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Teltow-Fläming Unfairer Wettbewerb: Apotheken bangen um ihre Existenz
Lokales Teltow-Fläming Unfairer Wettbewerb: Apotheken bangen um ihre Existenz
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16:33 27.10.2016
Die Apotheker in der Region machen sich große Sorgen um ihre Zukunft. Quelle: Jutta Abromeit
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Dahmeland-Fläming

Die Apotheker in der Region sind in Aufruhr. Etliche plagt ganz offenbar Existenzangst nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Preisbindung verschreibungspflichtiger Medikamente. Inhalt des Urteils aus der vergangenen Woche ist, dass die in Deutschland gesetzlich verankerte Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente nicht für ausländische Versandapotheken gilt  – die dürfen Rabatt auf solche Rezepte gewähren.

Laut Apotheker Marko Hill ist dieses Urteil existenzgefährdend für die Apotheken und ungerecht für die inländischen Versandhändler. Der 42-Jährige betreibt bereits in zweiter Generation die Dammtor-Apotheke in Jüterbog. Das Urteil bringe den Apotheken vor allem wirtschaftliche Probleme, sagt er. „Die Apotheken vor Ort werden durch das Urteil sehr gefährdet, denn uns kann dadurch die Kundengruppe der chronisch Kranken wegbrechen, die wir zum wirtschaftlichen Überleben brauchen“, so Hill. Rund 30 bis 40 Prozent seines Umsatzes kommen vom Geschäft mit chronisch Kranken.

Onlinehandel als Alternative

„Chronisch Kranke wissen, was sie brauchen und was sie bekommen“, sagt Hill. Deshalb sei der Onlinehandel für diese Menschen eine Alternative. Etwas Entscheidendes fehle im Internet allerdings. „Wir verkaufen ja nicht nur die Medikamente, sondern beraten die Patienten auch und erklären, wie die verschiedenen Mittel eingenommen werden müssen“, sagt Renate Jährling, Inhaberin der Jasmin-Apotheke in Senzig. Das Wohl der Patienten stehe für sie an erster Stelle. „Die meisten Apotheker verstehen sich ja zuerst als Heilberufler und dann erst als Kaufmann“, erklärt Renate Jährling. Allerdings könne man ohne Einnahmen auch niemandem mehr helfen. Und im Gegensatz zu Versandapotheken, die lediglich die bestellten Arzneimittel verschicken, übernehmen Vor-Ort-Apotheken auch Notdienste und halten einen bestimmten Vorrat, um die Bevölkerung versorgen zu können.

Apothekerin Ines Hoffmann aus Luckenwalde ärgert es auch, dass Medikamente scheinbar mit Obst und Gemüse verglichen und nicht mehr als Ware mit einem besonderem Stellenwert angesehen werden, bei dem es um die Gesundheit von Menschen geht. Patienten könnten sich schon bald auf einige Veränderungen einstellen, sagt Andreas Scholz von der Fontane-Apotheke in Bestensee. „Mit seinem Urteil zerstört der EuGH bestehende Strukturen“, so Scholz. Es sei absehbar, dass viele Apotheken dem Wettbewerb mit ausländischen Versandapotheken nicht standhalten werden. „Das merken dann auch die Patienten, wenn sie in der Nacht eine Notapotheke suchen und 80 Kilometer fahren müssen, weil es in der Umgebung keine mehr gibt“, so Scholz.

„Unfairer Wettbewerb“

Stinksauer ist auch Apotheker Andreas Wendorff in Ludwigsfelde. Sein Hauptargument gegen das Gerichtsurteil ist die Ungleichheit, die dadurch herrsche: „Deutsche Apotheken dürfen solche Rabatte nicht gewähren, das ist unfairer Wettbewerb“, so Wendorff. Wenn in Folge des Urteils die Preisbindung in Deutschland aufgehoben werden sollte, könne das nur zu Schließungen von Apotheken führen. „Wir vor Ort sind mit unseren festen Preisen in der Nähe der Patienten und praktisch immer erreichbar. Ein chronisch Kranker muss nicht überlegen, wo er seine Medikamente am günstigsten bekommt“, sagt er. Der Pharmazeut vor Ort könne individuelle Rezepturen mit geprüften Ausgangsstoffen herstellen“, so Wendorff, „und das nicht nur für Patienten, die dem Händler viel Gewinn versprechen.“ Zumal Rabatte nach dem Wirtschaftlichkeitsgesetz ohnehin an die Krankenkassen gingen. Wird das jetzt gefällte Urteil so wirksam, wie es beschlossen ist, gehen Rabatte an einzelne Kunden, nicht aber an die Gemeinschaft der Versicherten, erklärt Wendorff.

Die Preisbindung verschreibungspflichtiger Arzneimittel sei der Anker für Sicherheit bei der Patientenversorgung, sagt Wendorff. Er argumentiert: „Ich als kleiner Mittelständler trage die Verantwortung allein, die nimmt mir keiner ab, ich hafte für die Medikamentenversorgung.“ Doch ein internationaler Versandhandel werde von börsennotierten Unternehmen gesteuert. „Es wird uns Apotheken vor Ort an die Existenz gehen, wir wissen im Moment überhaupt nicht, wo das mal hingeht“, sagt Andreas Wendorff. Optimisten wie Gerd Etzold von der Adler-Apotheke Sperenberg hoffen noch auf die deutsche Politik. Der 73-Jährige sagt: „Man kann den Versand verschreibungspflichtiger Medikamente hier verbieten, das geht. Das haben andere europäische Länder längst gemacht.“ Das wäre auch deshalb sinnvoll, weil damit dem Vertrieb von Medikamenten-Fälschungen ein Riegel vorgeschoben würde, so Etzold.

Von Danilo Hafer, Jutta Abromeit, Peter Degener

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