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Teltow-Fläming Traumwandeln auf dem Wasser
Lokales Teltow-Fläming Traumwandeln auf dem Wasser
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00:18 03.06.2017
Leif Karpe hat dieses „Gold der Spree“ versenkt, es wird bis zum Ende der Aquamediale für reizvolle Reflexionen sorgen. Quelle: Karen Grunow
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Lübben

In sanften Wellen schwappt das Wasser ans Ufer, dort, wo es von unten zart golden schimmert. Eine blaue Libelle schwirrt vorbei. Und noch eine. Das Gold der Spree, hier ist es. Fährmann Nico Krzysch stemmt sein Rudel, die lange Stange, mit der er den Kahn bewegt und lenkt, in den schlammigen Untergrund. Und das Boot gleitet allmählich weiter, zur nächsten Attraktion, einer riesigen hölzernen Hand im seichten Uferbereich. Leicht geöffnet ist sie und birgt etwas auf der Handfläche. Noch ist es verpackt, erst am Sonnabend wird es enthüllt. Dann, wenn der erste offizielle Aquamediale-Kunstkahn zur Vernissage dieser besonderen, vom Landkreis Dahme-Spreewald veranstalteten

Nur vom Boot aus sind wirklich alle zu sehen. Deshalb wird es an jedem Freitag um 18 Uhr eine Kunstkahnfahrt für interessierte Besucher geben. Harald Larisch, der Kurator der nunmehr zwölften Aquamediale, hat sich vorgenommen, so oft wie möglich selbst dabei zu sein. Ansonsten werden die Lübbener Fährleute, die auf ihren Touren in den vergangenen Wochen beobachten konnten, wie die Kunstwerke entstanden sind, selbst einiges erzählen. Wie reizvoll diese Art des Kunst-Erkundens ist, durften einige schon mal vorab testen. Schließlich geht es um die Erfahrung des Raums, das Umschiffen, Erreichen, Abdriften, um Perspektivwechsel und das Entdecken.

Kurator Harald Larisch vor Albrecht Ferschs DNA-Installation. Quelle: Karen Grunow

Die Aquamediale, die Biennale des Spreewalds, ist in diesem Jahr wieder traumwandlerisch geworden und scheut sich dennoch nicht, mit großer Ernsthaftigkeit das im Jahr des großen Reformationsjubiläums ausgerufene Thema „Glaube Liebe Hoffnung“ passgenau auf den Spreewald zu projizieren. „Der Aufruf an die Künstler war, gesellschaftlich-historisch Stellung nehmen“, erklärt Harald Larisch.

Da ist Leif Karpes schon erwähntes „Gold der Spree“, mit dem er einerseits auf die Hatz und Gier, aber auch die verzweifelte Hoffnung der vom vermeintlichen Goldrausch angezogenen Schatzsucher des 19. Jahrhunderts anspielt und auf das Wagnerische Drama um das „Rheingold“ verweist, das demjenigen Macht verspricht, der der Liebe entsagt. Zugleich mag es als Mahnung verstanden werden, dem Naturraum Spreewald nicht noch mehr abzutrotzen, das Gold gewissermaßen am Grunde ruhen zu lassen, um den größten Schatz zu bewahren.

„Manchmal kommt es sehr groß und laut daher, manchmal leise und versteckt“, sagt Harald Larisch zunächst nur, als Nico Kzysch den Kahn zu Michael Hoedjes Installation lenkt. Was aussieht wie unberührte Natur, ist aber tatsächlich eine Intervention des Künstlers. Abgestorbene Hölzer hat er aufgeschichtet auf einem Holzstamm, an ein Tier mag das erinnern, einen Dachs vielleicht? Schon vor Beginn der Aquamediale hat sich diese Arbeit verändert, ist etwas zusammengesackt, wie auch Yvonne Roodings Installation aus großen Ringen auf der Wasseroberfläche.

„Den ersten Vandalismus hatten wir schon“, sagt dazu Michael Kuttner, der Vorsitzende des Aquamediale-Fördervereins. Er sagt es aber schmunzelnd: „Es waren Biber.“ Für die niederländische Künstlerin sind solche Ereignisse der Lauf der Dinge, sie möchte gar nicht, dass ihre zyklischen, zu einem Kreuz angeordneten Kreise immer wieder hergerichtet werden. „Das ist ihre zarte Sprache, behutsam mit der Natur umzugehen“, erläutert Harald Larisch. Symbole des Glaubens spielen immer wieder eine Rolle bei den Arbeiten der insgesamt 16 Künstler, die aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Österreich kommen.

„Glaube Liebe Hoffnung“ steht auf der hohen Säule von Lothar Seruset. Quelle: Karen Grunow

Auch bei dem gebürtigen Luckenwalder Sebastian David, der sein Werk mit der großen hölzernen Hand „Unsere Fülle – unser Vergehen“ genannt hat. Eine Metamorphose wird diese Arbeit bis zum Ende der Aquamediale am 24. September durchlaufen. Der Belgier Mark Swysen hat eine „Kapelle in stiller Verehrung der Natur“ geschaffen, die mit Spiegel, Scherben und leeren Flaschen die Lichtspiele zwischen den Blättern und auf dem Wasser sowie die Geräusche des Windes einfangen wird. Bei Susanne Roewer wird die Dornenkrone zum Basketballkorb und ist an eine Platte mit Davidstern montiert, die außen an einer Brücke angebracht worden ist. Micha Brendel, der in Steinreich im Amt Unterspreewald lebt, hat einen Schiffsmast in den Spreegrund gerammt, das Segel ist zerfetzt, ein Boot scheint gesunken, eine leere Schwimmweste treibt auf der Wasseroberfläche. „Ideallandschaft mit gescheiterter Hoffnung“ nennt er diese so tragische und doch fast malerische Installation.

„Grundvoraussetzung, dass man die Objekte wahrnimmt, ist diese Ruhe und diese Langsamkeit“, sagt Harald Larisch, während Fährmann Nico Krzysch den Kahn gemächlich vorbeigleiten lässt an all den Interventionen und Interpretationen. Etwa Georg Kramptz’ riesigem Löffel, der in die Spree getaucht ist als wolle er damit ganz plakativ die Aquamediale-Besucher darauf hinweisen, dass jeder die Suppe auslöffeln müsse, die durch das oft gewaltsame Eindringen in die Natur eingebrockt worden ist.

Zum Schluss der Bootstour tauchen noch Anja Bogotts Weiber auf, verschwinden fast im Ufergehölz, Fahnen wehen überm Wasser. Dann gleitet der Kahn schon zurück in den Hafen. Also auf zum Landgang für neuerliche Perspektivwechsel auf die Kunst dieser Aquamediale, die auch von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet wird.

www.aquamediale.de

Von Karen Grunow

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