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Viele Fragen und Ängste in Wünsdorf

Nur rund 400 Gäste kommen zum Infoabend im Zossener Ortsteil Viele Fragen und Ängste in Wünsdorf

Noch bevor im Zossener Ortsteil Wünsdorf die Erstaufnahmestelle für Asylbewerber errichtet ist, sorgt sie unter Anwohner für Zündstoff. Trotz erbitterter Debatte: Von 1200 eingeladenen Anwohnern kamen nur 400 zu einer Info-Veranstaltung am Donnerstag. Viele sind wenig begeistert von den neuen Nachbarn. Sie erlebten aber einen Innenminister, der Vorbehalte kühl konterte.

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DIe Paul-Schumann-Halle war mit den 400 Teilnehmern nur zu etwa drei Vierteln gefüllt.
 

Quelle: foto: Oliver Fischer

Wünsdorf. Das Innenministerium war auf einiges vorbereitet, es waren verstärkt Polizeikräfte nach Wünsdorf beordert worden, man hatte einen Massenandrang befürchtet, womöglich sogar NPD-Aufmärsche. Selbst RTL und n-tv hatten Kamerateams angemeldet. Am Ende verlief die Anwohnerversammlung Donnerstagabend zum geplanten Erstaufnahmelager in Wünsdorf-Waldstadt aber ausnehmend entspannt.

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Von den rund 1200 eingeladenen Anwohnern fanden kaum 400 den Weg in die Paul-Schumann-Halle, obwohl auch alle Interessierten ohne Einladung eingelassen wurden, blieb rund ein Viertel der Plätze leer.

Wünsdorf bekommt 100 neue Arbeitsplätze

Denen, die gekommen waren, stellte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) zu Beginn die bereits bekannten Pläne noch einmal ausführlich vor: Ab Beginn kommenden Jahres sollen 500 Asylbewerber und Flüchtlinge im bisherigen Verwaltungszentrum B untergebracht und erstversorgt werden. Bis 2017 soll der Komplex dann so ausgebaut werden, dass er 1200 Flüchtlinge fassen kann. Die Menschen aus aller Welt werden in Wünsdorf zwischen sechs Wochen und drei Monaten bleiben, sie werden im Haus beschäftigt, bekommen Deutschkurse, die Kinder werden ebenfalls in der Einrichtung betreut. Nach spätestens drei Monaten werden sie auf die Landkreise verteilt oder aber ihnen wird mitgeteilt, dass sie nicht in Deutschland bleiben können. Die Waldstadt biete für solch eine Einrichtung sehr gute Voraussetzungen, man könne die bisherigen Verwaltungsgebäude leicht umbauen, dort auch Spielplätze und Sportgelegenheiten schaffen, so Schröter. Etwa 100 Arbeitsplätze werden geschaffen. Der Innenminister lud die Einwohner noch zu einem Tag der offenen Tür ein, dann waren die Anwohner mit ihren Fragen dran.

Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber äußerte sich nach der Veranstaltung zufrieden. Sie sei stolz auf die Anwohner und deren konstruktive Diskussion, sagte sie im Interview mit MAZonline.

Fragen nach Ausgangssperre und Sicherheit

Die Waldstädter zeigten sich angesichts der Aussicht auf so viele neue Nachbarn wenig erbaut. Sie stellten viele Fragen nach der Sicherheit. Ob es ein Konzept gebe, ob die Polizeipräsenz erhöht werde, ob für die Flüchtlinge eine Art Ausgangssperre gelte, ob eventuelle Übergriffe gegen Frauen auch strafrechtlich verfolgt werden. „Ich kann Ihre Sorgen verstehen“, antworte Schröter oft. Genauso oft betonte er, dass die Ängste unbegründet seien. „Es kommen ja keine Verbrecher und keine Sittenstrolche und wir bauen auch keinen Strafvollzug“, so Schröter. „Man muss vor diesen Menschen keine Angst haben.“ Ein Sicherheitskonzept werde vom künftigen Betreiber erarbeitet. Etwa zehn Wachschutzleute werden für Sicherheit im Innern des Heims sorgen, die Polizeipräsenz werde auch verstärkt. Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) versicherte außerdem, dass die ausgefallenen Straßenlaternen, die mehrfach von Anwohnern angesprochen wurden, noch in diesem Jahr repariert werden.

Auch die anderen Sprecher auf dem Podium bemühten sich, die Ängste der Wünsdorfer zu zerstreuen. „Man kann natürlich nicht davon ausgehen, dass die Asylbewerber alle Engel sind“, sagte etwa der Chef der Zentralen Ausländerbehörde, Frank Nürnberger. In Eisenhüttenstadt, wo derzeit mehr als 1000 Flüchtlinge im Erstaufnahmelager untergebracht sind, komme es gelegentlich zu Diebstählen. „Die Asylbewerber sind aber auch nicht straffälliger als Deutsche, die Lage in Eisenhüttenstadt ist ruhig“, so Nürnberger.

Neben Kritikern, die vor allem die geplante Größe der Erstaufnahme beklagten, meldeten sich auch einige Wünsdorfer zur Wort, die sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagieren wollten. Ihnen empfahl die Bürgermeisterin, sich im Rathaus zu melden. Dort werde dann alles weitere mit dem Betreiber abgestimmt.

Von Oliver Fischer

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