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Verletzter Jungschwan wird nicht verarztet

Blanker Teich in Jüterbog Verletzter Jungschwan wird nicht verarztet

Am Mittwochmorgen saß plötzlich ein junger Schwan auf einer lebhaften Kreuzung in Jüterbog. Anwohner wollten dem verletzten Jungschwan helfen, doch dürfen dies nicht. Als jagdbarer Vogel darf der Jagdpächter über eine Behandlung entscheiden. Der hat nach einer Beobachtung des Tiers aber keine Veranlassung für einen Tierarzt gesehen.

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Der verletzte Jungschwan am Blanken Teich.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. Mitten auf der Kreuzung von Dennewitzer und Schloßstraße in Jüterbog hockte am Mittwochmorgen ein junger Höckerschwan. „Die Autos mussten kreuz und quer um ihn herumfahren“, berichtet Helmut Gellert, der dort wohnt und das Geschehen beim Frühstück aus dem Fenster beobachtete. Er zog sich Schuhe an und scheuchte den offensichtlich verletzten Vogel aus dem Gefahrenbereich auf einen kleinen Parkplatz. „Der Schwan hat sogar probiert zu fliegen, ist aber am rechten Flügel verletzt und außerdem so schwach gewesen, dass er schnell wieder gelandet ist“, erzählt Gellert. Er drängte das Tier schließlich zum nahen Blanken Teich.

Die Stadtverwaltung wurde am Morgen über das verletzte Tier informiert. Mitarbeiter des Ordnungsamtes machten sich auf den Weg, suchten das Schilf rund um den Teich ab – fanden jedoch keinen Schwan. Zuständig wäre die Stadt allerdings sowieso nicht, da es sich um kein Haustier handelt.

Höckerschwäne gelten wie fast alle Entenvögel zu den jagdbaren Arten, weshalb der Jagdpächter für das Tier verantwortlich ist. „Die Untere Jagdbehörde hat den zuständigen Jagdpächter unverzüglich informiert“, teilte der Landkreis auf Anfrage mit. Der Jagdpächter war demnach bis zum frühen Nachmittag vor Ort und hat sich vom Zustand des verletzten Schwans überzeugt.

„Das Tier hielt sich im Schilf auf, zeigte jedoch natürliches Fluchtverhalten und schwimmt zurzeit auf der Mitte des Teiches. Der Jagdpächter wird die Sache im Auge behalten und sich weiter vom Zustand des Schwans überzeugen“, sagte Heike Lehmann, die Sprecherin des Kreises.

Elke Kühn wohnt direkt am Teich, sie kennt die Schwäne dort. „Seit etwa fünf Jahren nistet dort ein Pärchen. Im letzten Jahr hatten sie acht Junge und kehrten vor kurzem mit fünf Jungschwänen zurück“, erzählt Kühn. Sie hat das verletzte Tier am Mittwoch stundenlang im Auge behalten und wie viele weitere Nachbarn gefüttert. Doch der Vogel verschmähte das Brot. Schon am Vorabend war Kühn auf die Schwäne aufmerksam geworden, weil viel Hektik auf dem Teich herrschte. „Die Alten haben ihre Jungtiere verscheucht und der verletzte Schwan ist der einzige, der jetzt noch übrig geblieben ist“, sagt Kühn. Sie vermutet, dass das Jungtier sich im harten Abnabelungszwist mit den Eltern verletzt hat.

Ob der Jungschwan trotz seiner Verletzung ohne Behandlung durch einen Tierarzt überleben kann, hängt laut der Unteren Naturschutzbehörde von vielen Faktoren ab. „Die Mortalitätsrate unter den Jungvögeln bei Schwänen ist hoch“, heißt es dort. Dieser Ausleseprozess sei für Menschen schwer zu ertragen, aber Teil der Natur. Ein nicht genehmigter Transport des Schwans zur Kleintierklinik in Berlin-Düppel könnte wegen Wilderei zur Anzeige gebracht werden, heißt es bei der Jüterboger Jägerschaft.

Von Peter Degener

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