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Teltow-Fläming "Conchita-Wurst-Sieg bringt Toleranz nicht voran"
Lokales Teltow-Fläming "Conchita-Wurst-Sieg bringt Toleranz nicht voran"
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13:40 04.07.2014
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MAZ: Haben Sie am Sonnabend vor dem Fernseher gesessen und der österreichischen Travestiekünstlerin Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest die Daumen gedrückt?
Alex Kubiak: Ach wissen Sie, ich habe so viel zu tun. Da kommt man gar nicht dazu, vor dem Fernseher zu sitzen.

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Softengine lassen Teenie-Herzen höherschlagen. Foto: Jörg Carstensen

Glauben Sie denn, dass Conchita Wurst mit ihrem Sieg auch die Toleranz gegenüber Homosexuellen ein Stück weiter gebracht hat?
Kubiak: Das Thema ist schon sehr zweischneidig. Einerseits bejubeln jetzt natürlich alle eine bärtige Diva mit Perücke und Galakleid. Aber ich glaube nicht, dass Conchita Wurst mit ihrem Auftritt die Toleranz wirklich voranbringt. Toleranz kann man meiner Meinung nur durch Erziehung regeln. Es reden jetzt natürlich viele Leute darüber. Das hängt mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Eurovision Song Contest zusammen. Es wird aber leider auch viele Menschen geben, die glauben, schwule Männer wollen in Frauenkleidern rumlaufen.

Sie treten selbst auch seit Jahren als die Kunstfigur Annemarie Finkel auf. Was reizt Sie daran?
Kubiak: Ich habe mich damals einfach für Schauspiel und Gesang interessiert. Ich glaube, ich bin für die Kultur geboren worden. Die Figur hat sich irgendwann aus einem Kabarettprogramm heraus entwickelt. Für mich gibt es gar kein Problem, diese Figur zu spielen. Es geht ja auch nicht darum, dass da ein Mann in Frauenkleidung auf der Bühne steht. Dieser Gag ist nach drei Minuten vorbei. Die Klamotten gehören zu dieser Figur, die damals entwickelt wurde. Es geht darum, der Figur einen Inhalt zu geben. So, dass man auf die schauspielerische Leistung achtet und nicht zu sehr auf das Äußere.

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Wo einst Schiffe gebaut wurden: Der Eurovision Song Contest steigt in den riesigen früheren Werfthallen B&W.

Wie ist denn Annemarie Finkel?
Kubiak: Sie ist da, sie lebt. Hat ihre Ecken und Kanten. Annemarie kann improvisieren und ist nah am Publikum dran. Kinder zum Beispiel haben da ganz viel Spaß. Annemarie ist wie eine lustige Oma für die. Wir haben uns vor 29 Jahren einen Gag daraus gemacht und gesagt: ,Bei ihr geht es nicht um Schönheit.’ Bei Travestieshows stehen ja die Herren-Damen zurechtgedonnert auf der Bühne und da ist noch im fünften Rang Wind, wenn die mit ihren langen Wimpern klappern. Bei unserer Annemarie kommt es auf Witz an. Und für ihre 61 Jahre sieht die noch ganz gut aus.

Wie lange brauchen Sie, bis aus dem Schauspieler Alex Kubiak die schrullige Frau geworden ist?
Kubiak: Schon zwei Stunden. Eine Stunde brauche ich fürs Zurechtmachen. Die andere, damit es Klick macht und ich Annemarie Finkel sein kann.

Haben Sie selbst schon Intoleranz erfahren? Als Künstler, als Mensch?
Kubiak: Erst vor Kurzem hat mir ein Zuschauer gesagt: ,Ich finde es total bescheuert, was Sie machen.’ Aber so etwas finde ich gut. Nicht jedem kann alles gefallen. Aber ich muss schon sagen, dass sich das in den letzten 15 Jahren positiv entwickelt hat. Die Leute finden ihren Spaß an der Show, fühlen sich nicht von einem Mann in Frauenkleidung angegriffen. Sie sind weniger engstirnig. Als Jugendlicher aber hatte ich in meinem Dorf Probleme aufgrund meiner Homosexualität. Das empfinde ich noch heute als etwas ganz Furchtbares. Aber ich bin stolz darauf, etwas anders zu sein als die große Masse. Und auch meine Eltern sind stolz auf mich.

Was bedeutet für Sie der Begriff Toleranz?
Kubiak: Man muss sich selbst sagen: ,Ich möchte tolerant behandelt werden, also muss ich andere auch so behandeln.’ Man lebt ja nicht allein auf dieser Welt.

Und, wird sich Annemarie Finkel nun auch einen Bart stehen lassen?
Kubiak: Wer schreibt denn einem Clown vor, welche Klamotten er tragen soll? Niemand. Herr/Frau Wurst hat das Ziel erreicht und den ESC 2014 gewonnen, als Frau mit Bart. Wie viel Marketing, Berechnung oder gute Absichten dahinter steckten, weiß ich nicht. Schwierig wird es, sollte der Bart erst einmal ab sein.

Interview: Aileen Hohnstein

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