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Tischlermeister hat sich zum Restaurator qualifiziert

Dobbrikow Tischlermeister hat sich zum Restaurator qualifiziert

In einem anderthalbjährigen Lehrgang hat sich Tischlermeister Cornelius Landsberg zum Restaurator qualifiziert. Sein Prüfungsstück steht jetzt in seinem privaten Museum auf dem Dachboden.

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Tischlermeister Cornelius Landsberg mit seinem Zeugnis als Restaurator und seinem Prüfungsstück – einer alten Werkzeugkiste.

Quelle: Elinor Wenke

Dobbrikow. Das Dachgeschoss von Cornelius Landsbergs Haus in Dobbrikow wäre eine Fundgrube für jeden Historiker und manchen Sammler. Unter alten Fachwerkbalken und in den verwinkelten Ecken wimmelt es nur so von Zeitzeugen vergangener Jahrhunderte. Rund 5000 Zinnfiguren aller Größen – selbst hergestellte und gesammelte – bevölkern Vitrinen und Regale. Unzählige alte Uniformen, Abzeichen, Schilder, Instrumente, Urkunden und Haushaltsgeräte haben sich seit 2011 dort angehäuft. Dazu kommen stapelweise Dokumente über den Alten Fritz.

Inmitten der unzähligen Museumsexponate hat Cornelius Landsberg auch ein funktionstüchtiges Grammophon

Inmitten der unzähligen Museumsexponate hat Cornelius Landsberg auch ein funktionstüchtiges Grammophon.

Quelle: Elinor Wenke

„Ich sammel, seit ich zehn Jahre alt war. Nichts ist vor mir sicher“, erzählt Cornelius Landsberg und schmunzelt. Schon die Utensilien von Uropas und Opas waren ihm als Kind viel zu schade zum Wegwerfen. Entlassungsurkunden aus der Gefangenschaft, Werkzeuge und Möbel – er hat sie alle aufgehoben.

Unzählige mit Firmenwerbung beschriftete Kleiderbügel hat Cornelius Landsberg gesammelt

Unzählige mit Firmenwerbung beschriftete Kleiderbügel hat Cornelius Landsberg gesammelt.

Quelle: Elinor Wenke

Der 40-Jährige ist froh, dass er sich in dem schätzungsweise 250 Jahre alten Haus mit seinen Errungenschaften so ausbreiten kann. Er trägt sich mit dem Gedanken, sein Privatmuseum irgendwann auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Doch bis dahin muss noch viel sortiert, geordnet und geräumt werden“, sagt er selbst.

Eine alte Küche ist nahezu originalgetreu auf Landsbergs Dachboden aufgebaut

Eine alte Küche ist nahezu originalgetreu auf Landsbergs Dachboden aufgebaut.

Quelle: Elinor Wenke

Landsberg genießt es, sich dann und wann in sein historisches Reich zurückzuziehen und seine stummen Zeitzeugen zu begutachten. Dabei ist „stumm“ relativ. Denn hier plappert ein altes Radio und dort wirft er plötzlich ein Grammophon aus den 20er Jahren an. „God save the king“ krächzt es von der Platte und Landsberg strahlt. „Da krieg ich Gänsehaut“, sagt er.

Auch alte Uniformen gehören zum Fundus von Landsbergs privatem Museum

Auch alte Uniformen gehören zum Fundus von Landsbergs privatem Museum.

Quelle: Elinor Wenke

Doch am meisten haben es dem Tischlermeister die Holz-Exponate angetan. Er zeigt auf ein altes handgeböttchertes Fass und unzählige Kleiderbügel mit Firmenwerbung. Möbel, Werkzeuge, Handwerkermaterial – all das lässt sein Herz höher schlagen. „Tischler ist der schönste Beruf überhaupt“, davon ist Cornelius Landsberg überzeugt.

Seit wenigen Tagen darf sich der Dobbrikower nun auch „Restaurator im Tischlerhandwerk“ nennen. Stolz präsentiert er die druckfrische Urkunde und sein Prüfungsstück – einen alten Holz-Werkzeugkasten aus der Zeit um 1830. Den musste er fachgerecht aufarbeiten. Bei einem anderthalbjährigen Lehrgang in Berlin hatte er sich das theoretische und praktische Einmaleins des Restaurierens angeeignet „Dazu gehören Kunstgeschichte, Stilkunde, Materialkunde und natürlich die praktische Arbeit“, sagt der Experte.

Mit historischem Werkzeug und Material bearbeitet

Die Werkzeugkiste hatte Landsberg komplett zerlegt, aufgearbeitet und wieder zusammengebaut. Die Füße mussten neu gedrechselt, Profilleisten aufgearbeitet, ein Schlüssel musste ersetzt, Holz abgeschliffen und gebeizt werden. „Der Anspruch war, das Prüfungsstück mit historischen Werkzeugen und historischem Material zu bearbeiten“, berichtet Landsberg. Also hat er extra einen Hobel angefertigt und Naturleim statt synthetische Kleber benutzt. Einen Teil der Front hat er im Originalzustand belassen.

Nicht nur der Zahn der Zeit, auch der Holzwurm hatte an dem Utensil genagt. „Ich werde jetzt ein Jahr abwarten, ob der Wurm noch aktiv ist und das Holz noch mal behandelt werden muss“, sagt Cornelius Landsberg. Etwa 80 Stunden Handarbeit hat er in sein Restaurator-Stück investiert und wurde dafür mit einer „2“ belohnt.

Von Elinor Wenke

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