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Teltow-Fläming Volkshochschulen lehren digital
Lokales Teltow-Fläming Volkshochschulen lehren digital
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18:37 29.11.2017
Im virtuellen Seminarraum: Andrea Staeck ist mit der VHS Luckenwalde, gekennzeichnet als einer der roten Punkte, eingeloggt. Quelle: Christina Koormann
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Luckenwalde

Im Raum C3106 in der Volkshochschule Luckenwalde ist Professor Doktor Stefan Hradil zu Gast. Der Soziologe hält einen Vortrag zum Thema: „Der Streit um die Armut – Anmerkungen zum deutschen Armutsdiskurs“. Viele Zuhörer sind dabei: Sie verfolgen Hradils Vortrag von Heinsberg, Winnenden, Schmalkalden, Mosbach und anderen Orten aus. Stefan Hradil selbst sitzt an seinem Schreibtisch des soziologischen Instituts der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.

Trotzdem fühlt sich alles ganz nah an: Im Webinar treffen sich Wissenschaftler und Interessierte nicht am runden Tisch, sondern in einem virtuellen Seminarrraum, in den sie sich von unterschiedlichen Orten live zuschalten, sich informieren und diskutieren können.

Webinar-Format an mehr als 100 Volkshochschulen

Seit 2014 gibt es das Webinar-Format an mehr als 100 Volkshochschulen in Deutschland. Angeboten werden die Vorlesungen von der Volkshochschule Böblingen-Sindelfingen (Baden-Württemberg). Auch die Volkshochschulen (VHS) in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming haben die Webinare in ihren Lehrplan aufgenommen und sind von dem Format angetan.

Die VHS Luckenwalde bietet, wie auch die VHS Königs Wusterhausen, Webinare in allen Bereichen an – thematisch decken die Volkshochschulen alles von Kultur über Gesundheit und Gesellschaft bis hin zu Technologien ab. „Im Kunstbereich etwa hat es hier eine schöne Entwicklung gegeben“, sagt Andrea Staeck, Leiterin der VHS Luckenwalde. „In den Webinaren zur Kunst der Niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts hat sich mittlerweile ein fester Stamm von Zuhörern gebildet.“

„Raus aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm“

Der Clou: Es besteht sowohl die Möglichkeit, sich in der Volkshochschule wie zu einem normalen Vortrag mit anderen Teilnehmern zu treffen, als auch, sich das ausgesuchte Webinar live am Computer von zuhause aus anzuschauen. Dafür muss sich der Teilnehmer über seine Volkshochschule anmelden und bekommt mit einem Passwort Zugang. Nach dem jeweiligen Vortrag eines Dozenten können in einer Chatfunktion ähnlich wie bei dem Instant-Messenger-Dienst Skype Fragen gestellt werden, die ein Moderator dann an den Dozierenden richtet. „Auch für viele Dozenten ist das Format etwas Neues, aber die Resonanz ist sehr positiv“, sagt Staeck. Stefan Hradil betont am Ende seines Vortrags: „Ich mache diese Seminare sehr gerne, sie geben mir das Gefühl, man kommt mal aus seinem wissenschaftlichen Elfenbeinturm heraus.“

Zielgruppe sind besonders Teilnehmer der Volkshochschulen, die sich für politische und gesellschaftliche Themen interessieren. „Die Webinare haben einen wissenschaftlichen Charakter, den wir sonst in dieser Form gar nicht umsetzen könnten“, sagt Andrea Staeck. Die Möglichkeit, durch Webinare Zugang zu Studienergebnissen zu bekommen und so Argumentationen im Alltag mit wissenschaftlichen Fakten untermauern zu können, sei eine Besonderheit, sagt die Volkshochschulleiterin. „Natürlich sollen die Webinare bestehende VHS-Kurse nicht ersetzen, sondern als erweitertes Lernkonzept sinnvoll ergänzen“, sagt Staeck.

Trotz ihrer wissenschaftlichen Ausrichtung seien die Themen in den Webinaren aus dem Leben gegriffen; man müsse kein Studierter sein, um ihnen folgen zu können, so Staeck. Die VHS Luckenwalde habe sich entschlossen, Webinare anzubieten, „weil es ein gutes Format mit guten Themen in Vortragsform ist, das uns einen noch vielseitigeren Themenaustausch ermöglicht“.

Auch Einsatz in der Lehre

Auch an der TH Wildau wird bereits seit einiger Zeit mit Webinaren gearbeitet. Dort dient das Format sowohl als Austausch unter Dozierenden an verschiedenen Standorten als auch – seit Kurzem – zur Studienberatung. „Das Angebot ist besonders sinnvoll in einem Flächenland wie Brandenburg“, erklärt Katja Wenger vom Zentrum für Studienberatung der TH Wildau. Durch die Möglichkeit, sich im virtuellen Seminarraum zu treffen, könnten sich Studienanwärter weite Fahrstrecken ersparen und eine „Face-to-Face“-Beratung oder Gruppenberatung in digitaler Form wahrnehmen.

Von Christina Koormann

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