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„Viele Kinder kokeln“

MAZ-Interview mit dem Kriminalisten Ulrich Franke „Viele Kinder kokeln“

Ulrich Franke ist bei der Kripo Luckenwalde und zuständig für Brandermittlungen. Er sieht im gehäuften Auftreten von Feuern in Altes Lager keine Serie.

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Anfang Januar brannte ein leeres Haus in Altes Lager. Ein paar Kinder haben gezündelt.

Quelle: Kathrin Burghardt

Altes Lager. Haben Sie als Kindgekokelt?
Ulrich Franke: Na klar, habe ich auch mal gekokelt. Wer hat das nicht?! Neugierig sind doch alle Kinder einmal. Ich hatte jedoch, anders als die meisten Kinder heute, einen ganz anderen Zugang zu Feuer. Ich half von klein auf an beim Anfeuern unseres Ofens mit.

Also Kokeln unter Aufsicht.
Franke: Ganz genau. Das würde ich auch heute allen Eltern immer raten, die bei ihren Kindern solche Neugier bezüglich Feuer entdecken. Kinder sollten kindgerecht den Umgang mit Feuer lernen und dabei stets gesagt bekommen, dass sie es nur im Beisein der Eltern dürfen. Sie es selbst ausprobieren lassen, kokeln unter Aufsicht also, kann helfen, ihre Neugier zu beruhigen.

Wie geht das am besten?
Franke: Zum Beispiel bei einem Lagerfeuer im Garten. Wenn sich das Feuer im Gras ausbreitet, kann man erklären, wie ein kleiner Brandschutzstreifen das verhindert hätte. Auch bei einem Osterfeuer kann man beobachten, wie schnell es sich nach dem Entzünden ausbreitet und wie wichtig die Aufsicht von Erwachsenen ist.

Kriminalpolizist Ulrich Franke.

Quelle: Kathrin Burghardt

Hatten die Kinder, die in Altes Lager kürzlich ein Haus in Brand steckten, diese Erfahrungen?
Franke: Diese beiden gaben Abenteuerlust als Grund an. Sie haben ihre Tat sehr bereut und saßen mit Tränen in den Augen vor mir. Das ist meistens so. Kokelnde Kinder kommen in den besten Familien vor, das hat nichts mit einem bestimmten Klientel zu tun. Sie wissen, dass sie nicht kokeln dürfen, aber die Neugier war größer und das leer stehende Haus verlockend. Wie gesagt: Viele Kinder kokeln. Die meisten treten ein kleines Feuer schnell wieder aus und es bleibt unentdeckt. In dem Fall in Altes Lager hatten die Kinder keine Ahnung von den Folgen ihrer Tat. Sie waren erschrocken, wie schnell sich die Flammen entwickelten. Ebenso waren sie geschockt, wie viele Feuerwehren ihretwegen anrücken mussten.

Wie gehen Eltern am besten mit kleinen Brandstiftern um?
Franke: In einigen Fällen der letzten Brände in Altes Lager, die oft von Kindern verursacht wurden, wurde vereinbart, dass die Kinder bei der örtlichen Feuerwehr mithelfen. Das finde ich eine sehr gute Maßnahme. Ich würde mir ohnehin wünschen, dass sich viel mehr Kinder und Jugendliche in den Feuerwehren Beschäftigung suchen. Wir brauchen den Nachwuchs. Für jede Altersgruppe leisten Wehren hervorragende Kinder- und Jugendarbeit. Und ein ausfüllendes Hobby ist zudem die beste Prävention.

Besteht ein Zusammenhang zwischen leeren Immobilien und dem Auftreten von Kokel-Fällen?
Franke: Das zeigt die Erfahrung bei den Bränden in Altes Lager oder auch in Rangsdorf oder Wünsdorf, wo sehr viele Häuser leer stehen. Das ist kein Phänomen, das nur an einem Ort auftritt. Es ist daher enorm wichtig, dass Eigentümer ihre Objekte verriegeln. Wir appellieren stets, wenn jemand ein zugängliches leer stehendes Objekt bemerkt, dies dem zuständigen Ordnungsamt zu melden.

Einen Zusammenhang der vielen Brände in Altes Lager können sie aber ausschließen?
Franke: Ja, hier brannte es immer aus verschiedenen Gründen. Zumeist waren es Kinder und Jugendliche, die alle kaum wussten, was sie da anstellten, aber kein Kind zündelte zweimal. Von den jüngsten Hausbränden konnten wir bereits 80 Prozent aufklären.

Welches Feuer ist noch ungeklärt?
Franke: Am 18. Februar 2013 brannte im Heideweg in Altes Lager ein Pkw unter einem Carport. Da haben wir noch immer keinen Tatverdächtigen ermittelt. Wir wären dankbar für jeden Hinweis von Bürgern zu diesem Fall. Der Geschädigte hat dafür auch eine Belohnung ausgesetzt.

Interview: Kathrin Burghardt

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