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Teltow-Fläming Überfälle und Vergewaltigungen
Lokales Teltow-Fläming Überfälle und Vergewaltigungen
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00:18 13.02.2016
Walter Meyer kommt regelmäßig zur Sprechstunde ins Kreishaus nach Luckenwalde. Quelle: Margrit  Hahn
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Altes Lager

Den 8. September 2015 wird Vera T. (Name von der Redaktion geändert) wohl nie vergessen. Sie kam um 20 Uhr nach Hause und stellte ihr Fahrzeug auf dem stockdunklen Parkplatz hinter dem Wohnhaus ab. Kaum war sie ausgestiegen, warf ihr jemand von hinten eine Schlinge um den Hals und würgte sie. Die junge Frau versuchte sich zu wehren, hatte aber keine Chance gegen den kräftigeren Angreifer. Der Täter sprach kein Wort. Eiskalt zog er die Schlinge fester zu. Doch Vera T. hatte einen Retter: Ihr Hund, ein drei Jahre alter Altdeutscher Hütehund, griff den Würger an und biss ihn ins Bein. Der Täter ließ von der Frau ab und flüchtete.

Verletzungen und ein schweres Trauma

Die Gefahr war vorüber, das Trauma blieb – Walter Meyer kennt solche Fälle gut. Als Ansprechpartner vom Weißen Ring im Kreis Teltow-Fläming betreut er viele Opfer von Gewaltverbrechen, wenn es seelische Probleme oder Kämpfe mit Behörden geht. Vera T. ist froh, dass sie auf Anraten ihrer Tante nach der Tat den Weißen Ring kontaktiert hat. „Zuerst wollte ich es nicht, ich wollte nur meine Ruhe. Im Nachhinein weiß ich, dass es genau das Richtige war“, sagt sie.

Sie hatte schwerste Verletzungen im Kehlkopfbereich, im Hals und an den Stimmbändern erlitten. Trotz ärztliche, logopädische und therapeutische Maßnahmen sind die Verletzungen noch lange nicht ausgeheilt. Von den psychischen Belastungen ganz abgesehen. Jetzt braucht sie dringend eine Reha in einer Kehlkopf-Spezialeinrichtung. Davon gibt es nur drei in Deutschland. Der entsprechende Antrag wurde bei der AOK eingereicht und zur Rentenstelle nach Leipzig geschickt. Dort hat man nach Wochen festgestellt, dass Jüterbog in Brandenburg und nicht in Sachsen liegt und den Antrag dann endlich nach Brandenburg geschickt. Der zuständige Dienststellenleiter versprach auf Nachfrage durch den Weißen Ring eine schnelle Bearbeitung. Obwohl längst alle Gutachten vorliegen, sollte Vera T. nochmals weitere vorlegen.

Ringen mit Behörden um Versorgungsleistungen

Walter Meyer betreut sie seit fünf Monaten. Er weiß, wie es den Opfern geht. Der frühere Kriminalhauptkommissar arbeitet jetzt seit 22 Jahren ehrenamtlich für den Weißen Ring. Für die 3500 Kilometer die Vera T. in den vergangenen Monaten zu Therapeuten und Kliniken zurückgelegt hat, bekam sie vom Versorgungsamt bisher keinen einzigen Cent. Jetzt geht der Weiße Ring in Vorleistung, um die finanzielle Belastung für das Opfer in Grenzen zu halten.

Meyer weiß, dass es in den meisten Fällen nicht mit einer Beratung getan ist. „Die Opfer sind froh, dass sie Hilfe bekommen, dass sie mit jemanden sprechen können, der sie versteht und im Notfall auch zu ihnen nach Hause kommt“, sagt er. Hundert Anrufe aus dem TF-Kreis erreichen den Weißen Ring pro Jahr. In zwei von drei Fällen ist eine Betreuung nötig – oftmals über viele Jahre.

14-Jährige betäubt und vergewaltigt

Auch das Opfer einer Vergewaltigung in Luckenwalde bedarf seiner Unterstützung. Die 14-Jährige wurde nach einer Schulfeier mit K.-o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt und vergewaltigt. Obwohl der Täter die Tat zugegeben hatte, musste das Mädchen auf Anordnung der Richterin nach Berlin fahren, um ein Wahrheitsgutachten erstellen zu lassen.

Lkw-Fahrer zusammengeschlagen

Auch mit dem Überfall auf einen Lkw-Fahrer ist Meyer bestens vertraut. Der Mann wollte im Januar vergangenen Jahres gerade losfahren, als plötzlich ein Weihnachtsbaum vor seinem mit Zigaretten beladenen Lastwagen lag. Der Fahrer stieg aus, um ihn zur Seite zu räumen. Da wurde ihm ein Sack über den Kopf gestülpt und anschließend prügelte man auf ihn ein, bis er bewusstlos wurde. Irgendwo in Berlin wachte er später schwer verletzt auf einer Parkbank auf. Seinen Lkw fand man auch wieder – völlig ausgebrannt. Auch nach über einem Jahr ist der Mann nicht arbeitsfähig.

Vertuschte Fälle an Schulen

Walter Meyer ärgert sich auch darüber, dass Vorkommnisse an Schulen am liebsten unter den Tisch gekehrt werden. Als Beispiel nennt er die Oberschule Baruth, an der ein Schüler einem anderen mit Mord gedroht hatte. Letztendlich wurde der Vorgang aber ordnungsgemäß abgehandelt.

Mann verprügelt Ehefrau und erhängt sich

„In Altes Lager prügelte ein Ehemann mehrfach auf seine Frau ein. Bei der Schlägerei im vergangenen Jahr trug der Täter einen schweren Siegelring, mit dem er seiner Frau das linke Auge ausschlug“, berichtet Meyer. Als dem Mann bewusst wurde, was er angerichtet hatte, erhängte er sich im Keller. Die Frau ist seitdem etliche Male operiert worden. Ihr Augenlicht konnte nicht gerettet werden.

Info: Die Sprechstunde des Weißen Ringes ist an jedem letzten Donnerstag im Monat, 16 bis 18 Uhr im Kreishaus.

Von Margrit Hahn

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