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Verschmäht und wiederentdeckt

Telefonzellen in der Region Verschmäht und wiederentdeckt

Wenn eine Telefonzelle nicht mindestens 50 Euro im Monat einspielt, will ihr Betreiber – die Deutsche Telekom – sie abbauen. Einige Kommunen wehren sich gegen diese Pläne, dennoch: Im Landkreis Teltow-Fläming gibt es nur noch mindestens zehn Telefonzellen, allein acht davon in Luckenwalde. Dafür werden die Häuschen als Tausch-Bibliothek immer beliebter.

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Telefonzellen-Tetris: Im Michendorfer Lager landen die ausrangierten Telefonzellen und stehen für Interessenten zum Verkauf bereit.

Quelle: Hannemann

Teltow-Fläming. Waren gelbe Telefonhäuschen vor etwa zehn Jahren noch aus keinem Stadtbild wegzudenken, werden künftige Generationen sie wohl nur noch aus dem Museum kennen. Schon heute sieht man, wenn überhaupt, nur noch ihre grau-magenta-farbenen Nachfolger – entweder als Häuschen oder als Säule. Im Handy- und Smartphone-Zeitalter scheinen Telefonzellen ohnehin komplett überflüssig zu sein. Schon jetzt gibt es in der Region, wie in ganz Deutschland, immer weniger der öffentlichen Telefone.

Mindestens zehn öffentliche Fernsprecher sind im Landkreis Teltow-Fläming nach Aussagen der Städte und Gemeinden noch vorhanden, allein acht davon in Luckenwalde. Ihr Betreiber, die Deutsche Telekom, konnte auf MAZ-Anfrage keine regionalen Daten nennen. Laut Telekom-Sprecher Georg von Wagner gibt es bundesweit noch 30 000 öffentliche Fernsprecher, vor zehn Jahren waren es noch 110 000.

Dass die verbliebenen Telefonzellen in den kommenden Jahren ebenfalls verschwinden, ist keine Frage. Denn die Telekom baut die Standorte ab, die sich wirtschaftlich nicht mehr für sie rentieren. Der monatliche Mindestumsatz liegt bei 50 Euro. „Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Siegeszug des Handys abgenommen“, sagt von Wagner. Statistisch gesehen habe jeder Deutsche mindestens ein Handy, somit ergebe sich keine Notwendigkeit mehr für eine flächendeckende, öffentliche Versorgung. Lediglich an Bahnhöfen oder Flughäfen würden Telefonsäulen regelmäßig genutzt.

Die Instandhaltung einer Telefonzelle kostet Geld: Strom, Miete, Wartung und Reparaturen von Vandalismus muss die Telekom bezahlen. Deshalb spricht sie laut von Wagner bei geringem Umsatz mit den Kommunen über einen Abbau. Nicht immer läuft das ohne Widerstand der betroffenen Städte und Gemeinden.

So hat sich die Stadt Luckenwalde immer wieder für den Erhalt ihrer öffentlichen Telefonapparate eingesetzt. Laut Stadtsprecherin Sonja Dirauf hat sich die Stadt dabei auf das Telekommunikationsgesetz berufen, das eine Grundversorgung der Öffentlichkeit mit Telefonstationen vorsieht. „Wenn die Telefonzellen abgebaut werden, wären Notrufe in Luckenwalde nicht mehr flächendeckend möglich“, sagt Sonja Dirauf. So baute die Stadt in den vergangenen Jahren lediglich zwei Telefonzellen statt zehn ab.

Auch die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow setzte sich jüngst für den Erhalt ihrer letzten, noch verbliebenen Telefonzelle ein. Weil diese in Bahnhofsnähe aufgestellt ist und somit häufiger genutzt wird, konnte die Gemeinde sich für ihren Erhalt aussprechen. Andere Kommunen empfinden einen Abbau ihrer Telefonzellen als weniger dramatisch. So zum Beispiel Peter Ilk (LOB), Bürgermeister der Stadt Baruth: „Telefonzellen benutzt doch sowieso keiner mehr, also können sie auch weg.“

Die ausrangierten Telefonzellen werden in ein Lager in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) gebracht. Dort können Interessenten sie für etwa 300 bis 400 Euro kaufen. Das machen laut Telekom-Sprecher von Wagner vor allem Nostalgiker und lokale Initiativen, die sie als Bibliothekshäuschen nutzen.

Eine Gruppe aus Blankenfelde-Mahlow hat laut Sprecher Wolfgang Huth ebenfalls den Plan, eine „Bücherzelle“ in der Gemeinde aufzustellen. Die Gemeinde unterstütze die Initiative. Zudem habe sie bereits Zusagen für Fördergelder erhalten.

Ebensolche Bücherzellen stehen seit vergangenem Jahr in der Region auf den Recyclinghöfen des Südbrandenburgischen Abfallzweckverbands (SBAZV) in Luckenwalde und Ludwigsfelde. Wie SBAZV-Sprecherin Jacqueline Voigtländer mitteilte, komme das sehr gut an. „Die Leute schmeißen ihre alten Bücher ja sowieso hier weg“, sagt sie. „So haben andere noch etwas davon.“

Von Anja Meyer

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