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Teltow-Fläming hat neue Führung

Feierstunde zur Amtseinführung von Kornelia Wehlan Teltow-Fläming hat neue Führung

Dieser große Bahnhof war nicht geplant. Am Montag hat mit Kornelia Wehlan zum ersten Mal in Brandenburg überhaupt eine Frau das Amt einer Landrätin angetreten. Eigentlich sollte das leise und ruhig von statten gehen. Doch dann entwickelte sich eine Feierstunde.

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Die Ernennungsurkunde nahm Landrätin Kornelia Wehlan von Christoph Schulze entgegen.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Eigentlich sollte am Montag die Zeremonie der Amtseinführung von Kornelia Wehlan (Die Linke) als neue Landrätin des Kreises Teltow-Fläming im Beratungsraum des Landrats stattfinden. Doch angesichts der großen Anzahl all der amtlichen Würdenträger, der politischen Freunde und der Vertreter des Kreistags wurde dieser an sich rein formale Verwaltungsakt flugs in den Sitzungsraum des Kreisausschusses verlegt, wo er sich zu einer kleinen Feierstunde entwickelte. Vor laufenden Fernsehkameras und klickenden Fotoapparaten nahm die neue Landrätin aus den Händen des Kreistagsvorsitzenden Christoph Schulze (GFW) ihre Ernennungsurkunde als Wahlbeamtin entgegen. Dabei hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon fast einen kompletten Arbeitstag hinter sich und noch zwei weitere Termine vor sich.

Mit Wehlans Ernennung ist eine gut einjährige Hängepartie beendet, in der der Landkreis und die Kreisverwaltung quasi „kopflos“ waren. Teltow-Flämings erster Landrat Peer Giesecke (SPD) war vom Kreistag wegen Bestechlichkeit abgewählt worden, zuvor war er schon zwei Monate krankgeschrieben. In dieser Zeit musste die von den Linken gestellte Erste Beigeordnete Kirsten Gurske (parteilos) als Landrätin amtieren, wofür ihr gestern ausdrücklich gedankt wurde.

Christoph Schulze sprach von einer „neuen Epoche“, die nun anbreche. Die alte sei zwar gut gewesen, aber zum Schluss mit viel Schatten behaftet. Er wünschte Kornelia Wehlan für ihre bevorstehende achtjährige Amtszeit „viel Licht und wenig Schatten“. Er sicherte der Landrätin ohne eigene Mehrheit im Kreistag zu, dass sie immer eine Mehrheit haben werde, wenn sie ihre Politik sachorientiert gestalte.

Sie wolle gar keine feste Mehrheit haben, betonte Kornelia Wehlan, weil darunter die Sachdebatte sehr oft leide. Es gehe ihr vielmehr darum, die Kreistagsabgeordneten von den Verwaltungsvorlagen zu überzeugen. Es sei ihr erklärtes Ziel, ein „neues Wir-Gefühl“ sowohl in der Verwaltung als auch im Verhältnis zum Kreistag zu entwickeln. Wehlan versprach, „mit großer Transparenz, Offenheit und Nachvollziehbarkeit“ zu handeln.

Ähnliche Worte hatte sie auch am Vormittag bei ihrem „Guten-Morgen-Gruß“ an alle Mitarbeiter gefunden. Diese hatten sich im langen Foyer und auf den Gängen des Luckenwalder Kreishauses versammelt, um ihrer neuen Chefin zu lauschen. Nach dem, was er gehört habe, so Kreistagsvorsitzender Schulze, sei dies bei den Verwaltungsmitarbeitern gut angekommen und zeige, dass der Kreistag mit der Wahl Wehlans die richtige Entscheidung getroffen habe.

Trebbins Bürgermeister Thomas Berger (CDU) drückte als Vorsitzender der Kreisarbeitsgemeinschaft der Bürgermeister seine Hoffnung auf gute Zusammenarbeit und respektvollen Umgang miteinander aus, „was bisher imVerhältnis zur Kreisverwaltung nicht immer so deutlich zu spüren gewesen sei“.

Ein Hundert-Tage-Programm könne und wolle sie noch nicht vorlegen, sagte Kornelia Wehlan im Anschluss an ihre Amtseinführung gegenüber der MAZ. Dazu lägen genügend Probleme auf dem Tisch, in die sie sich zunächst einarbeiten müsse. Dazu diente sicherlich auch die Beratungsrunde der Dezernenten, die die neue Landrätin erstmals leitete, bevor es zur offiziellen Amtsübergabe beziehungsweise Amtsübernahme kam. Anschließend leitete sie die Sitzung des Kreisausschusses, dem sie qua Amt vorsteht. Danach war aber immer noch nicht Feierabend, denn da wartete die Linksfraktion auf „ihre“ Landrätin zur regulären Fraktionssitzung.

Was erwarten sie von der neuen Landrätin?

Rolf Lange

Quelle:

Rolf Lange, Luckenwalde, Rentner: Ich hoffe, dass sie dafür sorgt, dass mit Sachverstand entschieden wird und Parteiinteressen außen vor bleiben. Ich wünsche mir für sie, dass sie alles, was sie sich vorgenommen hat, umsetzen kann und dabei von den Abgeordneten unterstützt wird. Sie soll ihre nette Art behalten. Ich befürchte aber, dass sie es schwer haben wird.

 

Martina Borgwardt

Quelle:

Martina Borgwardt, Ahrensdorf, Geschäftsführerin, FDP-Kreistagsmitglied: Eine strenge und gerechte Führung des Landkreises erwarte ich und möglichst schon für 2014 einen ausgeglichenen Haushalt. Und möge sie ihre tolle Figur behalten und sich nicht aus Ärger über ihren Büro- und Behördenalltag so dick futtern wie so viele andere Politiker.

Rüdiger Riethdorf

Quelle:

Rüdiger Riethdorf, Luckenwalde, Rentner: Ich erwarte sehr viel. Sie war ja mal meine Schülerin – und damals sehr fleißig, strebsam und verlässlich. Sie hat sich in den vergangenen Jahren für den Sport stark gemacht, vor allem im Nachwuchsbereich. Ich wünsche mir, dass dies so bleibt. Mit ihr an der Spitze erhoffe ich mir eine positive Entwicklung für den Landkreis.

Sam C. Ahrens

Quelle:

Sam C. Ahrens, Mellensee, Bildhauer: Beim gescheiterten Versuch der Direktwahl des Landrates hatte ich Frau Wehlan gewählt. Dass sie es nun noch geworden ist, finde ich toll. Endlich eine Frau an der Spitze des Kreises! Ich erwarte von ihr, dass sie menschliche Entscheidungen trifft. Nicht dasGeld darf im Vordergrund stehen, sondern das Wesen der Dinge.

Marina Eichberg

Quelle:

Marina Eichberg, Jüterbog, Lehrerin: Ich erwarte, dass sich auch die Landrätin für bessere Bildungspolitik, für mehr Lehrerstunden und für bessere Vertretungsorganisation einsetzt. Zudem müssten viele Schulen dringend energetisch saniert werden. Ganz persönlich hoffe ich auf eine Anbindung der Altstadt Jüterbog an die Fläming-Skate und auf bessere Radwege.

Martin Tischer

Quelle:

Martin Tischer, Jüterbog, Rentner: Ich hoffe, dass sich die neue Landrätin um den Zustand unserer Straßen und Bürgersteige kümmert. Ganz besonders sollte sie sich für eine baldige Sanierung der B102 durch Jüterbog einsetzen. Sie sollte den Bürgermeistern des Landkreises immer gut zuhören, die sicherlich bei vielen Problemen Unterstützung brauchen.  

Von Hartmut F. Reck  

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