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Unterwegs mit dem Zossener Pfarrer Vogler

MAZ-Serie Religion in der Region Unterwegs mit dem Zossener Pfarrer Vogler

Wie sieht eigentlich die Arbeit eines evangelischen Pfarrers aus? Für die MAZ-Serie „Religion in der Region“ haben wir den Zossener Pfarrer Sandro Vogler begleitet. Der 36-Jährige setzt auf frische Ideen im Gottesdienst und gute Jugendarbeit – und erreicht damit auch die Älteren.

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In den Sommermonaten feiert die evangelische Gemeinde in Zossen ihre Gottesdienste auch gerne unter freiem Himmel.

Quelle: Foto: Privat

Dahmeland-Fläming. 14 ist ein schwieriges Alter, da zählt die Meinung der Schulfreunde mitunter mehr als Gottes Wort. Darum will Sophie auch nicht mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung stehen, sie hat schließlich einen Ruf zu verlieren. „Bei Sophie ist vieles hängen geblieben, aber jetzt ist einfach die Luft raus“, sagt Sophies Mutter geradeheraus zu Pfarrer Sandro Vogler. „In nächster Zeit werden Sie sie wahrscheinlich nicht so oft im Gottesdienst sehen“, ergänzt sie.

Sandro Vogler ist froh über die ehrliche Rückmeldung. „Lob ist natürlich schön, aber wenn die Leute aus Höflichkeit immer nur nette Sachen sagen, kann man sich auch nicht verbessern.“ Sandro Vogler ist Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Zossen, die Jugendarbeit gehört zu seinen wichtigsten Aufgaben. Zehn Jugendliche aus seiner Gemeinde werden im Mai konfirmiert – im Alter von 14 Jahren sollen die jungen Gläubigen ihre Taufe und damit ihre Zugehörigkeit zur Kirche aus eigenem Willen bestätigen.

Über die Kinder kommen auch die Eltern wieder zur Kirche

Nach fast zwei Jahren Glaubenslehre, Bibelunterricht und Ferienlagern stattet Pfarrer Vogler jedem einzelnen Konfirmanden einen Hausbesuch ab. „Das ist noch mal eine Gelegenheit für die Jugendlichen und ihre Eltern, mir eine persönliche Rückmeldung zu geben“, sagt der 36-Jährige, der die Zossener Gemeinde seit drei Jahren betreut.

Bei diesen Gelegenheiten stellt Vogler immer wieder fest, dass auch die Eltern über ihre Kinder wieder zur Kirche finden. Zum Beispiel bei Familie Werner, die an diesem Nachmittag ebenfalls Besuch vom Pfarrer bekommt. „Den Gottesdienst zu Erntedank unter freiem Himmel fand ich toll, das lockert die ganze Sache irgendwie auf“, sagt Manuel Werner, dessen Sohn Maxim im Mai konfirmiert wird. „Ich bin ja erst durch meine Frau dazu gekommen“, sagt der 43-jährige Zossener, der zu DDR-Zeiten nichts mit der Kirche am Hut hatte.

Sandro Vogler machte zuerst eine Ausbildung zum Krankenpfleger

Melanie Werner war es auch, die ihren Sohn zur Konfirmation ermutigt hat: „Ich bin froh, dass Maxim der Konfirmandenunterricht gefallen hat“, sagt die 36-Jährige. „Als Fundament für sein weiteres Leben finde ich es ganz wichtig, dass er den Glauben und diese Gemeinschaft hat.“ Sie selbst habe in den turbulenten Jahren mit Beruf, Hausbau und kleinen Kindern wieder zum Glauben gefunden: „Ich hatte oft das Gefühl zusammenzuklappen“, sagt Melanie Werner. „Da habe ich dann wieder gemerkt, wie viel Kraft mir das gibt. Aber so nah wie jetzt war ich der Kirche noch nie.“

So ähnlich hat es auch Sandro Vogler selbst erlebt: „Meine Mutter ging früher nur zu Ostern und Weihnachten in die Kirche“, erzählt der Theologe im Auto zwischen zwei Terminen. „Aber durch meine Entscheidung, Pfarrer zu werden, hat sie sich viel intensiver mit dem Glauben beschäftigt.“ Nach dem Abitur hatte der gebürtige Thüringer erst eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht: „Dabei habe ich aber gemerkt, dass Tabletten und Heftpflaster alleine die Menschen nicht gesund machen.“ Ihm fiel auf, dass gläubige Menschen viel besser durch ihre Lebenskrisen kamen als andere. „Diejenigen, die diesen Halt nicht hatten, sind viel schneller ins Bodenlose gestürzt“, erinnert sich Vogler. „Aber als Krankenpfleger hatte ich gar nicht die Zeit, den Menschen seelisch beizustehen.“

Mit Gospelchor und Theatereinlagen Leute in die Kirche locken

Als Pfarrer gehört die Seelsorge nun zu seinen wichtigsten Aufgaben. Häufig macht Vogler Krankenbesuche oder schaut vorbei, wenn ein Mitglied seiner Gemeinde Geburtstag hat. Wenn besondere Gottesdienste wie Taufen oder Trauungen anstehen, bespricht er vorher den liturgischen Ablauf und fragt die Leute nach ihren Musikwünschen. „Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die Menschen gerade bei Ereignissen wie Geburt, Tod oder Heirat den kirchlichen Beistand einfach brauchen.“

Über Langeweile kann Vogler nicht klagen. Neben seinen seelsorgerischen Aufgaben hat der Vater von drei Kindern auch acht Gottesdienste im Monat zu halten, in Zossen selbst sowie in Wünsdorf, Saalow und Schöneiche. Um die Leute anzulocken, lockert Vogler die Messe auf, mit Gospeleinlagen, Theaterstücken oder Musik, die nicht von der Orgel kommt. Auch in seinen Predigten weicht Vogler gerne von alten Formen ab, indem er etwa kurze Episoden schildert, die sich erst im Kopf der Zuhörer miteinander verbinden sollen. Viele Zossener bedauern, dass Vogler die Gemeinde voraussichtlich Ende des Jahres verlässt (s. Infokasten). Auch Leas Mutter hat eine klare Meinung: „Ich finde das schade, Sie haben das richtig gut gemacht und frischen Wind reingebracht.“

Von Martin Küper

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