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Vier von zehn Stellen noch unbesetzt

Start des Ausbildungsjahres Vier von zehn Stellen noch unbesetzt

Das Ausbildungsjahr hat begonnen und die Zahl der Bewerber hat sich in der Region Dahmeland-Fläming stabilisiert. Darüber zeigt man sich bei den Kammern erfreut. Es ist aber eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau – und einige Branchen bekommen langsam ernsthafte Probleme.

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Auch in der Metallbau-Branche der Region werden Azubis dringend gebraucht.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Wenn alles fürchterlich ist, dann freut man sich auch schon mal über eine mittelmäßige Nachricht. Regina Altmann kennt das. Als Fachbereichsleiterin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus für Aus- und Weiterbildung ist sie zuständig für die Azubis, und in den vergangenen Jahren ging es auf diesem Feld relativ konsequent bergab.

Die Zahlen der Schulabgänger fielen in den Keller. Wer auch nur irgendwie durchs Abi kam, schrieb sich an der Uni ein. Die gute alte Lehre, die zur Arbeit in den meisten IHK-Betrieben dazugehört, war nicht mehr angesagt, über Jahre nahm die Zahl der Bewerber konsequent ab. Inzwischen scheint dieser Trend wenigstens gestoppt. Als am Donnerstag das neue Ausbildungsjahr eingeläutet wurde, meldete die IHK für den Cottbuser Kammerbezirk 1308 betriebliche Ausbildungsverträge, das sind drei mehr als im Vorjahr. „Uns freut natürlich, dass die Zahl nicht weiter gesunken ist“, sagt Regina Altmann.

So oder ähnlich fällt das Fazit aller Akteure der Region zum Ausbildungsstart aus: Bewerber und Auszubildende gibt es etwa so viele wie im Vorjahr – aber es ist eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, was man deutlich an der Zahl der noch unbesetzten Stellen ablesen kann. Die Arbeitsagentur meldet für Teltow-Fläming noch 477 offene Ausbildungsstellen. In Dahme-Spreewald sind es 327. Heißt: Von zehn Stellen sind vier noch unbesetzt.

53 Köche gesucht, nur 23 gefunden

Allein 300 Stellen sind im Zuständigkeitsbereich der IHK-Cottbus immer noch offen, darunter viele im Hotel- und Gaststättengewerbe, das seit einigen Jahren regelrecht ausblutet: Die Zahl der Azubis hat sich zwischen 2010 und 2015 halbiert. Und auch im vergangenen Jahr ist sie noch einmal gesunken. 29 Ausbildungsstellen zum Koch hätten die Gastronomiebetriebe allein in Dahme-Spreewald zu vergeben. Wer einen Hang zur Gastronomie hat, könnte sich auch noch für eine von vielen offenen Stellen als Restaurant- und Hotelfachkraft bewerben. Es finden sich aber kaum noch Interessenten für diese Branche. Gleiches gilt für Unternehmen, die Kaufleute im Einzelhandel oder Verkäufer suchen, sagt Regina Altmann. Auch Berufskraftfahrer-Azubis seien kaum zu bekommen.

Ausbildung im Maschinenbau

Ausbildung im Maschinenbau.

Quelle: dpa

Und richtig schwierig wird es dann, wenn die Betriebe im ländlichen Raum angesiedelt sind. „Städte oder Ballungszentren wie Königs Wusterhausen oder Wildau ziehen noch eher Jugendliche an“, sagt Regina Altmann. Dort ist das Angebot an Schulabgängern größer, Azubis lassen sich auch leichter bewegen, ihren Wohnort dorthin zu verlegen. „Aber im ländlichen Raum fehlt die Sogwirkung.“

900 Bewerber, 900 freie Stellen.

Ein Blick in die Statistik der Arbeitsagentur für Dahme-Spreewald verdeutlicht das Problem. Die Agentur verzeichnete rund 900 Bewerber und genauso viele freie Stellen. Das klingt perfekt, ist es aber nicht.

Von den 900 Bewerbern haben am Donnerstag nur 383 eine Lehre in einem Betrieb begonnen. Rund 200 haben sich doch lieber für Studium oder ein weiteres Jahr Schule entschieden. Mehr als 300 sind ohne weitere Angaben aus der Statistik verschwunden. Daher die vielen unbesetzten Stellen. Es bleibt der Eindruck, dass diejenigen, die eine Alternative zur Ausbildung in Brandenburg finden, sich absetzen.

Das Handwerk leidet besonders

Neben der Gastronomie und dem Einzelhandel leidet unter dieser Entwicklung besonders das Handwerk. Derzeit gehen der Region die jungen Klempner aus. Allein 25 Azubis fehlen im Landkreis Dahme-Spreewald bei den SHK-Betrieben, das steht für Sanitär, Heizung, Kühltechnik. Und auch bei Maurern, Malern oder Fliesenlegern sieht es mau aus.

Von 210 Ausbildungsstellen, die die Handwerksbetriebe aus Teltow-Fläming zu vergeben haben, sind noch 90 offen. Das sind mehr als 40 Prozent. Wer bei der Handwerkskammer Potsdam fragt, in welchen Gewerken es Probleme gibt, bekommt zur Antwort: in allen.

Ein Patentrezept scheint es nicht zu geben

Dass es so ohne Nachwuchs für ganze Branchen eng werden könnte, hat man freilich längst erkannt. Nur scheint es kein Patentrezept zu geben. Eine bundesweite Imagekampagne des Handwerks zeige zwar erste Erfolge, heißt es. Es gebe darüber hinaus Aktionen mit Fachverbänden, die Betriebe zeigen sich überdies auf Ausbildungsmessen. Aber das allein reicht nicht.

Ines Weitermann, Sprecherin der Handwerkskammer Potsdam, räumt ein, dass die Lehrstellen noch besser angepriesen werden müssen. „Da ist noch Luft nach oben. Gerade die kleinen Unternehmen ohne Personalabteilung müssen noch mehr Unterstützung bekommen.“ Bei der Handwerkskammer würde man es gerne sehen, wenn jeder Schüler Praxistage in Ausbildungszentren absolviert und so Einblicke in die Arbeit eines Tischlers, eines Maurers oder eines Dachdeckers bekommt. Leider sei das noch nicht für jeden Schüler abgesichert, so Ines Weitermann.

Die Agentur für Arbeit kümmert sich derweil mit großem Aufwand um solche Schulabgänger, die wegen ihrer extrem schlechten Noten oder wegen sozialer Schwächen eigentlich keine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten – oder die an ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Deren Zahl nimmt zu. Während etwa die Arbeitsagentur in Teltow-Fläming vor zwei Jahren noch 270 unversorgte Bewerber zählte, sind es in diesem Jahr schon 360 – obwohl überall noch Stellen frei sind. „Die Schere geht auseinander“, sagt Anja Wierik von der Arbeitsagentur Cottbus.

Programme für schwer Vermittelbare

Die Agentur hat deshalb selbst für diejenigen Programme entwickelt, die kaum noch vermittelbar sind und übernimmt die Kosten für lange Betriebspraktika. Die Hoffnung: Unternehmer könnten die jungen Leute womöglich innerhalb eines halben Jahres etwas zurecht biegen. Parallel sondieren alle Beteiligten aber auch den Markt der ausländischen Arbeitskräfte. Polnische Azubis sind inzwischen in vielen Branchen begehrt, die Zahl junger Spanier, die eine Berufsausbildung im Brandenburgischen machen, nimmt ebenfalls zu.

Der Ausbildungsmarkt in Zahlen

Für den Landkreis Dahme-Spreewald hat die Arbeitsagentur Cottbus seit Jahresbeginn 916 Ausbildungsstellen und 894 Bewerber registriert. Die Zahl der Ausbildungsstellen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen, die Zahl der Bewerber ist leicht gestiegen.

Am meisten gesucht wurden Koch-Azubis (53), gefolgt von Kaufmann im Einzelhandel, Restaurantfachmann und Kaufmann Büromanagement (jeweils 42 Stellen).

Bei den unbesetzten Stellen liegen Koch (29), Restaurantfachmann (25) und Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung und Klimatechnik (20) vorn. Insgesamt sind noch 324 Stellen unbesetzt.

Von den 894 Bewerbern sind 190 noch unversorgt.

Für den Landkreis Teltow-Fläming wurden bei der Arbeitsagentur Potsdam 1128 Ausbildungsstellen und 1123 Bewerber registriert. Sowohl die Zahl der Stellen als auch die Zahl der Bewerber ist in den vergangenen zwei Jahren leicht angestiegen.

Offen sind in Teltow-Fläming derzeit noch 477 Stellen.

Unversorgt sind in Teltow-Fläming noch 361 Bewerber.

Die Zahlen der Arbeitsagentur geben den Stand von Mitte August wieder. Da das Ausbildungsjahr am 1. September beginnt, sind Korrekturen möglich.

Syrer wird man in den kommenden Monaten in den Klassenräumen der Berufsschulen dagegen kaum finden, was nicht am Desinteresse der Unternehmen liegt. „Die Bereitschaft der Handwerksbetriebe ist weiterhin hoch“, sagt Ines Weitermann von der IHK-Cottbus. Die Zeit zur Vorbereitung sei aber zu knapp gewesen. Der Sprachstand ist noch nicht ausreichend. „Und die Unternehmen mussten auch erkennen, dass viele private Probleme gelöst werden müssen und es weit mehr Unterstützung für Fragen des täglichen Lebens bedarf.“

In Dahme-Spreewald haben deshalb bislang erst vier Flüchtlinge eine Ausbildung begonnen. Anja Wierik von der Arbeitsagentur Cottbus ist aber zuversichtlich, dass es im nächsten Jahr deutlich mehr sind. Bereits 151 junge Leute aus Syrien, dem Irak und anderen Flüchtlingsstaaten befinden sich derzeit in berufsvorbereitenden Maßnahmen.

Von Oliver Fischer

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