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Vize-Chef des Kirchenfördervereins wird Lektor

Lichterfelde Vize-Chef des Kirchenfördervereins wird Lektor

Lektoren auf die Kanzel. Aus der Not eine Tugend machen – nach diesem Motto verfährt derzeit die evangelische Kirche in der Region. Dort begegnet man der geringen Zahl an Pfarrern, indem man immer öfter Laien in Kirchen Gottesdienste halten lässt. Pfarrer schätzen die Arbeit der „geerdeten“ Laien besonders.

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Mit dem Taufengel in der Lichterfelder Kirche ist Andreas Lust schon lange per du.

Quelle: Uwe Klemens

Lichterfelde. „Es ist doch wirklich ein echtes Wunder“, freut sich Hedda Hoff und will gar nicht wieder aufhören, Andreas Lust die Hände zu schütteln. Nicht nur die Schlenzeranerin war erfreut, dass der morgendliche Gottesdienst in der Sernower Kirche eine besondere Überraschung bereit hielt. Zum ersten Mal in seinem Leben stand der Lichterfelder Andreas Lust vor Gläubigen, um zu predigen. Für die Christen in seinem Pfarrsprengel ist dies eine kleine Sensation. Oder eben ein Wunder, wie Hedda Hoff behauptet. Denn Lust selbst ist kein Christ.

„Aber ich gehöre zu den Menschen, die daran glauben, dass es da etwas gibt, was die Hand über uns hält“, sagt der 44-jährige Familienvater, der eine Hochachtung vor Religionen hat und von deren Wichtigkeit überzeugt ist. Zusammen mit zwei weiteren Lektoren-Schülern des bis in seinen Heimatort Rangsdorf reichenden Kirchenkreises, absolviert Lust seit September eine dreimonatige Ausbildung zum Laienprediger. Nach etlichen Seminaren unter Leitung von Superintendentin Katharina Furian war der Gottesdienst im Nachbardorf nun seine Feuertaufe. Pfarrer Joachim Boekels stand ihm dabei hilfreich zur Seite.

Spannende Herausforderung

„Als Nicht-Christ ist die Ausbildung für mich natürlich doppelt so schwer, weil ich vieles von dem, was für Christen meist von Kindesbeinen auf selbstverständlich ist, einfach nicht kenne“, sagt Lust, der die Herausforderung aber auch gerade deswegen besonders spannend findet. „Das Schwierigste sind für mich die Kirchenlieder. Nicht nur, weil ich jetzt erst mal damit beginnen muss, die Texte zu lernen, sondern auch, weil ich eigentlich gar nicht singen kann.“ Die Kirchenlieder auf dem USB-Stick, den ihm Joachim Boekels gab, helfen ein wenig dabei, dann im Gottesdienst den richtigen Ton zu finden.

„Dass Laien uns bei den Gottesdiensten unterstützen, ist eine großartige Sache“, freut sich Boekels, der den Vize-Chef des Lichterfelder Kirchenfördervereins für die Idee einer Lektoren-Ausbildung begeistern konnte. „Auch wenn Lektoren nicht alle Aufgaben eines Pfarrers übernehmen dürfen, sind sie ein großer Gewinn, auch, weil sie ganz anders im Leben stehen als wir und das, was sie sagen, bei den Gottesdienstbesuchern ein besonderes Gewicht hat. Zudem ermöglichen Lektoren, das Gottesdienste überhaupt in akzeptablen Abständen in allen Kirchen stattfinden können, da Pfarrsprengel riesengroß sind und ein Pfarrer allein das nicht schaffen kann.“

Die Gemeinde freut sich über das Wirken von Lektor Andreas Lust

Die Gemeinde freut sich über das Wirken von Lektor Andreas Lust.

Quelle: Uwe Klemens

Andreas Lust erste Begegnung mit dem, was andere Glauben nennen, liegt kann 40 Jahre zurück, die jüngste Erfahrung erst ein paar Wochen. „Als Achtjähriger hab ich die neuen Schuhe, die mir die Verwandtschaft aus dem Westen mitgebracht hatte, verbummelt. Vor Verzweiflung hab’ ich probiert, ob mir nicht Gott helfen könnte. In der Nacht darauf verriet er mir im Traum, wo sie dann tatsächlich waren“, erzählt er schmunzelnd.

Bedeutung des Christentums entdeckt

Die Idee, den Förderverein zur Kirchenrettung mit zu gründen, hatte weniger religiöse Gründe. „Wichtig war mir, dass dieses für den Ort und für viele Menschen so wichtige Gebäude erhalten bleibt“, blickt Lust zurück. „Erst nach und nach habe ich dann auch für mich selbst die Bedeutung des Christentums entdeckt.“

Als Andreas Lust in diesem Sommer mit seinen Söhnen und einem Eselführer auf Pilgerreise ging, um Spenden für die Kirche zu sammeln, hatte er unterwegs ein denkwürdiges Erlebnis. „Mitten im strömenden Regen hat sich über uns der Himmel geteilt, sodass wir nicht nass wurden und trockenen Fußes in die Kirche kamen.“

Von Uwe Klemens

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