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Ein simples Werbegeschenk wäre Edmund Ahlers, dem Geschäftsführer der AneCom Aero Test GmbH, in China fast zum Verhängnis geworden. Über kulturelle Unterschiede und andere Probleme des weltweiten Business tauschten er und andere Unternehmer sich am Donnerstag beim Forum Mittelstand in Wildau aus.

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Diskutierten auf dem Podium: Moderator Stefan von Senger, Edmund Ahlers, Christoph Meyerrose, Lászlo Ungvári, Bettina Wagner und Julia Arnold (v.l.)

Quelle: Oliver Fischer

Wildau. Geschäfte mit China und Amerika, internationale Märkte, ein Büro im arabischen Raum. Das klingt alles nach Erfolg, nach großen Chancen für Unternehmen, denen Brandenburg und Deutschland zu eng werden. Tatsächlich unterhält inzwischen fast jedes zweite Unternehmen direkt oder indirekt internationale Beziehungen. Dass der Welthandel allerdings kein Abenteuerspielplatz ist, sondern ein komplexes Terrain, auf dem man Geld verdienen, aber auch viel Geld verlieren kann, zeigte am Donnerstagabend die Diskussionsveranstaltung des Forums Mittelstand in Wildau.

Etwa 60 Leute waren dafür in den Hofsaal der Technischen Hochschule gekommen, darunter Unternehmer, aber auch Studenten, die sich womöglich wertvolle Tipps für ihre künftige Karriere im In- und Ausland erhofften. Einige Hinweise bekamen sie gleich von Julia Arnold. Die Bereichsleiterin für internationale Märkte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag fasste erst einmal die Weltlage zusammen und gab Einblicke in die Seelenlage der deutschen Export-Wirtschaft.

Hoffnungsträger: Nigeria, Iran, Kuba

Was Amerika angeht, sei die Stimmung gut, sagte sie. Bei China sei sie eher verhalten. Über Russland decke man besser den Mantel des Schweigens. Es gebe neue Hoffnungsträger wie Nigeria, den Iran oder Kuba, und als Deutsches Unternehmen hätte man auch überall einen guten Start, sagte Julia Arnold. Man müsse es nur richtig anfangen. Das freilich sei der schwierige Teil.

Denn für einen guten Start gibt es zum Teil gravierende Hemmnisse, wie die Gäste auf dem Podium übereinstimmend berichteten. Vor allem gehören dazu die kulturellen Unterschiede, die bürokratischen Unwägbarkeiten, der große finanzielle Aufwand und die fehlende Mobilität der Mitarbeiter.

Hintergrund

Die Veranstaltungsreihe „Forum Mittelstand Landkreis Dahme-Spreewald“ wurde im Jahr 2007 ins Leben gerufen.

Organisator ist die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landkreises, die die Reihe gemeinsam mit elf weiteren Partnern veranstaltet, darunter neben der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer auch die Märkische Allgemeine.

Zielgruppe sind vor allem mittelständische Unternehmer. Die Themen, die gemeinsam mit Experten diskutiert werden, haben für sie in der Regel einen aktuellen Bezug.

Die nächste Veranstaltung findet am 19. Mai im Hotel Van der Valk in Bersteland statt. Thema wird die Breitbandversorgung des ländlichen Raumes sein. Dabei sollen aktuelle Versorgungslücken und Bedarfe ausgeleuchtet und die Strategien des Landkreises vorgestellt werden.

Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung unter info@wfg-lds.de wird gebeten

 

Edmund Ahlers etwa, Geschäftsführer der Anecom Aero Test GmbH, berichtete vom Aufstieg seiner Firma, die seit der Gründung 2002 aufs internationale Geschäft ausgerichtet war. Inzwischen beschäftige das Unternehmen etwa 40 ausländische Mitarbeiter, das sind 20 Prozent der Belegschaft. Das erleichtere den Umgang mit den Geschäftspartnern in Russland und China ungemein, sagte Ahlers. „Man braucht jemanden vor Ort, der sich auskennt, ohne den geht es nicht.“ Ahlers erzählte aber auch von unendlich vielen Fallen, in die man als Unternehmer in einer fremden Kultur tappen kann. „Zum Beispiel kann man einem Chinesen keine Uhr schenken“, so Ahlers. „Es wäre überall eine schöne Geste. In China aber sage ich dem Partner damit: Deine Zeit ist abgelaufen!“

Von derart missglückten Anbahnungsgesprächen berichtete auch Christoph Meyerrose, Chef der Lufthansa Bombardier Aviation Services GmbH, die von Schönefeld aus Chartermaschinen wartet und repariert. Er habe deshalb bewusst angefangen, Russen, Ukrainer oder Schweizer einzustellen, um sprachlich und kulturell auf Augenhöhe mit den Geschäftspartnern zu sein. Jedem Unternehmer, der expandieren wolle, müsse aber auch eines klar sein: „Ganz gleich wo, es ist unheimlich aufwendig und unheimlich teuer.“ Mitunter scheitere eine Expansion schon an der Arbeitserlaubnis. Oft lohne sie sich auch wirtschaftlich nicht, weil die Kosten für Zoll, für Gebühren oder Personal astronomisch seien. „Und die Motivation der deutschen Mitarbeiter, für einige Zeit ins Ausland zu gehen, ist gering, auch damit muss man umgehen“, sagt Meyerrose.

Bettina Wagner berät Beschäftigte aus dem Ausland

Die Seite der Mitarbeiter beleuchtete dann noch Bettina Wagner, die seit sechs Jahren in Deutschland Beschäftigte aus dem Ausland berät. Dabei gehe es auch um die unterschiedlichen Gesetze, um Urlaubsregelungen und Mindestlohnstandards, so Wagner. Aber auch um die Frage, wie ausländische Studenten, die während des Studiums nur Englisch gesprochen haben, in einer deutschen Firma einen Job bekommen sollen.

Diesen Schuh wollte sich aber der Gastgeber des Abends, der Wildauer Hochschulpräsident Lászlo Ungvári, nicht anziehen. Das Prinzip der englischsprachigen Ausbildung sei unumgänglich, sagte er. „Internationalisierung gibt es nicht umsonst.“ Man müsse hart dafür arbeiten, und das auf der ganzen Welt. Das gehe nun mal nur mit Englisch.

Von Oliver Fischer

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