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Trotz mehrerer Notrufe: Polizei kommt nicht

Mutmaßlicher Diebstahl in Wünsdorf Trotz mehrerer Notrufe: Polizei kommt nicht

Eines Nachts machte Martin Lieder in Wünsdorf (Teltow-Fläming) eine merkwürdige Beobachtung. Offenbar hatte er jemanden auf frischer Tat ertappt. Kurzentschlossen wählte er die 110 und informierte die Polizei über die vermeintlichen Raddiebe – zwei Mal. Die wollte auch jemand schicken, doch es kam niemand.

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Kein Polizeiwagen war für die Jagd auf Fahrraddiebe verfügbar.

Quelle: Stähle

Wünsdorf. Drei vermeintliche Fahrraddiebe beobachtete Martin Lieder kürzlich in Wünsdorf. Zwei Mal informierte er die Polizei unter der Notrufnummer 110 darüber. Passiert ist zumindest in dieser Nacht nichts. „Dabei hätte die Polizei die Chance gehabt, die Diebe auf frischer Tat zu ertappen“, ärgert sich Lieder. Bei der Polizei heißt es dazu, dass zum Tatzeitpunkt kein Einsatzwagen verfügbar gewesen sei.

Drei Männer mit fünf Fahrrädern

Das will Lieder auch Tage nach dem Vorfall nicht in den Kopf. Am 31. August waren seine Lebensgefährtin und er mit dem Auto auf dem Weg nach Hause. Gegen 22.48 Uhr machten beide auf dem Radweg an der B 96 in Höhe der Grundschule „Erich Kästner“ eine merkwürdige Beobachtung. „Da waren drei Radler unterwegs, die fünf komplette Fahrräder und zwei einzelne Räder bei sich hatten“, so Lieder. Weil ihm das komisch vorgekommen sei, habe er einen Notruf bei der Polizei abgesetzt. Anschließend behielt er die vermeintlichen Diebe im Blick. An einer Kreuzung bogen sie in Richtung der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge (EAE) ab. In der Nähe der EAE rief Martin Lieder noch einmal die Polizei an, um den aktuellen Aufenthaltsort mitzuteilen. Am Telefon habe man ihm gesagt, man schicke jemand los. Anschließend informierte er den Wachschutzdienst am Eingang der EAE über seine Beobachtungen. „Kurze Zeit später kamen die drei Männer auch an, allerdings nur noch mit drei Rädern. Die anderen beiden Räder und Reifen müssen sie irgendwo zwischen dem Bürgerhaus und der Unterkunft versteckt haben“, vermutet Lieder.

Wachschutzmitarbeiter notierte die Namen

Nachdem ein Wachschutzmitarbeiter die Namen der drei Männer notiert hatte, warteten Lieder und seine Lebensgefährtin bis 0.15 Uhr auf die Polizei. Dann hinterließen sie ihre Kontaktdaten beim Wachschutz und fuhren nach Hause, „denn irgendwann ist auch mal gut“. Lieder zufolge sei es offensichtlich gewesen, dass da irgendwas nicht gestimmt habe. „Jetzt im Nachhinein bringen die Ermittlungen sowieso nichts mehr“, kritisiert er die fehlende Polizeipräsenz in dieser Nacht.

Polizei: Gefahren für Leben und Gesundheit haben Priorität

Polizei-Pressesprecherin Anja Resmer bestätigt, dass Lieder zweimal über den Notruf den Verdacht des Fahrraddiebstahls weitergegeben habe. „Die verantwortlichen Mitarbeiter im Einsatz- und Lagezentrum haben die Hinweise notiert und umgehend versucht Funkstreifenwagen zum Einsatz zu bringen“, so Resmer. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt im Kreis fünf Streifenwagen an anderen Einsatzorten gebunden. Davon zwei in Luckenwalde und je einer in Diedersdorf, Ludwigsfelde und Dahme. „Ein weiterer Funkstreifenwagen stand nicht zur Verfügung.“ Alle fünf Einsätze hätten eine höhere Priorität gehabt, so dass der Einsatz zum Verdacht des Fahrraddiebstahls zurückgestellt werden musste. Resmer zufolge liege die höchste Priorität bei Einsätzen, „in denen Leben und Gesundheit von Menschen gefährdet sind“. Gleichwohl kümmere sich nunmehr die Polizeiinspektion Teltow-Fläming um den Sachverhalt.

Hintergrund


Die Polizei hat 2015 im Landkreis Teltow-Fläming 943 Fahrraddiebstähle einschließlich unbefugter Benutzungen registriert. Davon 51 in der Stadt Zossen (32 in Zossen und 16 in Wünsdorf).


Von den 943 Diebstählen konnten 107 aufgeklärt werden. Ermittelt wurden 75 Tatverdächtige, von denen 26 Nichtdeutsche waren. Von den 51 Diebstählen in Zossen konnten vier aufgeklärt werden. Es wurden fünf Tatverdächtige – alles Deutsche – ermittelt.


2014 wurden bei der Polizei kreisweit 992 Fahrraddiebstähle gemeldet. Davon 37 in der Stadt Zossen (24 in Zossen selbst und 11 in Wünsdorf).

Von Frank Pechhold

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