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Unterwegs mit dem Kohle-Fahrer

Ein aussterbendes Gewerbe Unterwegs mit dem Kohle-Fahrer

Es gibt sie noch, die Leute, die ihre Wohnung mit Kohlen heizen, aber es werden weniger. Solange es sie gibt und die Gesundheit mitmacht, will Volker Arndt aus Luckenwalde sie beliefern. Er ist einer der letzten Kohlehändler der Dahmeland-Fläming Region.

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Volker Arndt liefert die Kohle wie früher an seine Kunden aus.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Vor dem Hauseingang türmt sich ein schwarzer Haufen Kohle. Eine Tonne Rekord-Halbsteine-Kohle, um genau zu sein, gewonnen in der Lausitz. „Jetzt eine Tonne, im Frühjahr bestell’ ich vielleicht noch eine nach“, sagt Monika Knöfel. Gleich wird sie die Kohlen durchs Kellerfenster ins Trockene befördern, der harte Winter kann dann kommen. „So lange es Kohle gibt, werde ich mit Kohle heizen“, das steht für Monika Knöfel fest.

Monika Knöfel ist eine von mehreren hundert Privatkunden, die Volker Arndt mit Kohle beliefert. Seit 1990 betreibt er einen Brennstoffhandel in Luckenwalde. Mit einem der kleinen, 100 PS starken Kohlefahrzeuge, Multicar benannt, rattert er ab morgens um acht über die Straßen der Region – nach Jüterbog, Trebbin oder in die umliegenden Dörfer von Luckenwalde. In dem grünen Dieselfahrzeug, das er an diesem Tag bedient, spürt man jede Erhebung, jeden Stein oder jeden Ast, über den es fährt. Der Motor macht einen Höllenlärm. „Das muss so sein, keine Sorge“, sagt er.

Volker Arndt

Volker Arndt

Quelle: Margrit Hahn

Seine Kohlen lagert Arndt auf dem ehemaligen Areal des VEB Kohlehandel (in der Straße Treuenbrietzener Tor). Ein Großteil des 9000 Quadratmeter großen Grundstücks sei jedoch ungenutzt, sagt der 64 Jahre alte Luckenwalder. Nur die alte Siebanlage, die er von dem DDR-Betrieb übernommen und modernisiert hat, wird genutzt. Weiter hinten steht die ehemalige Trichteranlage, die jetzt der Witterung ausgesetzt ist, daneben fuhren einst die Bahnen voller Kohle.

Als er sich mit dem Brennstoffhandel selbstständig machte, ließ Volker Arndt auch eine Dieseltankstelle auf dem Grundstück errichten, an der Kunden – darunter die Stadt – rund um die Uhr mit ihrem Spezialschlüssel bargeldlos tanken können. „Ein kleines Nebengeschäft“, sagt Arndt.

Ohrenbetäubend laut knallen die Kohlen, die Arndts Mitarbeiter Dirk Rockel in einem Schauffellader zur Siebmaschine fährt, in den Auffangbehälter. Gut drei Zentner Kohlen passen in die Schaufel des kleinen gelben Fahrzeugs. Im ersten Schritt werden die Kohlen dann gesiebt, der rausgefilterte Ruß fließt in eine eiserne Schubkarre neben der Anlage. Sobald eine Tonne Kohle in den Endbehälter gerasselt ist, stoppt die Zufuhr automatisch: Schon vorher hat Volker Arndt die gewünschte Menge am Wägebalken, der alle zwei Jahre vom Eichamt geeicht wird – eingestellt.

Den Papierkram erledigt der Unternehmer in seinem Büro, das im Erdgeschoss des eigenen Hauses liegt, in dem er mit seiner Frau, Mitarbeiter Dirk Rockel sowie der Yorkshire-Hündin Kira lebt. Es gehörte einst seinen Eltern, dort ist er aufgewachsen. Groß wurde er auch mit Kohlen: Sein Vater war damals Chef des VEB Kohlehandel, den Jungen nahm er an den Wochenende oft mit auf große Kohlefahrt.

„Eigentlich bin ich schon früh in die Branche reingewachsen“, berichtet der Brennstoffhändler. Dennoch folgte nach dem Abitur erst einmal eine Ausbildung zum Werkzeugmacher, dann arbeitete er einige Jahre lang beim Autowerk in Ludwigsfelde. Mitte der 70er Jahre sattelte er dann um und wurde Kohlefahrer.

„Ja, zu DDR-Zeiten, da haben wir kaum alle Kunden schaffen können“, erinnert Volker Arndt sich. Damals seien in der Region auch noch gut 1000 Tonnen Kohlen ausgefahren worden. Diese Menge schafft er heute in einem Jahr. „Heizöl und Gas, das war ja damals gar nicht möglich“, sagt auch seine Frau Gaby, die ebenfalls mit im Geschäft arbeitet und selbst mit dem Tanklaster durch die Gegend fährt.

Nach der Wende habe es dann begonnen, dass die Leute ihre Heizungen umrüsten ließen. Damals haben sich Volker und Gaby Arndt auch den ersten Tankwagen angeschafft und an einer GefahrgutTransport-Schulung teilgenommen.

Doch es gibt eben immer noch Kunden, die halten an ihren Kohlen fest. „Die lieben die Kohlewärme so sehr“, sagt Gaby Arndt. „Kohle gibt eben eine andre Wärme ab als Öl.“

Biografisches

Volker Arndt betreibt seit 25 Jahren einen Brennstoffhandel in Luckenwalde. Neben Kohlen fährt er Heizöl aus, beliefert Kunden mit Kies und betreibt SB-Dieseltankstellen.

Der Lkw Mercedes, mit dem Kies ausgefahren wird, hat schon mehr als 200 000 Kilometer gefahren – davon zeugt auch eine Urkunde des Autobauers in seinem Büro in der Auguststraße 24.

Neben seiner Frau arbeiten noch zwei weitere Mitarbeiter in dem Unternehmen.

Die Kohle, die das Unternehmen ausliefert, kommt aus dem Lausitzer Raum und aus dem Ruhrgebiet.

Die Preise für Kohle schwanken saisonal, ungefähr könne man mit 110 Euro für 10 Zentner rechnen, sagt Arndt. Außerdem gibt es Mengenrabatte.

So auch eine Frau, die an diesem Morgen im Büro anruft und sagt: „Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können.“ Habe sie doch Kohlen bestellt und jetzt nicht genug Bargeld im Haus. Volker Arndt lacht. „Nun legen Sie sich noch mal hin und bringen den Rest später ins Büro.“ Man kennt die Kunden. Zu den regulären Öffnungszeiten klingelt das Telefon alle paar Minuten. Viele holen sich ein paar Briketts auch schnell selber mit dem Handwagen oder Auto ab.

Vor allem solche Leute, die ihr Leben lang mit Kohle geheizt haben, weichen davon nur ungern ab. Arndt erzählt von einer älteren Frau, die Kohle nur stückweise kauft: „Die sagt immer noch, ich will jeden Tag meine 20 Kohlen abzählen.“

Der Kohlepreis sei im Gegensatz zu Erdöl oder Heizöl ziemlich stabil und zum Heizen ist es immer noch am günstigsten – allerdings, das sagt auch Volker Arndt, sei diese Methode des Heizens mit Aufwand verbunden. Man muss den Ofen bestücken, die Asche entfernen, es staubt – solche Unannehmlichkeiten eben.

Die jahrhundertealte Heiztechnik der Kohleöfen ist ein aussterbendes Gewerbe. Vor drei Jahren hatte einer der weniger Brennstoffhändler der Region, eine Frau aus Jüterbog, den Betrieb aufgegeben. Deren Kunden hat Volker Arndt dann auch noch übernommen, trotz der dadurch noch etwas weiteren Wege.

Volker Arndt mit Kundin Monika Knöfel

Volker Arndt mit Kundin Monika Knöfel.

Quelle: Margrit Hahn

Hinzu kommt eine Verordnung, nach der alte Öfen wegen der anfallenden Schadstoffe nachgerüstet werden müssen. „Viele sagen: Dann rüste ich doch gleich ganz um“, berichtet Volker Arndt. Da fielen wieder Kunden weg. Noch aber hat er gut zu tun und auch der Kohle-Sektor seines Unternehmens bleibt für ihn als Unternehmer attraktiv. „Urlaub ist ein Fremdwort für uns, schon seit langem. Obwohl, einmal im Jahr, da machen wir unseren Jahresurlaub im November, im Erzgebirge. Von Freitag bis Sonntag.“

Irgendwann wird der Handel natürlich geschlossen. Arndts beide Töchter haben sich in anderen Bereichen spezialisiert – die eine ist Rechtsanwältin, die andere Altenpflegerin. Fest steht: Sie werden den Betrieb der Eltern nicht weiterführen. Das bedeutet aber nicht, dass Volker Arndt ans Aufhören denkt: „So lange, wie ich noch fit bin, mache ich auch noch was.“

Von Anne-Kathrin Fischer

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