beispielsweise, ob ein Flugzeug steil startet und schnell in der Luft ist, oder ob es nur langsam an Höhe gewinnt und damit länger tief über der Stadt fliegt, so Ahlgrimm.

Ultrafeinstaub: 15.000 giftige Partikel in Schönefeld

Erstmals wurden am Dienstag Langzeitwerte der Ultrafeinstaub-Belastung im Bereich des Schönefelder Flughafens vorgestellt. Die Fluglärmkommission hatte die Messung vor einigen Jahren angeregt. Seit September 2016 misst die Betreibergesellschaft am Standort im Süden Berlins – laut eigenen Angaben als erster deutscher Flughafenbetreiber – langfristig, wie viele der Partikel mit einem Durchmesser von unter 100 Nanometer in der Luft schweben. In Schönefeld sollen es etwa 15.000 bis 16.000 sein.

Etwa 15.000 Ultrafeinstaub-Partikel befinden sich in der Luft rund um den neuen Hauptstadtflughafen. Grenzwerte gibt es dafür nicht. Quelle: picture alliance / Ralf Hirschbe

„Die Ergebnisse, die wir jetzt haben, sind für uns aber noch nebulös“, sagt Carl Ahlgrimm, „denn es gibt keine Richt- oder Grenzwerte, die hier angewendet werden könnten.“ Die Messungen seien daher als Vorarbeit auf die BER-Eröffnung zu verstehen. Dann soll die Ultrafeinstaub-Belastung erneut gemessen werden, um einen Vergleich anstellen zu können. Klar sei immerhin schon jetzt, dass der Flugbetrieb Auswirkungen auf diese Werte hat, sagte Ahlgrimm.

Masterplan für BER lässt weiter auf sich warten

Lediglich dürftige Informationen gab es von der Flughafengesellschaft am Dienstag zum Thema BER-Masterplan. Mit der Erweiterung des neuen Großflughafens hängt auch die Offenhaltung von Tegel zusammen. Denn wenn der BER nicht rechtzeitig ausgebaut wird, müssen die erwarteten 35 Millionen Passagiere pro Jahr von anderen Standorten abgefangen werden.

„Die große Frage ist auch für uns noch, ob die Schließung von Tegel wie geplant funktioniert“, sagte Ahlgrimm am Dienstag. Der Kommission werde der Masterplan erst in der nächsten Sitzung Ende September vorgestellt. Dann soll erneut gemeinsam mit der Lärmschutzkommission Tegel getagt werden.

Von Victoria Barnack

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