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Teltow-Fläming 2020 soll es weitergehen
Lokales Teltow-Fläming 2020 soll es weitergehen
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20:12 26.06.2018
Frühere Stipendiatinnen wie Annika von Trier (l.) und Annett Gröschner gehören zu den Akteuren des Abends. Quelle: Karen Grunow
Wiepersdorf/Berlin

Irgendwann fragt Moderator Tomas Fitzel ins Publikum, wo denn überall diesjährige oder ehemalige Wiepersdorf-Stipendiaten sitzen – viele Hände gehen hoch. Die Sorge um das Künstlerhaus, das Ende Juli für Sanierungsmaßnahmen schließen wird und dessen Zukunft noch diffus ist, führt an diesem Montagabend viele Menschen in das Literaturforum Brecht-Haus in der Berliner Chausseestraße. „Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf retten!“ haben die Stipendiaten des aktuellen Jahrgangs, die in großer Runde für den Erhalt der Künstlerresidenz aktiv geworden sind, den Abend überschrieben.

Bekenntnis vom Ministerium

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) ist gekommen und bezieht Stellung. „Es ist unser ganz ausdrücklicher Wunsch, dass Wiepersdorf weiter existiert als Künstlerhaus.“ Es werde ab 2020 nach der Sanierung des Komplexes weitergehen, sichert sie den rund 100 Besuchern zu. In den – noch nicht bestätigten – Landeshaushalt sei für das Jahr bereits eine entsprechende Summe eingestellt worden. Allerdings ruht die Hoffnung im Ministerium letztlich darauf, dass das Land nicht komplett in die Bresche springen muss, um dann den Weiterbetrieb zu sichern, sondern dass bis dahin eine handhabbare Lösung gefunden wird. Drei Varianten, so Münch, kämen in Frage: Ein Verein als Träger, eine Künstlerhaus-Stiftung oder eine gemeinnützige GmbH. „Das müssen wir gründlich abwägen“, sagte Münch.

Bei der Protest-Veranstaltung der Wiepersdorf-Stipendiaten im Brecht-Haus in Berlin ist auch Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) überraschend dabei. Quelle: Karen Grunow

Überdies müsse überlegt werden, wie das Künstlerhaus künftig in Erscheinung treten wird. „Wir wollen ein bisschen professioneller werden, was das Marketing, den Internetauftritt angeht“, sagt sie. Den Ort „ein Stück behutsamer modernisieren, behutsam öffnen“. Also soll es weiterhin, wie sie es ausdrückt, eher ein Ort der Abgeschiedenheit bleiben oder stärker in ein internationales Netzwerk solcher Künstlerresidenzen eingebunden werden. Dass der derzeitige Betrieb des Künstlerhauses bereits in diesem Jahr endet und nicht wie vertraglich mit dem bisherigen Träger, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), festgelegt, 2019, habe auch im Ministerium für Überraschung gesorgt, deutet Münch an.

Zu spät reagiert

Denn einige der im Brecht-Haus anwesenden diesjährigen Stipendiaten kritisieren, dass ihre Aufenthalte in Wiepersdorf massiv überschattet worden seien von dem drohenden Aus des Künstlerhauses. „Das hat unglaublich viel kreatives Potenzial geblockt“, sagt der Künstler Ingo Fröhlich. Viele haben viel Energie und Zeit investiert und sich für den Erhalt eingesetzt, die Protest-Veranstaltung organisiert, Öffentlichkeit mobilisiert.

Am 31. Juli wird das Haus dicht gemacht, die DSD saniert das Dach, die Kanalisation. Den Mitarbeitern des Künstlerhauses ist gekündigt worden. Doch auch wenn die Stiftung sich aus der Trägerschaft des Künstlerhauses verabschiedet: Die Immobilie bleibt in ihrem Besitz und dafür wird sie also weiterhin zuständig sein. Ausweichend wird es, als angemerkt wird, dass sich doch eigentlich seit 2016 andeutete, dass der Betrieb spätestens nach 2019 nicht von der DSD fortgeführt werde. Der Vorwurf, nicht frühzeitig genug agiert zu haben, bleibt am Ende im Raum hängen.

Bislang fehlte es an Kommunikation

Dass Münch in Begleitung ihres Kultur-Abteilungsleiters Reiner Walleser gekommen ist, freut die meisten der Besucher. Stipendiaten hatten im April einen offenen Brief an das Ministerium geschickt, auf Antwort jedoch vergebens gewartet. „Ich bedaure auch, dass wir erst jetzt sprechen“, gibt sich Münch versöhnlich. Nun unterbreitet die Ministerin ein Gesprächsangebot, will hören, was für die Literaten, Komponisten und Künstler so wertvoll ist an einem Ort wie Wiepersdorf. Sie sollen doch bitte Ideen und Wünsche sammeln.

Moderator Tomas Fitzel und Ministerin Martina Münch. Quelle: Karen Grunow

Derweil Martina Münch das sagt, laufen viele solcher Argumente, die nun auch einige aus dem Publikum direkt vorbringen, via Beamer hinter dem Podium über die Wand. Es sind Erinnerungen, Statements ehemaliger Stipendiaten, die von der Ruhe schwärmen, der Aura des einstigen Heims des romantischen Dichterpaares Bettina und Achim von Arnim, von der Möglichkeit, fern von den Zwängen des Alltags arbeiten zu können, sich auszutauschen über die Disziplinen hinweg, miteinander Neues zu entwickeln. Solche dort entstandenen und nun durch das gemeinsame Anliegen des Protestes erweiterten Netzwerke durch weitere Aktionen zu pflegen, regt Moderator Tomas Fitzel an: „Wiepersdorf im Exil“ hat er schon einen passenden Titel in petto für Aktivitäten während der Schließzeit des Hauses.

Ein Abend von Stipendiaten mit Stipendiaten

Ein wenig geht im Laufe des Abends verloren, dass der Auftakt eigentlich ein literarisch-künstlerischer war, Annika von Trier sang Lieder, die zum Teil während ihres Stipendiums 2017 in Wiepersdorf entstanden waren, die diesjährige Stipendiatin Judith Zander las eigene Gedichte und aus dem Wiepersdorf-Zyklus von Sarah Kirsch, die in den 1970er Jahren eine Art lyrisches Gespräch mit Bettina von Arnim suchte. Zander heute, Kirsch einst – das ist berührend und ein wenig auch die Gemüter erdend zugleich.

Annika von Trier, Annett Gröschner, Tomas Fitzel und Judith Zander (v.l.). Quelle: Karen Grunow

Zuvor hat Annett Gröschner vorgetragen, aus einem, wie sie sagt, fragmentarisch gebliebenen Text, der sich als wundersamer Schatz erweist. Als sie 2008 als Stipendiatin in Wiepersdorf war, starb eine der Köchinnen. Eine Stunde lang, erinnert sich Gröschner, sei damals die Glocke geläutet worden. Sie begann, das Leben jener Köchin, Frau Donath, zu rekonstruieren, zeigt, während sie nun liest, Fotos aus deren Album. Bilder aus der Küche, von früheren Belegschaften vor dem Schloss, in Trachten, in Arbeitskleidung, beim Feiern. Gröschner sprach in den folgenden zwei Jahren mit vielen Mitarbeiterinnen des Künstlerhauses, sammelte deren Erinnerungen. Es braucht eben gar nicht immer die Namen all der Großen, Bedeutenden, die in dem traditionsreichen Haus im Laufe der Jahrzehnte residieren konnten, um zu erahnen, wie speziell, wie einzigartig dieser Ort ist.

„Protestbus“ vor dem Brecht-Haus

Am Schluss, da ist Martina Münch längst weg, stehen vor dem Brecht-Haus gleich neben dem mit handbeschriebenen Bannern beklebten „Protestbus“, den Künstlerin Ulrike Seyboth direkt vor den raumhohen Fenstern des Literaturforums geparkt hat, einige der Besucher. Recht zufrieden gestimmt bei einem Glas Wein. Frühere Stipendiaten lernen dabei aktuelle kennen. Vielleicht entstehen auch daraus neue Ideen für „Wiepersdorf im Exil“. Damit das Künstlerhaus weiterhin im Gespräch und der Blick auf die Aktivitäten im Ministerium wachsam bleibt.

Von Karen Grunow

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