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Teltow-Fläming Training an mittelalterlicher Riesen-Schleuder
Lokales Teltow-Fläming Training an mittelalterlicher Riesen-Schleuder
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15:46 19.03.2018
Detlef Baumgärtner (l.) hat die Blide nachgebaut. Hier wird sie gespannt und für den Wurf vorbereitet. Quelle: Gudrun Ott
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Thyrow

Nein, die Erde bebte nicht, als die 25 Kilo schwere Granitkugel aufschlug – und wenn doch, hätte es niemanden gewundert. Denn die Blide, ein riesige mittelalterliche Schleuder, hatte beim Abfeuern gewaltig ausgeholt. Am Sonnabendnachmittag wurde in Thyrow nicht etwa das Gemeindezentrum belagert, sondern die Berliner Rittergilde und die Zollwache Trebbin hatten zur Schauvorführung mit dem zehn Meter hohen Geschütz auf die angrenzende Wiese eingeladen.

100 Veranstaltungen pro Jahr für die Söldnertruppe

In wenigen Wochen, am 1. Juli, wird die Blide auf dem Mittelaltermarkt in Gut Zernikow umlagerter Star sein. An die 100 Veranstaltungen stemmt die Söldnertruppe pro Jahr. Monika Perl aus Thyrow und seit drei Jahren Mitglied der Zollwache Trebbin, gibt die Kommandos: „Zugmannschaft ans Seil, zieht an, Geschoss einlegen, Sicherungsstift ziehen, Schuss los!“ Die Sicherheit beim Werfen muss trainiert werden. Fünf bis acht Männer bedienen die Blide. Die Schussweite kann mit wenigen Handgriffen verändert werden. Neben Steinen schleuderten früher die Belagerer von Burgen auch Tierkadaver oder Leichen, um dort Epidemien auszulösen.

Detlef Baumgärtner mit einem Modell der Blide. Quelle: Gudrun Ott

Gebaut nach mittelalterlichem Vorbild hat Detlef Baumgärtner die Belagerungsmaschine. Er ist der Hauptmann der Bliden-Gruppe und mag das Arbeiten mit Holz. Als Kind sei er seinem Vater, einem Zimmermann, gern zur Hand gegangen, erzählt der 52-Jährige. Bevor er sich an die große Blide wagte, hatte er zunächst zwei Modelle gebaut und dabei aus den Fehlern gelernt. Es gibt eine Mini-Ausführung, die man auf einen Tisch stellen kann, und eine etwas größere für Kinder. Letztere hat er gemeinsam mit seinen eigenen Kindern gebaut und gemerkt, welches Interesse so eine Wurfmaschine bei jungen Menschen weckt.

„Auch mich hat die einfache, sehr effektive Art fasziniert“, sagt er. Eineinhalb Jahre lang hat Baumgärtner gebaut, dann war die Blide fertig und er fragte sich: „Was mache ich nun mit dem Ding?“ Er entdeckte die Berliner Rittergilde, wo man ihn und sein Bauwerk gern aufnahm. Die Gilde gibt es seit 2006 und sie hat drei Standorte: Berlin-Reinickendorf, Storkow und Trebbin/Thyrow.

Monika Perl und Marek Radloff sind Mitglieder der Zollwache Trebbin. Quelle: Gudrun Ott

Seit sieben Jahren gehört die Zollwache Trebbin zur Gilde. „Durch Trebbin verlief im Mittelalter die Handelsstraße, die Berlin, Halle und Leipzig verband. Das Burggelände in Trebbin war Zollstation. Es existieren nur noch Hügel und Kellerraum“, erzählt Marek Radloff, Hauptmann der Zollwache, „wir wüssten gern, wie das Ganze im Mittelalter ausgesehen hat und suchen jemanden, der anhand der noch vorhandenen Fundamente die Burg-Anlage rekonstruieren kann.“

Nur noch Fundamente der Burg von Trebbin übrig

Als um 1250 in der Region die Askanier die Sorben vertrieben und die Gegend nicht mehr regierbar war, bildeten sich Söldnertruppen. Eine solche Truppe stellt die Berliner Rittergilde mit ihren 80 Mitgliedern dar. „Die Tendenz ist steigend“, sagt Bogenschützin Isabell Weidner, denn: „Viele junge Leute wünschen sich ein besonderes Hobby.“

Thomas Berliner (56), im Verein einer von vier Geschäftsführern und beim Training mit der Blide „der Steineschlepper“, wie er sagt, hebt die auf der Fahne dargestellten ritterlichen Tugenden hervor. „Das ist der Stern, der mit seinen Zacken unter anderem für Bildung, Tapferkeit und Barmherzigkeit steht, da sind die zwei Schwerter, die Aufrichtigkeit und Loyalität bedeuten. Diese Tugenden erwarten wir auch von unseren Mitgliedern.“ Oben rechts zeigt die Fahne noch das Trebbiner Stadtwappen. Die Gewandung der Ritter ist blau, denn diese Farbe steht für Harmonie und Selbstdisziplin.

Von Gudrun Ott

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