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Teltow-Fläming Trebbin freut sich auf Nacktwanderer
Lokales Teltow-Fläming Trebbin freut sich auf Nacktwanderer
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15:05 17.06.2015
Höchstens mit Kappe, Schuhwerk oder Rucksack „bekleidet“ wanderten im vergangenen Jahr die Naturisten durch das Wildgehege. Quelle: MAZ
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Trebbin

Kohlweißlinge tanzen über den blühenden Klee, der Hafer wiegt sich im Wind und in weiter Ferne kann man die Pappeln erkennen, die dicht an dicht die Nuthe säumen. Es ist ein idyllischer Weg, auf dem Trebbins Bürgermeister Thomas Berger und Kliestows Ortsvorsteher Andreas Liefeld (beide CDU) am Montag gingen. Geht es nach den beiden, können hier in naher Zukunft Touristen die Hüllen fallen lassen. Denn am Rande von Kliestow besteht die Chance, den ersten Nacktwanderweg Brandenburgs einzurichten.

Weg soll etwa 10 Kilometer lang sein

Der Fußmarsch begann am großen Parkplatz in der Luckenwalder Straße. Von dort aus könnte die Route über einen Feldweg vom Ort weg zur Nuthe führen. Entlang des Flusses würde diese Route bis an die Grenze der Trebbiner Gemarkung Richtung Märtensmühle und wieder zurück nach Kliestow führen. „Das wären rund zehn Kilometer“, schätzt die Trebbiner Stadtverordnete von der CDU und ehemalige Ortsvorsteherin Christel Liefeld. Doch schon nach wenigen Metern Wegerkundung fiel ein erstes Problem ins Auge: Die potenzielle Nacktwanderroute führt direkt an einem Spielplatz und dem Sportgelände vorbei.

„Die Frage ist, wo wir den Startpunkt für den Nacktwanderweg setzen“, sagte Bürgermeister Thomas Berger. Schnell verständigte man sich darauf, den Standort für Garderobenschränke und somit den Beginn der textilfreien Zone mehrere hundert Meter vom Ort entfernt einzurichten. „Wir müssen einen Kompromiss zwischen den Interessen der Wanderer und den Interessen der Einwohner von Kliestow finden“, sagte Ortsvorsteher Andreas Liefeld.

Standort für Kleiderschränke muss geklärt werden

Deshalb werden letztlich auch die Kliestower darüber entscheiden, wo die Nackten künftig ihre Runden drehen sollen. Andreas Liefeld hat deshalb eine weitere Alternative in die Diskussion eingebracht. Die zweite Variante würde die Wanderer südlich von Kliestow durch den Staatsforst führen. Allerdings könnte man dort mit dem bereits bestehenden Naturlehrpfad in Konflikt geraten.

Der künftige Nacktwanderpfad könnte entlang der Nuthe führen. Der Rundweg wäre etwa zehn Kilometer lang. Quelle: Nadine Pensold

„Dort ist es so anonym“, sagte Dietrich Puppe über diesen Vorschlag. Er hat bis vor Kurzem den Kulturausschuss der Stadt Trebbin geleitet und dort viel über den Nacktwanderweg diskutiert. Er präferiert die Nuthe-Variante für den Nudisten-Pfad. „Das ist ideal hier“, sagte Puppe, der mit großen Vorteilen für die örtliche Gaststätte rechnet.

Einwohner und Behörden müssen noch über Weg abstimmen

Bis endgültig über die Streckenführung des Nacktwanderwegs entschieden ist, wird noch einige Zeit verstreichen. Zunächst sollen sich die Einwohner für eine der beiden Varianten aussprechen. Damit ist allerdings nicht mehr vor der Sommerpause zu rechnen. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: Umwelt-, Forstamt, Polizei und die Besitzer der betroffenen Grundstücke müssen ihre Zustimmung geben. „Der Knackpunkt wird die Befragung der Eigentümer sein“, sagt Beate Rantzsch von der Stadtverwaltung.

Ein Kamerateam des MDR begleitete die Trebbiner auf der Strecke. Quelle: Nadine Pensold

„Es ist nicht einfach, einen Nacktwanderweg zu etablieren“, weiß Thomas Kühne aus Erfahrung. Der Journalist beschäftigt sich derzeit für eine Dokumentation des MDR mit dem Thema Freikörperkultur und Nacktwandern. Er hat erlebt, wie langwierig die Entstehung des Nacktwanderwegs im Harz war. Am Montag begleitete er mit seinem Kamerateam die Trebbiner bei der Streckenbegehung. Die Aufnahmen sollen Teil einer Fernsehreportage werden, die im August ausgestrahlt wird. Der Journalist zeigte sich nach den Interviews überrascht. „Es scheint, als würden hier alle an einem Strang ziehen.“

Thomas Berger nutzte die Dreharbeiten des MDR, um sich erneut zu dem Projekt Nacktwanderweg zu bekennen – auch wenn nach mehr als einem Jahr Diskussion noch keine endgültige Route gefunden worden ist. „Der Weg wird nicht in Frage gestellt. Die Frage ist nur, wo und wann die Klamotten ausgezogen werden“, sagte Berger.

Von Nadine Pensold


 
 

"Wir hätten ein Alleinstellungsmerkmal"
Andreas Liefeld (CDU) ist Ortsvorsteher des Trebbiner Ortsteils Kliestow.

MAZ: Herr Liefeld, warum engagiert sich der Ort für einen Nacktwanderweg?
Andreas Liefeld: Kliestow bemüht sich seit mehreren Jahren, die Wege rund um den Ort für Wanderer zugänglich zu machen. Zuletzt haben wir einen Weg zum Kliestower See wieder hergerichtet. Nun sind wir auch daran interessiert Menschen, die einer anderen Art des Wanderns frönen, eine Wandermöglichkeit zu schaffen.

Wie wird die Dorfgemeinschaft in die Entscheidungen mit eingebunden?
Liefeld: Zunächst ist die Stadt Trebbin auf den Ortsbeirat zugekommen. Es gab auch schon eine erste Sitzung, bei der über das Thema gesprochen wurde, leider war die Resonanz der Bürger damals sehr gering. Vieles lief daher bisher über Mundpropaganda. Bei der gestrigen Veranstaltung waren um die 15 Bürger dabei und wir wollen in einer weiteren Versammlung noch einmal über das Projekt informieren. Oberste Priorität hat für uns als Ortsbeirat, die Bedenken unserer Bürger auszuräumen. Aber auch für neue Ideen sind wir offen.

Welche Vorteile hätte Kliestow von einem Nacktwanderweg?
Liefeld: Kliestow wird oftmals mit Klaistow verwechselt, das für seinen Spargelhof berühmt ist. Mit einem Nacktwanderweg hätten wir ein Alleinstellungsmerkmal. Man sollte die ganze Sache einfach nicht zu ernst nehmen und das Nacktwandern nicht als etwas Anstößiges ansehen.

Was bedeutet der Weg für den Tourismus vor Ort?
Liefeld: Trebbin hat insgesamt schon viel zu bieten – den Aussichtsturm auf dem Löwendorfer Berg, den Naturpark Nuthe-Nieplitz oder den in Neugestaltung befindlichen Bahnhof. Wir als Kliestower wollen unseren Beitrag leisten, dass Trebbin insgesamt noch interessanter für Touristen wird.

Und wann können die ersten Nacktwanderer kommen?
Liefeld: Das hängt vor allem von den Rückmeldungen der Behörden ab. Es wird wohl schwierig, das Projekt bis Ende dieses Jahres anzustoßen. Ich denke aber, dass wir 2015 mit einer Eröffnungswanderung starten können.
 
 

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