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Viervierteltakt verbindet

Lehrer aus Ludwigsfelde probt mit besonderer Band Viervierteltakt verbindet

Der Ludwigsfelder Lehrer Hans Bugaj probt in Groß Schulzendorf mit einer jungen Band, deren Mitglieder geistig behindert sind. Er will seinen Schülern ein Stück Normalität im Teenager-Alltag bieten.

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Hans Bugaj (r.) schaut zwar lehrermäßig streng, lässt aber mit sich reden. Seine Band steht hinter ihm.

Quelle: Tanja Kasischke

Groß Schulzendorf. Susi gibt den Takt vor. Vier junge Männer, Manuel, Tobias, Dominik und Lars, richten sich nach der blonden Schlagzeugerin. Nur Sängerin Monique ist mit den Gedanken woanders. Sie blättert im Notenordner: Wie beginnt die erste Strophe von „Gelbe Katze“? Rechtzeitig setzt das Mädchen ein.

Die Szene im Musikcontainer der Förderschule Groß Schulzendorf wirkt im Ablauf wie eine normale Bandprobe. Erst allmählich, einige Stücke später, wird dem Zuhörer bewusst: Etwas ist anders an den Musikern. „Sie sind geistig behindert“, sagt Hans Bugaj, der das Projekt 2003 initiiert hat und leitet. Der Ludwigsfelder hat kein Problem damit, das Thema vor den Zwölf- bis 15-Jährigen anzusprechen. Die Probenatmosphäre ist entspannt. Davon zeugt auch der Bandname: „Na und?“
„Musik funktioniert über Grenzen hinweg. Eine Musikerin, die schlecht schreiben und lesen kann, singt trotzdem perfekt Englisch,“ berichtet Bugaj aus der Probenpraxis des vergangenen Jahrzehnts. Die Band will behinderten Jugendlichen ein Stück Normalität im Teenager-Alltag ermöglichen. „Sie sind nicht lebensfremd. Sie mögen Hard Rock oder Hip-Hop wie andere Jugendliche ihres Alters auch.“

Sie tanzen auch gerne zur Musik. Antonia zum Beispiel, sie verpasst kaum eine Probe, obwohl sie kein Instrument spielt. Aber sie tanzt. Manchmal lässt sich Monique von ihr anstecken – und ist beim folgenden Gesangs-Einsatz außer Puste. Das stört höchstens Keyboarder Lars, der es sehr genau nimmt mit der Musik. Er ist Autist, so wie Susi, die Schlagzeugerin. Auch die übrigen Bandmitglieder seien verhaltensauffällig. „Aber die furchtbar schweren Syndrome, wie man sie sich unter einer geistigen Behinderung allgemein vorstellt, haben wir nicht“, stellt Hans Bugaj klar. Trotzdem verzichtet er auf das Prinzip Inklusion, das bedeutet darauf, behinderte und nicht-behinderte Jugendliche gemeinsam musizieren zu lassen. „Da sind die Unterschiede im Niveau doch zu erheblich.“

Sie äußern sich etwa darin, dass Bugaj, der selbst Gitarre und Keyboard spielt, jeden Einsatz laut einzählt. „Klare Vorgaben, ein Viervierteltakt zum Beispiel, sind einleuchtend für die Bandmitglieder. Deshalb klappt es gut mit südamerikanischen Liedern, die haben fast alle einen Viervierteltakt.“ Er schmunzelt, die Züge in dem sonst ernsten Pädagogengesicht werden weicher. Dann fällt ihm noch ein: „Schräge Takte, Swing oder Jazz, gehen auch mal.“ Aber sie brauchen ihre Zeit. Beim „Schulzendorfer-Blues“ sind alle Musiker synchron. Es ist das Ergebnis harter Arbeit.

Hans Bugaj ist kein Berufsmusiker sondern Lehrer. Seit 2011 ist er pensioniert, aber hört seinen Schülern zuliebe nicht auf, beide Disziplinen zu verbinden. „Von den Schülern kommt weniger Eigeninitiative“ sagt er, danach gefragt, worin sich behinderte von nicht-behinderten Musikern unterscheiden. „Aber dafür kennen sie kein Lampenfieber. Die stellen sich hin und spielen.“ 20 Auftritte absolvieren „Na und?“ im Jahr. Zuletzt spielte die Band beim Jubiläum der Grund- und Oberschule Schenkenland in Groß Köris, Ende September. In zwei Jahren, „mit 70 Jahren“, will Hans Bugaj die Gruppe einer jüngeren Kollegin übergeben. Er hofft, „dass es damit nicht aufhört.“

Von Tanja Kasischke

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