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Turbulente Spargelsaison

Dahmeland-Fläming Turbulente Spargelsaison

Spargelfreunde müssen dieser Tage stark sein, denn pünktlich zum Johannistag heißt es für gewöhnlich Abschied nehmen vom beliebten Saisongemüse. Aus Sicht der bauern war dieses Jahr eine wahre Herausforderung durch einen heißen März, kalten April und trockenen Juni. Jetzt ziehen sie ihre Erntebilanz.

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Dank verfrühter Anlagen lief die Spargelernte dieses Jahr trotz starker Temperatursprünge für die Bauern in der Region zufriedenstellend

Quelle: foto: dpa

Dahmeland-Fläming. Aufgrund des außergewöhnlich warmen März in diesem Jahr konnten sich Spargelliebhaber sogar schon vor dem üblichen Saisonstart das Edelgemüse schmecken lassen. Doch sie müssen stark sein, denn mit dem morgigen Johannistag endet traditionell die Spargelernte. Rückblickend waren die vergangenen Spargel-Monate turbulent. Die Schwankungen reichten vom heißen März über den kältesten April seit 16 Jahren bis hin zum warmen, trockenen Juni. Doch wie wirkte sich diese Wetter-Achterbahn auf die Spargelernte aus? Bauern der Region ziehen Bilanz.

„Da haben uns die Folien gerettet“

Einer von ihnen ist der Spargelgroßbauer Ernst-August Winkelmann. Er steht als Gesellschafter vielen landwirtschaftlichen Höfen im Landkreis Teltow-Fläming mit seinem über Jahrzehnte angeeigneten Wissen über den Spargelanbau zur Seite. Darunter zählen zum Beispiel die Alsai-Agrarprodukte GmbH in Ahrensdorf oder die Darkenhof Agrargesellschaft Ruhlsdorf bei Luckenwalde. Im Obst- und Gemüsehof Hennickendorf wird der Spargel für den Verkauf aufbereitet. „In diesem Jahr hatten wir einen sehr rasanten Spargelstart durch den heißen März. Schon Ende März hatten wir enorme Erntemengen. So etwas hatten wir seit der Firmengründung zur Wendezeit überhaupt noch nicht erlebt“, sagt Ernst-August Winkelmann. Die niedrigen Temperaturen in den Folgewochen bis Mitte Mai brachten keine großen Ernteerträge. Spargel braucht am Wurzelstock, also am Damm, Temperaturen von mindestens zwölf Grad, damit die Stange wachsen kann. In den letzten kühlen Aprilwochen sanken sie jedoch vor allem nachts auf deutlich unter zwölf Grad. August Winkelmann sagt: „Da haben uns die Folien gerettet. Ohne die hätten wir die letzten zwei Wochen vor dem Muttertag gar keinen Spargel anbieten können.“

Beschleunigungs-und Verzögerungsstrategien im Spargelanbau

Im Spargelanbau können verfrühte Anlagen mit einer schwarzen Folie bis hin zu extrem verfrühten Anlagen mit Zweifach- und Dreifachfolien angebaut werden. Die „normalen“ Anlagen haben eine schwarz-weiße Folie, die je nach Bedürfnis auf die schwarze Seite-für mehr Wärme und Feuchtigkeit und damit schnelleres Wachstum und schnellere Ernte oder auf die weiße Seite - für eine verzögerte Ernte, gedreht werden kann. Es gibt aber auch Anlagen ohne Folienabdeckung. „Da ist der Spargel dann gänzlich der Natur überlassen“, erläutert Roderich Ehlers vom Spargelhof Siethen. Seine Frau betreibt als Bäuerin den Spargelanbau. Knapp 50 Prozent ihrer Anlagen haben keine Folienabdeckung. Die vierte Möglichkeit, Spargel anzubauen, ist über verspätete Anlagen. Hierbei können die Bauern mit Hilfe einer weißen Folie die Ernte hinauszögern. Die verfrühten Anlagen dienen laut Ernst-August Winkelmann dem Bodenschutz, mit Hilfe derer die Felder nicht verwehen würden, weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssten und auch weniger Wasser.

Unterm Strich ein zufriedenstellendes Jahr

Zu Pfingsten ging es mit der Ernte dank der Hitzewelle bei Ernst-August Winkelmann wieder bergauf. „Unterm Strich war dieses Jahr zwar kein Spitzenjahr, aber durchaus ein zufriedenstellendes“, sagt der Bauer. Ähnlich sah es auf dem Spargelgut Diedersdorf aus. Marc Hoffmann kann nicht über grobe Beeinträchtigungen durch das Wetter klagen: „Wir hatten keine Ernteausfälle. Die Erntezeit war bei gleichem Ertrag wie in 2016 etwa eine Woche länger.“ Das gelang auch ihm dank verfrühter und verspäteter Anlagen: „25 Prozent unserer Spargelfläche sind verfrüht. Dadurch wurde die gleiche Erntemenge wie 2016 sichergestellt.“ 50 Prozent seines Spargels erntet er unter normaler schwarz-weiß-Folie und 25 Prozent verspätet mit weiße Folie.

Stechen bis Saisonende dank des kühlen Aprils

Etwas anders sah die Lage auf dem Spargelhof Siethen bei Ludwigsfelde aus, den das Ehepaar Runhild und Roderich Ehlers gemeinsam führt. Roderich Ehlers erläutert, warum die Kälte bei ihnen eher einen positiven Effekt hatte: „Wir haben nur drei Prozent verfrühte Anlagen.“ Deshalb ging die Saison bei ihnen erst im April los. „Durch den kühlen April und die insgesamt regenarme Saison ist der Spargel langsamer gewachsen, deshalb können wir ihn bis zum Saisonende stechen“, sagt Roderich Ehlers. Dadurch habe das Ehepaar auch nicht am Preisverfall im März durch die Überproduktion teilgenommen und konstant moderate Preise gehabt. Als es kälter war und der Spargel knapp, gab es einen leichten Preisanstieg.

Bilanz der Preispolitik der großen Spargelhöfe

Bei den größeren Bauernhöfen wirkte sich das Wetter nicht negativ auf die Preise aus: Beim Spargelgutf Diedersdorf waren die Kilogramm-Preise im Vergleich zum Vorjahr „in der Direktvermarktung gleich, aber im Lebensmitteleinzelhandel geringfügig niedriger“, berichtet Marc Hoffmann. Im kalten April korrigierten die großen Höfe die Preise auch nicht wieder nach oben. Die Nachfrage war bei allen befragten Spargelanbietern ebenso hoch wie im Vorjahr.

Bauern sind polnischen und rumänischen Erntehelfern sehr dankbar

Die größte Herausforderung war laut Ernst-August Winkelmann, die Arbeit zu bewältigen. Dabei bedankt er sich ausdrücklich bei den vielen Helfern: „Wir sind unseren Mitarbeitern aus Polen und Rumänien so dankbar, dass sie so flexibel bei der Ernte mitgemacht haben. Ohne sie hätten wir das nicht geschafft.“

Von Josefine Kühnel

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