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Und nun als Eva in Bayreuth

Zeuthen Und nun als Eva in Bayreuth

Die weltweit gefeierte Sopranistin Anne Schwanewilms lebt in Zeuthen und liebt die Region. Die Wagner-Festspiele in Bayreuth eröffnen am 25. Juli mit ihr in der weiblichen Hauptrolle der Eva in „Die Meistersinger von Nürnberg“.

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Demnächst steht Anne Schwanewilms wieder auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses.

Quelle: Javier Del Real

Zeuthen. Gerade haben in Bayreuth die Proben begonnen für die Neuinszenierung der Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ durch Barrie Kosky und unter der musikalischen Leitung von Philippe Jordan. Mit dabei in der weiblichen Hauptrolle: die in Zeuthen lebende Sopranistin Anne Schwanewilms, eine der weltweit gefragtesten Sängerinnen ihres Fachs. Ein paar Tage vor ihrer Abreise Richtung Festspielstadt saß sie noch entspannt in Königs Wusterhausen im Eiscafé. „Ich bin zu Hause. Das genieße ich immer“, sagte sie dabei.

Seit 2004 lebt sie in der Region. Als Anne Schwanewilms und ihr Mann damals überlegten, wo sie sich niederlassen könnten, waren auch London oder Amsterdam im Gespräch. Direkt in der Berliner City wohnen wollte sie nicht. „Ich bin kein Stadtmensch“, sagt sie. Da kam ihrem Mann Zeuthen in den Sinn. Er kannte den Ort durch Verwandte, die auf der Flucht am Ende des Zweiten Weltkriegs dort gelandet und bis kurz vor dem Mauerbau in der DDR geblieben waren. „Wir haben es nie bereut“, schwärmt sie jetzt von ihrem Garten.

Gesang als Berufung

Um den kümmert sie sich leidenschaftlich gern und fachlich versiert, denn die berühmte Sängerin hat vor ihrer musikalischen Karriere eine Gartenbau-Ausbildung absolviert. Deshalb machen einige Zeitungen aus ihr schon mal „Die singende Gärtnerin“ oder „Floristin auf Abwegen“. Dabei möchte sie selbst aus diesem biografischen Eckpfeiler gar nicht so ein großes Thema machen. Indes, als Erfahrung, auch für das eigene Selbstbewusstsein, war diese Tätigkeit über ihre Begeisterung für das Gärtnern selbst hinaus eine wichtige Schule. Frühzeitig hatte sie schon Verantwortung, war etabliert in ihrem Job. Umso faszinierender, dass sie den Absprung wagte, als der entsprechende Ratschlag kam, sich vollends auf ihre Stimme zu konzentrieren. Die Entscheidung, sagt sie heute, sei ihr aber nicht schwer gefallen: „Das eine war der Beruf, aber der Gesang war meine Berufung. Das öffnet die Seele.“

22 war sie, als ihr jemand empfahl, doch mal bei einer Gesangslehrerin vorstellig zu werden. Jahrelang hatte sie in dem von ihrem Vater aufgebauten Kirchenchor mitgesungen und eher zufällig für ihn ein Solo bei einer Hochzeit übernommen. Die Gelsenkirchener Gesangslehrerin, die sie daraufhin aufsuchte, vermittelte sie nach Köln weiter. An ihren arbeitsfreien Sonntagen fuhr sie fortan immer nach Köln, machte dort dann auch die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule. Als sie endlich nach mehreren Anläufen angenommen wurde, studierte sie im Schnelldurchlauf, wurde dann Mitglied des Opernstudios in Köln, konnte mit Gwyneth Jones arbeiten. Sie habe alles aufgesogen. 1994 wirkte sie mit in Harry Kupfers Inszenierung der Schostakowitsch-Oper „Die Nase“ und erlebte dabei Anny Schlemm. „Sobald die auf die Bühne kam, hatte man nur sie im Visier“, ist Anne Schwanewilms noch heute beeindruckt von der Bühnenpräsenz der erfahrenen Kollegin, die selbst eine kleine Rolle mit wohlgesetzten Gesten darstellerisch unvergesslich machen konnte.

Gefeiert auch für die feinfühlige Darstellung

Es hat wohl viel mit dieser steten Neugier und dem Wahrnehmen zu tun, dass Anne Schwanewilms heute nicht nur als herausragende Sängerin, sondern stets auch als feinfühlig die Psychologie ihrer Figuren hervorkitzelnde Darstellerin gefeiert wird. „Ich möchte Schauspiel singen“, sagte sie einmal über ihre Opernrollen. Sie ist jedoch auch als Lied-Interpretin auf der ganzen Welt unterwegs. Solche Liederabende, bei denen nur sie und der Pianist vor Publikum auftreten, sind für sie „emotionale Inseln“: „Schöne Momente der Konzentration, der Intimität und der Feinheit.“

Dass sie mehr Karriere gemacht habe durch Neinsagen als durch Jasagen, erzählte sie mal in einem Interview. „Das Neinsagen hat mich gerettet vor zuviel Druck, vor falschen Rollenannahmen, vor der Tatsache, dass ich nicht meinem Instinkt folgen darf“, erklärt sie dazu. Stimme und Kraft habe sie sich gut eingeteilt. Wenn sie heute Meisterkurse gebe, ermuntere sie ihre Schüler auch, in sich hineinzuhören, bei sich zu bleiben. Bei ihren Absagen ging es um solche Rollen wie die der Brünnhilde in Wagners „Ring des Nibelungen“. Bereut habe sie solche Entscheidungen nie. Statt sich weiter im Wagner-Fach zu etablieren, wurde sie eine der gefragtesten Strauss-Interpretinnen. Dabei kam der Weg nach Bayreuth früh, ab 1996 sang sie dort die Gutrune in Wagners „Götterdämmerung“. Zu jener Zeit kristallisierte sich aber für sie bereits ein stimmlicher Wechsel heraus, ihr Studium hatte sie noch als tiefer Alt begonnen.

Die Eva in den „Meistersingern“ ist nun ihr Rollen-Debüt. Vom Bayreuther Festspielhaus ist sie ganz beseelt. „Diese Akustik ist ein Traum!“ Überall auf der Bühne, erzählt sie, fühle man die Vibrationen der Musik. Sänger könnten sich selbst so hören wie in einem kleinen Liedersaal. Auf die Arbeit mit Barrie Kosky freut sie sich sehr. Schon als die beiden sich im Januar 2016 für ein erstes Gespräch trafen, hatte sie das Gefühl, dass er die besonderen Nuancen der Rolle der Eva herausarbeiten möchte. „Die Intelligenz kommt oftmals in den Inszenierungen nicht rüber“, bedauert sie. Meist ist Eva auf der Bühne das naiv-unschuldige fromme Mädchen. „Dabei hat sie viel Temperament“, findet Anne Schwanewilms. „Die wusste, wie sie zu ihrem Willen kommt“, lacht sie herzlich unverstellt. Vor allem freut sie sich auch auf Wiedersehen mit geschätzten Kollegen wie Klaus Florian Voigt, der Walther von Stoltzing singen wird, oder den Hans-Sachs-Sänger Michael Volle. Während der Proben lebt sie in Bayreuth in einer Wohnung, nicht im Hotel. Ein wenig alltäglicher, nicht wie permanent auf Reisen, soll sich die Zeit dort anfühlen können.

Zeuthen als Ruhepol

Sie braucht stille Momente, um zumindest kurz mal etwas Abstand gewinnen zu können. Denn Anne Schwanewilms steigt mit aller Energie, mit dem Kopf, den Emotionen in eine Rolle, in die jeweilige Inszenierung ein. Vor allem in der Natur kann sie bei sich sein. Als sie mal in Mailand an der Scala probte, habe ihr der permanente Trubel, der Krach in der dichten Stadt mit der Zeit immer mehr zugesetzt. Bis ihr Mann sie besuchte, raus lockte, mit ihr an den Comer See fuhr. Schlagartig, erinnert sie sich, habe sie sich besser gefühlt.

Während der eigentlichen Festspielzeit, die mit der Meistersinger-Premiere am 25. Juli beginnt, hat sie zwischen ihren Auftritten mehrmals eine Woche frei. Die will sie dann am liebsten zu Hause in Zeuthen verbringen. Im Garten, ihrem Refugium, oder im Boot auf der Dahme oder radelnd in der Umgebung. Für sie ist das die beste Art, zur Ruhe zu kommen.

Von Karen Grunow

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