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Trinkwasser für Menschen in Not

THW-Teams aus ganz Norddeutschland trainieren in Jüterbog Trinkwasser für Menschen in Not

In dieser Woche trainieren Katastropheneinsatz-Teams des Technischen Hilfswerks zwischen Niedergörsdorf und Luckenwalde die Trinkwasseraufbereitung. Sie müssen im Notfall binnen Stunden in einem Einsatzgebiet auf der ganzen Welt sein.

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Mediaberater Christian Kohlmey, Elektriker Andreas Häcker und Wassertechniker Jürgen Ertel (v. l.) haben ein Lager zur Wasseraufbereitung am Blanken Teich in Jüterbog aufgebaut.

Quelle: Fotos: Sven Gückel (3)

Niedergörsdorf. Erdbeben, Überschwemmungen, Tsunamis – Anzahl und Ausmaß von Umweltkatastrophen nehmen weltweit zu. Während sich bei einem solchen Unglück Medien und Hilfsorganisationen zumeist noch ein Bild von der Lage machen, sind die Männer und Frauen des Technischen Hilfswerks (THW) schon vor Ort und leisten Ersthelferdienste. Ein derartiges Szenario probten in den vergangenen Tagen um Jüterbog Teams der Schnell-Einsatz-Einheit-Wasser Ausland (Seewa).

Viel Zeit bleibt den Männern und Frauen nicht. Nur sechs Stunden nach der Alarmierung müssen sich die Mitglieder eines in Bereitschaft stehenden Seewa-Teams am Flughafen einfinden, wenn sie zum Einsatz gerufen werden. Sri Lanka, Pakistan, Sudan, Libanon, China, Haiti, Philippinen oder Nepal, die Liste der Länder, in die es seit Gründung der Einheit 2004 zu reisen galt, ist lang.

Der Auftrag ist immer derselbe. „Unser Ziel ist es, die Not der betroffenen Bevölkerung schnellstmöglich zu lindern, in dem wir den Menschen sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen”, erklärt Jörg Behling, Referent Einsatz im Landesverband Hamburg. Gemeinsam mit 145 anderen Kameraden trainiert er genau deshalb seit Mittwoch in und um Jüterbog notwendige Szenarien. Während die Männer und Frauen am Rande des alten Flugplatzes in Niedergörsdorf ihre Einsatzzentrale aufgeschlagen haben, üben Seewa-Teams am Blanken Teich in Jüterbog die praktische Trinkwassergewinnung. Keine zwei Stunden seien nötig, um 10 000 Liter sauberes Wasser zu erzeugen, erläutert Team-Mitglied Christian Kuhlmey. „Das Wasser, das wir entnehmen wird mit Eisendreichlorid angereichert, um Schwebstoffe her-auszufiltern. Dem folgt ein Chlorzusatz, auf den wir hier aber verzichten”, ergänzt er. Mit der so hergestellten Trinkwassermenge, die sich auch im Einsatz den deutschen Trinkwassernormen unterziehen muss, könnten bis zu 30 000 Menschen versorgt werden.

Laborant Tobias Kohlmorgen analysiert eine Wasserprobe

Laborant Tobias Kohlmorgen analysiert eine Wasserprobe.

Quelle: Sven Gückel

Um die Teams auf alle Eventualitäten des Auslandseinsatzes vorzubereiten, durchliefen sie eine fingierte Pass- und Zollkontrolle und trafen auf „Rebellen” – in den Krisengebieten, ein übliches Szenario. Gute Englischkenntnisse, Verhandlungsgeschick und die nötige Ruhe werden von den Deutschen deshalb ebenso verlangt wie Fachkenntnis. „Im Regelfall gehören je ein Laborant, Elektriker, Rohrbauer, Mechaniker, Mediziner, Brunnenbauer und Logistiker zum Team. Bei Bedarf kann man diese Konstellation aber vor dem Abflug den Bedingungen vor Ort anpassen”, sagt Matthias Möller, THW-Mitarbeiter in Potsdam und Mitglied im Ortsverband Luckenwalde. Mit der Vielfalt an Qualifikationen will man im Einsatzfall jedes auftretende Problem selbst lösen können.

Als Ortsansässiger übernimmt Sven Eichstaedt (r) vom Ortsverband Luckenwalde die Einsatzleitung der Übung

Als Ortsansässiger übernimmt Sven Eichstaedt (r.) vom Ortsverband Luckenwalde die Einsatzleitung der Übung.

Quelle: Sven Gückel

Viermal jährlich treffen sich die ehrenamtlichen THWler zur gemeinsamen Ausbildung. Eine Einheit ist – wie jetzt in Jüterbog – als Großübung angelegt. „Wir haben hier gute Bedingungen zum Üben, viel Platz, alte Fahrzeuge, die es wie im Einsatz anzumieten gilt, und Wasser, was aufbereitet werden kann”, sagt Einsatzleiter Sven Eichstaedt vom Ortsverband Luckenwalde.

Drei Module der Seewa, aufgeteilt auf den Norden, den Süden und die Mitte Deutschlands, stehen bereit. Während sich zwei in der Wartephase befinden, absolviert Nummer drei die scharfe Bereitschaft. Brandenburg gehört dem Modul Nord an, welches unlängst erst einen Einsatz in Nepal absolvierte.

Dass man sich auf das THW verlassen kann, wissen die Mitarbeiter von Krisenstäben. Modernes Equipment, zeitgemäße Einsatzkleidung und gut geschulte Mitarbeiter bilden die Basis des Erfolgs. Zudem verstehen es die Deutschen gegenwärtig als Einzige, ihre Einsatzmaterialien so zu verpacken, dass sie relativ schnell und an jeden Platz der Welt transportiert werden können. In Uganda, das 2007 von einer großen Überschwemmung heimgesucht wurde, konnte dieses Knowhow erstmals gezeigt werden. Während andere Nationen auf schwere Technik angewiesen waren, setzten die Deutschen ihre zwölf Tonnen Material mit Booten um und gelangten so bis in entfernte Winkel des Landes.

Von Sven Gückel

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