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Teltow-Fläming Verwirklichte Motorroller-Träume mit neuen Fotos
Lokales Teltow-Fläming Verwirklichte Motorroller-Träume mit neuen Fotos
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15:35 24.07.2016
Museumsleiterin Ines Krause und Roller-„Guru“ Manfred Blumenthal am handgefertigten Einzelstück, dem Motorroller „Sibylle“, sowie mit gefundenen Roller-Fotos. Quelle: Jutta Abromeit
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Ludwigsfelde

Kaum zu glauben: Noch immer gibt es in der Auto- und Motor-verrückten Stadt Ludwigsfelde neue Bilder und neue Geschichten zu alten Lkws und alten Motorrollern. Einer, der schon vieles „ausgebuddelt“ oder entdeckt hat und immer noch sucht, ist der ehemalige Motorroller-Rennfahrer und heutige Roller-„Guru“ Manfred Blumenthal. Tatsächlich findet er immer wieder Fotos von Motorrollern, die er bisher nicht kannte. Dabei gehören schon mehr als 40 000 Roller-Bilder zu seinem akribisch sortierten Archiv.

„Solche Darstellungen sind im Internet auf Modeseiten oder in Inseraten von Tapetenläden versteckt. Oder sie sind einfach in irgendwelchen Sammlungen falsch abgelegt“, erzählt Blumenthal. Und er fügt hinzu: „Aber wenn man einen Roller irgendwo sieht, dann hat man das Bild ja noch lange nicht in der Qualität, dass es auch ordentlich präsentiert werden kann.“

Noch viele Entdeckungen

Also begibt er sich nach der optischen Entdeckung auf Quellen-Suche. Und die endete jetzt für ein paar Dutzend Roller-Bilder beim Bundesarchiv in Koblenz und bei der Deutschen Kinemathek in Dresden. Beide Einrichtungen halfen dem Enthusiasten gern. Doch auch mit CDs voller elektronischer Bilder, die das Stadtmuseum erhielt, war es nicht getan . „Wir mussten sie in geeigneter Qualität und Größe, aber eben noch bezahlbar anfertigen lassen“, erklärt Stadtarchiv- und Museumsleiterin Ines Krause. Auch diese Hürde meisterten die beiden.

Deshalb können sie jetzt im Vorfeld des diesjährigen 16. IWL-Rollertreffens im August mit bisher in Ludwigsfelde noch nicht gezeigten Schätzen eine Sonderschau präsentieren. Die soll ab nächstem Wochenende im Stadt- und Technik-Museum Ludwigsfelde zu sehen sein. Sie bekam den Titel „Der Motorroller in der DDR von 1950 bis 1964 – wie Träume Wirklichkeit wurden“. Um welche Träume es dabei geht, erklärt Manfred Blumenthal: „1952/53 gab es in der DDR noch keine Motorroller, aber es geisterten immer wieder Geschichten davon durch die Printmedien. Einfach deshalb, weil sich die Leute das wünschten  – mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sein, in den Urlaub fahren...“

Viele Geschichten

Genährt wurden solche Geschichten von Einzelstücken, die es auf DDR-Gebiet gab und die von vielen gesehen wurden, wenn sie durch die Lande fuhren. Zum Beispiel das schwarze Zweirad „Sibylle“ von Kfz-Mechaniker August Falz in Döbeln oder die „Hexe“ von Max Freihoff, dem Metallbau-Chef der allersten PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) in der DDR. „Doch die Politik sagte ,nitschewo’“, erklärt Blumenthal. Das habe sich erst mit den Ereignissen vom 17.Juni 1953 schlagartig geändert. Da bekam das Industriewerk Ludwigsfelde den Auftrag, Motorroller zu fertigen.

„Aber sowas geht eben nicht in ein paar Wochen, wie sich das Politiker immer vorstellen“, sagt Blumenthal lachend. Und erzählt: „Die haben uns den Roller von August Falz gezeigt und meinten, wir sollten ihn einfach nachbauen.“ Doch der Döbelner hatte keine Zeichnungen, nach denen man weitere Fahrzeuge fertigen konnte. „Der hat einfach immer ein Stück Rohr oder Blech genommen und probiert, bis es passte. Das geht bei Einzelstücken. Aber so kann man keine industriellen Serien fertigen“, sagt Blumenthal. Wer das Einzelstück „Sibylle“ sehen möchte – es steht im Stadtmuseum. Der Sohn von August Falz hatte es nach einem Besuch in Ludwigsfelde als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Spannender Themenabend

Außerdem bereiten Blumenthal und Krause zur Ausstellungseröffnung einen großen Motorroller-Themenabend vor. Anlass sind 60 Jahre „Wiesel“-Produktion. Da erzählen sich frühere Industrie- und spätere Autowerker (IWL beziehungsweise AWL) dann auch wieder Geschichten von Versuchs- und Produktionsetappen, bis die in Ludwigsfelde hergestellten Roller „Pitty“, „Wiesel“, „Berlin“ und „Troll“ praxistauglich waren. Nicht zu vergessen der Campinganhänger „Campy“, konzipiert für den Roller „Troll“. Zu den alle zwei Jahre stattfindenden Rollertreffen in Ludwigsfelde kommen auch komplette Gespanne in den Originalfarben, den typischen Kombinationen korallrot/creme und himmelblau/creme.

Info: Die Eröffnung der Sonderausstellung „Der Motorroller in der DDR von 1950 bis 1964  – wie Träume Wirklichkeit wurden“ ist am Freitagabend, 29.Juli, im Stadt- und Technik-Museum am Ludwigsfelder Bahnhof. Dazu beginnt um 18 Uhr ein großer Themenabend rund um die Rollerproduktion in Ludwigsfelde und das Jubiläum „60 Jahre Wiesel“. Das 16. IWL-Rollertreffen zieht am 20. und 21. August wieder hunderte Motorroller-Fans in die Stadt.

Von Jutta Abromeit

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