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Unterwegs mit dem Förster

Von Holzkennzeichnung bis zur Jagd Unterwegs mit dem Förster

Der Alltag eines Försters: Kranke Bäume kennzeichnen, Jagden organisieren oder die Menge von Kahlschlagholz ausrechen – Fred Krüger, Revierleiter von Groß Köris, hat immer gut zu tun.

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Die alten Bäume werden irgendwann gefällt, junge Kiefern sollen nachwachsen: Revierförster Fred Krüger in einem Waldstück bei Löpten.

Quelle: Anne-Kathrin Fischer (3)

Groß Köris. Fred Krüger beugt sich hinunter und befühlt eine junge Kiefer. Über jede der jungen Pflanzen kann er sich freuen – sind sie doch ideal für sein Naturverjüngungskonzept. „Wir lassen die jungen Kiefern wachsen und ziehen die alten peu a peu heraus“, erklärt er. Ringsherum hat er schon jene Bäume gekennzeichnet, die gefällt werden sollen. „Der ist schief. Der schubbelt an der Krone. Der stirbt eh ab.“ So stapft er durch einen Wald bei Löpten, die Spraydose in der Hand, schnell ein Sprüher – das bedeutet, der Baum hat ausgedient.

Fred Krüger ist Leiter des Revieres von Groß Köris, einem von elf Abschnitten der Oberförsterei Hammer. Für jeden gefällten Baum soll nach Möglichkeit ein neuer wachsen. Der Wald bei Löpten umfasst gut 300 Hektar, schon 60 Hektar sind gekennzeichnet. Wer daran vorbeiläuft, wird die typischen Zeichen an den Baumstämmen erkennen. Der Aufgabe des Kennzeichnens geht Fred Krüger nahezu jeden Morgen nach, spätestens um acht Uhr ist er gemeinsam mit Hund Billy, einem zweieinhalb Jahre alten Tiroler Bracke-Rüden, unterwegs.

Doch das Aufgabengebiet des Försters umfasst noch weitaus mehr. In seiner Funktion als Wirtschaftsförster kümmert sich Fred Krüger auch um die Jagd. 20 Jäger gibt es in seinem insgesamt 2200 Hektar großen Gebiet. Für die Jäger, an die die Försterei Begehungsscheine vergibt, organisiert der 49-Jährige Jagden. Im November und Januar finden größere Treibjagden mit bis zu 70 Personen statt. Dann reisen mitunter Jäger aus Dänemark an, die vor allem Wildschweine schießen, die es in ihrem Land nicht so häufig gibt.

Fred Krüger hat wie jeder Förster zwar einen Jagdschein – das Schießen überlässt er aber lieber den eigentlichen Jägern. Wenn es soweit ist, übernimmt er das Treiben und lässt seinen Kollegen die Freude am Jagen. „Für mich ist die Motivation zur Jagd der Waldbau“, sagt er. „Die Jäger jagen um des Jagens willen.“ So fressen beispielsweise Rehe junge Bäume an und müssen daher geschossen werden. Wildschweine richten im Wald zwar weniger Schaden an, dafür bereiten sie aber den Landwirten Sorge. In dem von Fred Krüger betreuten Revier wurden schon zwei Wölfe gesichtet. „Ich begrüße den Wolf“, sagt Fred Krüger. Dieser unterstütze die Wilddezimierung. „Der Wolf gehört hier hin, aber die Frage ist, wie viel und wie stark. Irgendwann wird man eine Regelung finden müssen.“

Schon Krügers Vater war Revierförster, seit 1990 ist Krüger ebenfalls Förster in der Region. Als nächstes steuert er den Wagen zum nächsten Stopp, einem Waldstück bei Hammer, das momentan von der Firma Röhl nach Munition abgesucht wird. Denn ohne die Freigabe eines Munitionsbergungsdienstes darf kein Holzeinschlag geschehen, solange muss die Sprühdose im Auto bleiben. „Wegen der Kesselschlacht von Halbe ist dort einiges zu tun“, weiß Fred Krüger. Bei der berühmten Schlacht in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurden bei Halbe zwei deutsche Armeen eingekesselt, die dann versucht haben, durchzubrechen – noch heute liegen in den Wäldern Unmengen von Munition.

Fred Krüger schüttelt Räumstellenleiter Andreas Dallig die Hand und erkundigt sich nach dem Rechten. „Über 700 Kilo Munition hatten wir letzte Woche“, erzählt dieser. Von Gewehrmunition bis zu Handgranaten sei alles dabei gewesen. Die Restbestände im Forst können extrem gefährlich werden. Erst im Juni brannte ein Waldstück im Revier Groß Köris. Feuerwehrleute berichteten anschließend, dass es noch beim Löschen geknallt hatte, als alte Munition Feuer fing. Die Förster vermuten sogar, dass Munitionsteile den Brand überhaupt erst ausgelöst haben. Zu der mittlerweile kahlgeschlagenen, 8000 Quadratmeter großen Fläche fährt Fred Krüger als nächstes. Die Bäume wurden bei dem Brand derart geschädigt, dass sie abgestorben sind. Um das Holz nicht verkommen zu lassen, wurde es abgeholzt und kann jetzt für wenig qualitative Dinge wie zum Beispiel Paletten genutzt werden. Am Rande des Waldstücks liegen die Stämme aufgereiht. Mit einem riesigen Messstab, der wie ein überdimensionaler Zollstock aussieht, misst Fred Krüger die Höhe. Später wird er die Menge an Holz genau ausrechnen und in seinem Computer eintragen. Nur einen Vorteil hatte der Vorfall für die Oberförsterei Hammer: Für junge Bäume eignet sich der Boden nun besser. Schon jetzt, gut vier Monate später, kann man kleine Kiefern, Eichen oder Brombeeren erkennen. „Nach dem Brand ist der Boden ideal für die Naturverjüngung“, sagt Fred Krüger.

Sein Aufgabengebiet ist sehr weitläufig und hängt auch von der Saison ab: Im Frühjahr werden junge Pflanzen gepflanzt, im Winter kann man selbst bei Schnee in den Wald fahren und anhand der Spuren die Aufenthaltsorte der Waldtiere ausfindig machen. Mindestens zwei Mal im Jahr läuft er die Straßen seines Reviers ab und überprüft die Gesundheit der Bäume – Verkehrssicherungspflicht heißt diese Aufgabe. Kranke Bäume, die zum Beispiel bei Gewittern Äste verlieren könnten, werden dann gefällt. Doch die meisten Bäume, die nicht zu 100 Prozent in Ordnung sind, erkennt Fred Krüger ohnehin. Dann wird wie jeden Morgen die Sprühdose gezückt.

Von Anne-Kathrin Fischer

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